Südfrankreich - "Mich hat überrascht, dass so viele Menschen gekommen sind. Barack Obama scheint also Charisma zu haben. Seine Rede kam aber wohl auch deshalb so gut an, weil er der jüngeren Generation angehört. Einem alten, erfahrenen Politiker hätte man die Botschaft nicht abgenommen, hätte sie womöglich als Anbiederung begriffen.
Seine Rede war kurz und konzentriert. Obama hat eigentlich nichts ausgelassen und von allem ein wenig angesprochen: die Berliner Luftbrücke, Rassenhass, Drogenanbau, Klimawandel, Irak, Afghanistan, Fall der Mauer, Versöhnung der Religionen und vieles mehr. Mit vielleicht einer Ausnahme: China war das einzige Stichwort, das nicht fiel (lacht).
Aber im Ernst, er hat geschickt die Ebenen miteinander verbunden: vom Fall der Mauer gesprochen und dann vom Fallen der Mauern zwischen den Religionen. An einer Stelle schlug er sogar eine Brücke vom Mohnanbau in Afghanistan zum Drogenverkauf in Berlin. Das war sehr konkret und für deutsche Ohren ungewöhnlich.
Auffallend war auch, dass er für einen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten auch selbstkritische Bemerkungen zur jüngsten Politik seines Landes geübt hat - ohne natürlich sein Bekenntnis zu den USA in Frage zu stellen.
Wenn ich ihn von der Warte eines Schauspielers betrachte, dann kann ich nur sagen: Ich hatte nie das Gefühl, dass da jemand in Berlin eine Show macht. Das hat man ja oft bei amerikanischen Politikern, auch bei Bill Clinton fiel mir das manchmal unangenehm auf. Vielleicht liegt es daran, dass Obama unverbraucht ist, jugendlich wirkt und deshalb noch Authentizität ausstrahlt. Hinzu kommt natürlich sein Charme. Insgesamt war es ein gekonnter, gelungener, selbstbewusster Auftritt - im wirklich besten Sinne selbstbewusst und weit weg von jeglicher Arroganz."
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