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Irak-Debatte Der Triumphzug der Anti-Europäer

3. Teil: Lesen Sie im dritten Teil: Wie die Kriegsdienstverweigerung des Bundeskanzlers den letzten amerikanischen Krieg-Kritikern den Rücken stärkt

Folgen des Terror-Schocks. Seit dem 11. September 2001 sind die Amerikaner entschlossen, die Welt zu verändern - nach ihren Vorstellungen
AP

Folgen des Terror-Schocks. Seit dem 11. September 2001 sind die Amerikaner entschlossen, die Welt zu verändern - nach ihren Vorstellungen

Man muss, offenbar. Peter Schneider beispielsweise adelt die vorstehend erwähnte Ungeheuerlichkeit, die als Grundfigur bereits im Manifest der amerikanischen Intellektuellen auftaucht, mit ergänzenden Hinweisen zu historischen deutschen Verpflichtungen.

Gerhard Schröders Asynchronität mit den USA war für ihn so unfassbar, dass er sie in der "New York Times" fast verlegen und schmunzelnd als Wahlmanöver entschuldigte, für das ja doch gerade US-Politiker Verständnis haben sollten. Der Gedanke an Schröders Aufrichtigkeit kam ihm gar nicht! Und dabei spielen sie Tennis, die beiden!

Für den "Zeit?-Leitartikler Joffe war die weltpolitische Lage durch Schröders Differenz zu Washington so brenzlig, dass er sich in Kasino-Stoßseufzern Luft machen musste; da war dann die Rede vom "sel.Wilhelm" und noch viel von diplomatischer Isolation, die Achse, Rom-Paris-London, mein Gott, handwerkliche Fehler, nie wieder gutzumachen!

Misstrauen in der Peripherie

Und nun? Plötzlich hat der "deutsche Weg", der ja der des Zweifels am präemptiven amerikanischen Interventionismus ist, Breitenwirkung. Ja, das ist das Erstaunliche: Neben dem dröhnenden Triumphalismus von Rumsfeld wirkt Peter Strucks ausdrucksloses Kommodengesicht wie die achtenswerte Haltung des Widerstandes. Des Behauptens einer Differenz.

Besonders in der Peripherie, etwa in den Ländern Lateinamerikas, kommt das gut an. Dort verbinden schließlich viele mit dem 11. September den Tag, an dem Allende weggeputscht wurde. Bekanntermaßen half der CIA damals, weil er, wie die ganze US-Regierung, wieder mal im Kampf gegen das Böse mobil machen musste. Doch mittlerweile ist das Misstrauen der Peripherie sogar fürs Zentrum plausibel. Man muss nicht so weit gehen wie die indische Schriftstellerin Roy, die in der rhetorischen Aufrüstung nach dem 11. September ein bereits kalkuliertes Sprach-Spiel zur Ölkrieg-Aufrüstung gegen den Irak vermutete.

Doch mittlerweile - ist das nicht erstaunlich - glaubt die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung, dass der Irak-Krieg der Regierung zur Ablenkung von den wirtschaftlichen Problemen im eigenen Land dient.

Zu nervös für Kritik

Das sollte den Journalisten des Landes zu denken geben. Sie könnten, wieder mal, völlig daneben liegen. Sie könnten entdecken, was kluge Kommentatorinnen wie Maureen Dowd längst beschreiben: Dass die Stimmung im Lande ja gar nicht so kriegerisch patriotisch ist. Dass in Wahrheit eine nervöse, unglückliche Halbaufgeklärtheit herrscht, in der die die Zustimmung zum nächsten amerikanischen Militärgang eher verdrossen gegeben wird, weil man spürt: Die Differenz lässt sich nicht plattmachen. Die Welt wird nie eine amerikanische sein.

Und vielleicht ist das System auch nicht ganz so siegreich, wie es von sich selber denkt? Es ist zumindest so nervös, dass es die Differenz zurzeit noch nicht erträgt. Als sich am vorletzten Sonntag immerhin 15.000 Menschen im Central Park sammelten, um gegen den Irak-Krieg zu protestieren, gab es außer dem oben genannten gehässigen "Observer"-Artikel kaum Erwähnung in Zeitungen oder TV-Anstalten, deren Weltoffenheit sich zunehmend auf die Auswahl multiethnischer Moderatorinnen beschränkt.

Die amerikanische Gegenöffentlichkeit - immerhin das ein bleibender Sieg der Dotcom-Revolution - organsisiert sich derweil mit Kettenbriefen im Internet, in denen viel von Exxon, Enron und Cheney die Rede ist.

Warten aufs Aufwachen

Dennoch ist damit zu rechnen, dass irgendwann auch das Kern-Corps der amerikanischen Journalisten aus seiner Selbsthypnose erwacht. Vielleicht findet ja selbst Christopher Hitchens zur europäischen "Kompliziertheit" zurück.

Übrigens ist Hitchens der einzige, der in der "Nation" über Bord gegangen ist. Einer ihrer Gründer, der linksliberale jüdische Intellektuelle Norman Birnbaum hat jetzt in der "Süddeutschen" die deutsche Politik zu ihrer Position beglückwünscht, und die deutschen Intellektuellen um Beistand gebeten. "Es gibt eine Welt außerhalb der USA".

Der deutsche Kanzler, man sollte es nicht glauben, ist mittlerweile eine Widerstands-Ikone. Selbst in der Demonstration im Central Park wurde Schröder auf einem Transparent gefeiert.

Was die amerikanische Vereinfachung der Welt auf Freund oder Feind doch für Kapriolen schlagen kann.

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