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Sieg des politischen Machttriebs Wir brauchen Wölfe

2. Teil: Warum wir uns das Wesen der Macht nicht aussuchen können

Peter von Matt hat in seinem Lob der Intrige von der trügerischen Teufelsmantis in der Pflanzenwelt über Odysseus’ trojanisches Pferd, Dantes Inferno bis zum talentierten Mister Ripley von Patricia Highsmith die Kultur- und Naturgeschichte dieses Kampfes aufgeschrieben. Kaum einer aber hat den archaischen, animalischen Mechanismus der Macht so gescheit und kühl analysiert wie Elias Canetti in "Masse und Macht". Dafür ist er in die Tiefe gegangen, in die "Eingeweide der Macht", wie das Schlüsselkapitel heißt.

Macht als Verdauungstrakt: Canetti beschreibt den Mächtigen als denjenigen, der den Konkurrenten und später Unterlegenen als Beute anpeilt, ihn buchstäblich auffrisst, dessen Nährstoffe im Verdauungsprozess aufnimmt und den Rest ausscheidet. "Es ist ein langer Weg, den die Beute durch den Körper geht. Auf diesem Wege wird sie langsam ausgesogen", schreibt Canetti. "Was immer verwendbar an ihr ist, wird ihr entzogen. Was übrig bleibt, ist Abfall und Gestank."

Dieser Vorgang sei "aufschlussreich für das Wesen der Macht überhaupt: Wer über Menschen herrschen will, sucht sie zu erniedrigen; ihren Widerstand und ihre Rechte ihnen abzulisten, bis sie ohnmächtig vor ihm sind wie Tiere." Etwas Fremdes werde "ergriffen, zerlegt, einverleibt und einem von innen her angeglichen; durch diesen Vorgang alleine lebt man. Setzt er aus, so ist man selber bald am Ende, so viel weiß man."

Kurt Beck wusste das, vermutlich, ohne es gelesen zu haben. Alle, die gegen den Rivalen oder die Rivalin gekämpft haben, wissen das. Sieg oder Ende. Er/sie oder ich. So einfach ist das.

Ohne klares Ergebnis kommt es zur Revanche

Man kann sich das Wesen der Macht nicht aussuchen. Man kann nicht sagen: Wie eklig, wie obszön, jetzt organisieren wir das mal anders. So wollen wir das nicht. Ist Sex eklig, schmutzig? Wollen wir ihn ändern? Könnten wir ihn ändern?

Wenn in einem Gemeinwesen, das sich eine Spitze sucht, zwei Rivalen aufeinandertreffen, sie beide ihre Kräfte als ebenbürtig einschätzen und nicht vorher einer abdreht, dann wird am Kampf kein Weg vorbeiführen. Und wenn Runde eins nicht zu einem klaren Ergebnis geführt hat, dann wird es zur Revanche kommen. Und dieser Kampf um die Herrschaft wird zum Besten des Gemeinwesens geführt.

Es ist ein Trugschluss zu glauben, man könne die von Canetti beschriebenen Ursprünge der Macht ändern, weil wir nicht mehr barbarisch leben, sondern zivilisiert. Ebenso gut kann man sich die Erdanziehung wegwünschen. Oder den Sexualtrieb.

Der Unterschied zur Barbarei und zum Naturzustand ist nicht, dass Machtkämpfe anders ausgetragen würden. Der Unterschied und zivilisatorische Fortschritt liegt darin, dass Rivalität und Revanche in der zivilisierten Welt nicht mehr mit Waffengewalt ausgetragen werden.

Das Nebel dampfende Feld im Morgengrauen ist nicht mehr der finale Schauplatz. Jedenfalls kaum noch.

