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11.02.2007
 

Studie

Deutsche und Israelis denken besser voneinander

Mehr als 60 Jahre nach Nazi-Terror und Holocaust hat sich das Verhältnis zwischen Israelis und Deutschen deutlich entspannt. Einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge ist die gegenseitige Wertschätzung in den vergangenen 15 Jahren signifikant gestiegen.

Gütersloh - Die Mehrheit der Israelis und der jüdischen Amerikaner habe heute eine positive Meinung von Deutschland, schreiben die Forscher des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid, die die Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung durchgeführt haben. Danach hat der Anteil der Israelis, die eine positive Meinung über Deutschland haben, seit 1991 von 48 Prozent auf 57 Prozent zugenommen. Unter amerikanischen Juden haben 56 Prozent eine positive Meinung von Deutschland, 14 Prozent sogar eine sehr gute.

Umgekehrt glauben heute nur noch neun Prozent der Israelis, man könne sich nicht mit den Deutschen versöhnen, gegenüber 22 Prozent vor 15 Jahren. Gleichzeitig sehen weitaus mehr Israelis Deutschland heute als gefestigte Demokratie. Kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands glaubten fast 80 Prozent, Deutschland sei durch extremistische Gruppen gefährdet, heute glauben dies weniger als die Hälfte (46 Prozent).

Umgekehrt sei bei Deutschen das Verantwortungsgefühl für das jüdische Volk gewachsen. Einen Beleg dafür sehen die Forscher darin, dass die Deutschen im Nahostkonflikt mehrheitlich Partei für Israel ergreifen.

Zwar sei in Israel und den USA die Skepsis gegenüber der Solidarität der Deutschen noch sehr ausgeprägt, die Studie belege aber eindeutig, dass antisemitische Einstellungen in Deutschland eher auf dem Rückzug sind. So lehnten mehr Deutsche als früher die Auffassung ab, die Juden seien mitschuldig, wenn sie gehasst würden oder versuchten aus ihrer Vergangenheit Vorteile zu ziehen. Auch ist in den vergangenen 15 Jahren die Zahl der Deutschen deutlich gewachsen, die sich schämten, dass Deutsche so viele Verbrechen an den Juden begangen haben, und die auch keinen Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen wollten.

Noch immer sehen 42 Prozent den Nationalsozialismus teilweise positiv

Auch die Einstellung der Deutschen zum Nationalsozialismus hat sich gewandelt. Wenn auch der Anteil derjenigen, die der Nazi-Zeit auch gute Seiten abgewinnen können mit insgesamt 42 Prozent noch immer erschreckend hoch ist, so ist die Tendenz eindeutig rückläufig: Bei der letzten Befragung 1991 hatten noch insgesamt 43 Prozent diese Frage mit ja beantwortet.

Doch diese Zahlen ändern nichts daran, dass Deutsche, Israelis und amerikanische Juden sich inzwischen deutlich freundlicher gegenüberstehen. "Ganz offensichtlich sind die Zentren in den Gesellschaften einander positiver eingestellt als noch Anfang der neunziger Jahre", kommentiert Werner Weidenfeld, Mitglied des Vorstands der Bertelsmann-Stiftung, die Ergebnisse der Erhebung. "Die gegenseitige Wahrnehmung von Deutschen und Israelis ist insgesamt entkrampfter geworden."

Ein großer Teil der Israelis halte denn auch die deutsche Politik gegenüber Israel für freundlicher als die der anderen europäischen Staaten. Und Angela Merkel genieße in Israel deutlich mehr Sympathie als Jacques Chirac oder Wladimir Putin. Nur George W. Bush ist den Israelis noch sympathischer.

Historische Hypothek bleibt erkennbar

"Dennoch darf nicht übersehen werden", so ergänzt Weidenfeld, "dass zum einen die historische Erfahrung des Holocaust weiterhin die gegenseitige Wahrnehmung stark beeinflusst und zudem zwischen Deutschen und Israelis eine unterschiedliche Bewertung internationaler Probleme besteht." So sähen weiterhin 78 Prozent der Israelis und 54 Prozent der amerikanischen Juden ihre Einstellung zu den Deutschen durch die Judenverfolgungen belastet. Das glaube auch jeder zweite Deutsche.

Und in der Bewertung der aktuellen Politik unterschieden sich viele Einschätzungen der Deutschen von denen der Israelis und amerikanischen Juden dramatisch. Während Dreiviertel der Israelis den Einsatz der Bundeswehr im Libanon befürworteten, sei fast jeder zweite Deutsche (47 Prozent) dagegen, 49 Prozent seien dafür. 80 Prozent der Israelis und 72 Prozent der befragten amerikanischen Juden befürworteten einen militärischen Schlag gegen Iran, wenn dieser eine Atombombe bauen sollte. Doch nur 32 Prozent der Deutschen hielten einen entsprechenden Militärschlag für gerechtfertigt.

Stephan Vopel, Projektleiter der Bertelsmann-Stiftung, verweist auf Gründe der Diskrepanz bei der Beurteilung politischer Fragen: "Deutsche und Israelis besitzen aufgrund der historischen Erinnerung, aber auch wegen ihrer ganz anderen politischen Realität völlig andere politische Kulturen. Daraus resultieren auch stark unterschiedliche Schlussfolgerungen für den Umgang mit Konflikten. Während es für die Israelis heißt 'nie wieder Opfer', lautet die Maxime der Deutschen 'nie wieder Krieg'."

Die Studie über das Verhältnis von Deutschen und Juden beruht auf einer repräsentativen demoskopischen Befragung von TNS Emnid, die im Januar im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung in Deutschland, Israel und unter amerikanischen Juden durchgeführt wurde. Als Vergleich diente eine Erhebung aus dem Jahre 1991. Die Ergebnisse der Studie werden am Anfang der Woche anlässlich des Deutsch-Jüdischen Dialogs diskutiert, den die Bertelsmann-Stiftung vor 15 Jahren ins Leben gerufen hat.

mik

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