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Reform-Umkehr Deutschland, Jammerland

2. Teil: Wie SPD und CDU Ängste vor der Globalisierung schüren

Merkels Taktik besteht darin, meist das Gleiche zu sagen wie die SPD und nur die Tonart abzumildern. Während Müntefering kernig gegen Heuschrecken zu Felde zieht, versichert Merkel, Hedgefonds sollten einer stärkeren internationalen Kontrolle unterliegen. Komplizenhaft signalisiert sie dem wirtschaftsliberalen Publikum, eigentlich sei alles nicht so gemeint. Indem sie aber dieselben Begriffe und Denkmuster verwendet, sorgt die Kanzlerin dafür, dass diese zunehmend den öffentlichen Diskurs bestimmen.

Nicht nur die SPD schürt die Ängste vor der Globalisierung und polnischen Klempnern, auch die Union spielt bei diesem Spiel mit. Unter der Überschrift, die strategischen Industriebereiche der Bundesrepublik vor dem Einfluss ausländischer Staatsfonds schützen zu wollen, fördert die CDU einen "globalisierungskritischen" Neo-Protektionismus. Da der Staat bei Verkäufen von Rüstungsunternehmen bereits ein Mitspracherecht hat, muss man sich fragen, was das Etikett strategisch alles umfasst. Die Deutsche Bank besitzt als einzige deutsche Bank von internationalem Rang strategische Bedeutung für die Wirtschaft der Bundesrepublik. Muss man deshalb Ackermann vor Heuschrecken schützen?

Die egalitäre Bundesrepublik

Mit ihrer in vielen Punkten ähnlichen Politik zeigen Beck und Merkel, dass sie verstanden haben: Die Bundesrepublik ist ein egalitäres Land. Nicht so sehr wie die skandinavischen Nachbarn, aber doch ausgeprägter als die meisten europäischen Staaten - von den USA ganz zu schweigen. Das Steuersystem verteilt von oben nach unten um; das Gesundheitswesen hat mit seinen einkommensabhängig gestaffelten Prämien und der beitragsfreien Mitversicherung von Angehörigen eine ähnliche Wirkung. Die Gehaltsunterschiede zwischen Akademikern und Menschen ohne Hochschulstudium fallen geringer aus als in anderen Ländern.

In diesem Klima gedeiht die Debatte über soziale Gerechtigkeit, von der es nach Ansicht der meisten Deutschen zu wenig gibt. Deshalb findet ein einheitlicher Mindestlohn auch solch eine breite Zustimmung in der Bevölkerung, obwohl er ein Minderheitenthema ist. Schröders Kürzen und Sparen war inhaltlich notwendig, politisch aber bedeutete es in einer so gestrickten Gesellschaft Selbstmord. Nun ist der Aufschwung da, und die SPD möchte sich von niemand übertreffen lassen, wenn es wieder darum geht, soziale Wohltaten zu verteilen.

