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Was machen Sie am 8. August um acht Minuten nach Acht chinesischer Zeit? Fechterin Imke Duplitzer, 32, hat einen Vorschlag: "Leute, Ihr habt eine Fernbedienung, schaltet um, leiht euch ein Video aus, macht Euch einen netten Abend mit der Familie, spielt ein Gesellschaftsspiel oder geht mal wieder spazieren."
An diesem Tag werden in Peking die Olympischen Spiele eröffnet. Die deutsche Fechterin Duplitzer hatte schon zuvor erklärt, der Eröffnungsfeier fern bleiben zu wollen. Sie ist die nächste in der Reihe von deutschen Sportlern, die ihre Opposition zu den politischen Verhältnissen im Land des Gastgebers der Olympischen Spiele zeigen wollen. Am vergangenen Dienstag sagte die deutsche Judo-Kämpferin und Olympiasiegerin Yvonne Bönisch ihre Teilnahme an der Eröffnungsfeier ab.
Für einen Boykott der Eröffnungsfeier in Peking hatte sich auch die frühere Weltklasse-Leichtathletin Heidi Schüller ausgesprochen. "Als Fähnchen schwenkende Staffage zur Huldigung eines autoritären Systems sollten sich weder Athleten noch Sportfunktionäre oder Politiker der freien Welt hergeben", erklärte die 57-Jährige, die bei den Olympischen Spielen in München 1972 als erste Frau den Olympischen Eid gesprochen hatte.
Jetzt ruft Duplitzer in einem Interview mit dem "Tagesspiegel am Sonntag" die Menschen in Deutschland dazu auf, das Spektakel weg zu zappen: "Liebe Zuschauer, Sie verpassen doch nichts. Wenn jemand nackt durchs Stadion läuft mit einer Free-Tibet-Fahne, der wird später sowieso noch hundertmal wiederholt."
"Auf Dauer wird dieses System nicht lebensfähig sein"
Bei der Eröffnungsfeier werden die Organisatoren "Propaganda auffahren", sagte Duplitzer und damit sei sie nicht einverstanden. Sie stellt sich eine gute Eröffnungsfeier so vor: "Ein kleines Kind läuft mit Kerze herein, wir Sportler hinterher, man macht das Ding an und Tschüss."
China als Staat lehnt Duplitzer rundweg ab: "Auf Dauer wird dieses System nicht lebensfähig sein", sagte sie dem "Tagesspiegel am Sonntag". Sie ruft die deutschen Olympia-Fans dazu auf, das auch so zu sehen: "Als Fernsehzuschauer kann ich zeigen, dass es so nicht weitergehen soll. Indem ich abschalte." Die Frage sei im Übrigen: "Wie bereiten wir jeden einzelnen in China darauf vor, was danach kommt?"
"Ich habe einen inneren Frieden gefunden"
Duplitzer schlägt dafür die Lehren des Dalai Lama vor, die hätten ihr sogar beim Fechten geholfen: "Ich habe einen inneren Frieden gefunden. Ich habe sechs buddhistische Bücher des Dalai Lama gelesen. Man geht danach ein bisschen unbeschwerter durchs Leben", sagte sie in dem Interview.
Imke Duplitzer wurde 2002 Vize-Weltmeisterin, 1999 Europameisterin und zwischen 1999 und 2006 sechsmal deutsche Meisterin im Degenfechten. Sie nahm bereits an den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta, 2000 in Sydney und 2004 in Athen teil.
Wer die Übertragung der Eröffnungszeremonie doch verfolgen will, sollte wissen: China ist uns sechs Stunden voraus. 20.08 Uhr in Peking bedeutet also fürs deutsche Publikum 14.08 Uhr.
maf/dpa
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