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Ich sehe das ähnlich wie der Korrespondent der NZZ, es ist gefährlich früh für eine Rolle Rückwärts und ein "uff, jetzt ist alles wieder schön". Wahrscheinlich muß man in Deutschland die Legislaturperioden verlängern um [...]
Ich sehe das ähnlich wie der Korrespondent der NZZ, es ist gefährlich früh für eine Rolle Rückwärts und ein "uff, jetzt ist alles wieder schön". Wahrscheinlich muß man in Deutschland die Legislaturperioden verlängern um einigermaßen vernünftige Politik auch durchzuhalten. Becks SPD ist für mich jedenfalls nicht wählbar.
kdshp 27.10.2007
Hallo, was hat das mit wehklagen zu tuen ? Ist es denn "gerecht" wenn einige so richtig profitieren und das zum großen teil noch auf kosten derer die nicht an diesem "aufschwung" beteildigt sind. ? Die [...]
Zitat von sysopVerkehrte Welt in Deutschland: Kaum erholt sich die Wirtschaft, bricht großes Wehklagen über die "Verlierer des Aufschwungs" los. Nicht nur die SPD probt die Rolle rückwärts - vor allem Merkels CDU verfrühstückt die Früchte der Reformen. Ein Zwischenruf von Eric Gujer. http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,513565,00.html
Hallo, was hat das mit wehklagen zu tuen ? Ist es denn "gerecht" wenn einige so richtig profitieren und das zum großen teil noch auf kosten derer die nicht an diesem "aufschwung" beteildigt sind. ? Die agenda 2010 hat nur mehr umverteilt und kein bißchen verändert. Doch die umverteilung von unten nach oben hat sie beschleunigt. Auch ist es eigentlich lächerlich von einem aufschwung zu sprechen während gleichzeitig die armut drastisch zu nimmt siehe kinderarmut. Wessen aufschwung war/ist das eigentlich ? Ach ja und was wohl auch viele nicht gewinner iritiert kam auch von unserem kanzler herrn schröder : "Alle müssen den gürtel enger schnallen", das war auf die reformen bezogen. Und jetzt wundert sich leute das die "verlierer" dieses aufschwungs sich auch noch beschweren.
Kleinlok 27.10.2007
Seit einem guten Jahr wird der Aufschwung hochgelobt. Wer den nicht beötigt, dem wird nicht auffallen, dass er gerade bei denen, die ihn dringend privat benötigen, nicht ankommt. Diese Blindheit für die soziale [...]
Zitat von sysopVerkehrte Welt in Deutschland: Kaum erholt sich die Wirtschaft, bricht großes Wehklagen über die "Verlierer des Aufschwungs" los. Nicht nur die SPD probt die Rolle rückwärts - vor allem Merkels CDU verfrühstückt die Früchte der Reformen. Ein Zwischenruf von Eric Gujer. http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,513565,00.html
Seit einem guten Jahr wird der Aufschwung hochgelobt. Wer den nicht beötigt, dem wird nicht auffallen, dass er gerade bei denen, die ihn dringend privat benötigen, nicht ankommt. Diese Blindheit für die soziale Wirklichkeit soll den Gewinnern dieser korrupten Gesellschaft mit samt Herrn Gujer helfen, die eigenen bequemen Illusionen zu bebauchpinseln. Herr Gujer gefält sich in der Rolle des mahnenden Weisen, dessen Weisheit am Ende der eigenen sozialen Klasse abrupt ein Ende findet. Jedes 5. Kind in Deutschland, wie vor 2 Tagen gemeldet, lebt in Armut, viele dieser Kinder erleben Ihre eigene Zukunft als hoffnungslos. Millionen Menschen sind in Deutschland arbeitslos und werden es auch bleiben, da Aufschwung hin und her - Wachstunsraten wie in China für die deutsche Wirtschaft illusorisch sind. Doch die Illusion, dass irgendwann alle mal was vom großen Kuchen ab bekommen werden, wird eifrig von denen krampfhaft am Leben erhalten, die von der ungerechten Verteilung des Reichtums und der Zukunft am meisten profitieren und schamlos ungehindert weiter profitieren wollen. Also ruft man denen im Rettungsboot dümmliche Durchhalteparolen zu, verbittert sich das Jammern und schenkt sich derweil in der 1. Klasse den Schampus nach. Millionen von Menschen wissen das nur inzwischen besser. Mit kalten nassen Füssen schmecken die lauwarmen Unwahrheiten schon lange nicht mehr und der soziale Riss unserer Gesellschaft kann nicht mehr mit dem billigen Kitt der positiv denkenden Stimmungsmache verklebt werden. Und nichts anderes ist der Kommentar von Herrn Gujer. Gruss Kleinlok
Kaiserbubu 27.10.2007
Man kann es nicht mehr hören. Sozial und Gerechtigkeit sind Schimpfwörter, oder aus dem Sprachgebrauch zu verbannen. Wer nicht nach Friedmans Ökonomenweisheiten tanzt ist ein Gutmensch und wird verspottet. Was von der [...]
Man kann es nicht mehr hören. Sozial und Gerechtigkeit sind Schimpfwörter, oder aus dem Sprachgebrauch zu verbannen. Wer nicht nach Friedmans Ökonomenweisheiten tanzt ist ein Gutmensch und wird verspottet. Was von der vielgepriesenen Agenda 2010 wirklich zu halten ist wird man sehen wenn die Weltkonjunktur schrumpft. Dann werden die Lügen über das Jobwunder für 50zig Jährige schnell entlarft. Denn kein Unternehmer ist ein Sozialamt. Der stellt berechtigter Weise nur Mitarbeiter ein, wenn er genügend Aufträge hat.Die Agenda 2010 hat nur Jobs in der Verwaltung der Armut gebracht, aber keine Aufträge für die Industrie. Die Ökonomen, die Deutschland schon beerdigt haben, weil die Agenda nicht genügte, bejubeln jetzt das gleiche Werk. Der Spiegel entfernt sich auch mit seinem von Steingart und Aust feprägtem neoliberalen Mainstream immer weiter von der "Basis".
Tautologe 27.10.2007
Der derzeitige Aufschwung in der deutschen Wirtschaft ist neben einer stabilen Weltkonjunktur in erster Linie der Duldsamkeit der deutschen Arbeitnehmer zu verdanken, die in den vergangenen 15 Jahren sogar Reallohneinbußen [...]
Der derzeitige Aufschwung in der deutschen Wirtschaft ist neben einer stabilen Weltkonjunktur in erster Linie der Duldsamkeit der deutschen Arbeitnehmer zu verdanken, die in den vergangenen 15 Jahren sogar Reallohneinbußen hingenommen, und damit den Standort Deutschland international wieder konkurrenzfähig gemacht haben. Die aktuelle Regierung schreibt diese Erfolge in unerträglichster Weise auf ihre Fahnen - und das bei einem kompletten Reformstillstand, bei einem Staat, der sich in seinen Ausgaben nicht bescheidet, ganz im Gegenteil. Die Regierung Merkel hat es bislang weder geschafft, die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, noch zur Renten- oder Krankenkasse zu verringern. Sie schafft es nicht einmal, in einem Jahr der sprudelnden Steuereinnahmen einen Haushalt ohne neue Schulden vorzulegen. Und als wäre all das noch nicht genug, lässt sie den Stromkonzernen und weiteren kartellähnlich organisierten Wirtschaftszweigen freie Hand bei ihren Raubzügen durch die Portemonais der Bürger; den Frieden in der Koalition und der eigenen Partei erkauft sich die Kanzlerin mit teuren Zugeständnissen. De Facto hat Deutschland derzeit keinen Kanzler, oder jedenfalls niemanden, der das Amt innehat und sich dementsprechend verhält. Deutschland ist somit ein Gegenbeweis der These, dass jedes Land die Politiker hat, die es verdient. Die deutsche Politikerkaste hat sich in ihrer konzentrierten, in langen Jahrzehnten der Politik des Stimmenkaufs erworbenen, massiven und karzinomen Inkompetenz längst in Sphären der Gemeingefährlichkeit - im wahrsten Wortsinne - verabschiedet. Jede Demokratie ist immer nur so stabil wie das Handeln derer, die sie beschützen sollen - und wenn ich heute die Politiklandschaft in Deutschland betrachte, mache ich mir ohne Ausnahme Sorgen. Am Ende bleibt eben doch nur die Auswanderung.
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