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insgesamt 61 Beiträge
flötrolf 19.11.2008
Gerade kam die Meldung, dass SolarWorld deutsche Opel-Standorte übernehmen und auf Solarmobile umtrimmen will. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,591386,00.html Die Analysten bewerten dies als schwierig, da [...]
Zitat von sysopClinton gegen Obama, Ballack gegen Löw, Beck gegen Müntefering - 2008 ist das Jahr der Machtkämpfe. Genau das braucht die Politik: Sie muss das Verhalten der Wolfsrudels lernen, um endlich das Mittelmaß zu besiegen. http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,591306,00.html
Gerade kam die Meldung, dass SolarWorld deutsche Opel-Standorte übernehmen und auf Solarmobile umtrimmen will. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,591386,00.html Die Analysten bewerten dies als schwierig, da SolarWorld keinerlei Ahnung vom Autobau habe. Das haben die Analysten auch nicht, sonst hätten Sie den Autobau bis vor 6 Wochen nicht auf Höchststände gepusht. Dazu: es gibt bei Opel gute technische Entwickler, u.a. im Bereich alternative Antriebssysteme. Das wäre aus Sicht des Technologiestandortes Deutschland eine sinnvolle Initiative, glaubwürdig und konsequent und vielleicht auch ein bißchen Abenteuer. Dazu kann ich mir dann auch eine Staatsbürgschaft oder weitere Aufbauhilfen sehr gut vorstellen. Und: Endlich ist der Mief von GM/Opel (Forster und Co., heute 1 Mrd. morgen 1,8 Mrd. €) weg. Es ist gewagt, entspricht in seinem Unternehmermut aber konsequenter der Entwicklung im Automobilmarkt, ein eindeutiger Ausschlag der Kompassnadel, um den sich viele Autobauer seit langem drücken. Ein Vertreter des deutschen Unternehmerpool, der wirklich Initiative zeigt. Ein Trendsetter, weg von Mittelmaß, weg von den Knallchargen und dem Mief von Analysten. Hin zu neuen Märkten, wichtigen Patenten in diesen Märkten, Materialentwicklungen, etc.. Wenn das kein Angebot an die Poliitk ist, sollte eine Volksbefragung abgehalten werden: 1.000 : 1 die Mehrheit befürwortet die Initiative auch wenn sie scheitern könnte oder einiges mehr als 1 Mrd. an Aufbauhilfen erfordert. Ich bin vor Begeisterung ganz vonne Socken!!!
testthewest 19.11.2008
Anfangs guter Artikel, der dann leider schnell ins seichte abdriftet, sobald Literatur zitiert wird. Es wird von verdauen gesprochen und so Dingen, dabei heisst es: "Teile und herrsche!" Wir brauchen nicht Wölfe [...]
Anfangs guter Artikel, der dann leider schnell ins seichte abdriftet, sobald Literatur zitiert wird. Es wird von verdauen gesprochen und so Dingen, dabei heisst es: "Teile und herrsche!" Wir brauchen nicht Wölfe oder sonst irgendein Tier, wir brauchen schlicht fähigere Leute in der Politik. Wieso kann es nicht für Ämter Vorraussetztungen geben? Wieso sollte der/die Gesundheitsminister nicht Arzt sein müssen? Wieso der Justizminister nicht zumindest Jurist? Wieso dürfen völlig fachfremde Leute Dinge entscheiden, von denen sie keinerlei Ahnung haben? Das ist unser Problem, das Problem der Demokratie ansich, das nicht der Beste, Klügste oder Geeignetste einen Posten ausfüllt, sondern der den besten Kontakt zum Machthaber hat, welcher wiederrum auch nur demagogische Fähigkeiten benötigt - und sonst so dumm wie Stroh sein kann (bsp: Amerika 2000 / 2004)
Barath 19.11.2008
Dieser Artikel wäre sehr gut, wenn er nicht einen merkwürdigen Fehlschluß machen würde. ---Zitat--- Macht ist archaisch, sie funktioniert nach viehischen Gesetzen, hat sie immer und wird sie immer. Sie ist ein Biest, sie [...]
Dieser Artikel wäre sehr gut, wenn er nicht einen merkwürdigen Fehlschluß machen würde. ---Zitat--- Macht ist archaisch, sie funktioniert nach viehischen Gesetzen, hat sie immer und wird sie immer. Sie ist ein Biest, sie muss so sein. Das ist aber nicht schlimm. Ist Sex schlimm? Ein Alpha-Wolf, eine Alpha-Wölfin will das Beste für sich, ja, aber damit auch für seine oder ihre Meute. Und er oder sie will führen. Ja. Und? Wo ist das Problem? ---Zitatende--- Im Wolfsrudel gewinnt der Stärkere. Stärke ist wichtig, für das überleben des Wolfsrudels. Kann man das genau so auf die Politik übertragen? Sind die Qualtitäten, die es einem Politiker erlauben sich gegen seine Gegner durchzusetzen, auch die selben, die es einem Politiker ermöglichen seinen Job effizient auszuüben (abgesehen davon, daß ihn seine Konkurrenten nicht vorher fressen)? Ich denke nicht, und genau da ist der Hacken an dem Artikel. Eine menschliche Gesellschaft ist nunmal kein Wolfsrudel und deswegen ist nicht alles, was für ein Wolfsrudel gut ist, auch für uns gut. Es ist sicherlich so, daß Machthungrige eher an die Spitze kommen, aber daraus zu schließen, daß sie auch an der Spitze stehen sollten, ist ein naturalistischer Fehlschluß. Mir fällt dabei spontan Steinbeck ein: "Menschliche Eigenschaften wie Güte, Großzügikeit, Offenheit, Ehrlichkeit. Verständnis und Gefühl sind in unserer Gesellschaft Symptome des Versagens. Negativ besetzte Charakterzüge wie Gerissenheit, Habgier, Gewinnsucht, Gemeinheit, Geltungsbedürfnis und Egoismus hingegen sind Merkmale des Erfolges. Man bewundert die Qualität der Ersteren und begehrt die Erträge der Letzteren."
sam clemens 19.11.2008
... sollte dieser Kommentar überschrieben werden. Es würde allerdings lange dauern, all die Ungenauigkeiten, unzulässigen Vergleiche, falschen Behauptungen - die gesamte fehlerhafte Methodik nachzuweisen. Der Mensch ist kein Wolf, [...]
... sollte dieser Kommentar überschrieben werden. Es würde allerdings lange dauern, all die Ungenauigkeiten, unzulässigen Vergleiche, falschen Behauptungen - die gesamte fehlerhafte Methodik nachzuweisen. Der Mensch ist kein Wolf, kein Beutegreifer, kein Rudeltier. Alles, was hier über angeblich sichere Erkenntnisse zur Entstehung unseres Verhaltens geliefert wird, ist biologistisch mit einer kleinen Beimengung moderner Möchtegern-Anthropologie und ohne jeden Hauch von Differenziertheit.
kelcmatej 19.11.2008
.....genau darum geht es, wenn man ins Mittelmaß will. Da wird immer wieder von "Verdiente Personen" gesprochen, vergessen aber dabei, daß diese für ihre vergangenen Taten ja auch ausreichend entlohnt wurden. Auch die [...]
.....genau darum geht es, wenn man ins Mittelmaß will. Da wird immer wieder von "Verdiente Personen" gesprochen, vergessen aber dabei, daß diese für ihre vergangenen Taten ja auch ausreichend entlohnt wurden. Auch die Meinung man müße sich erst "hochdienen" halte ich für pervers. Wie bitteschön soll ein "Diener" eine Mannschaft, egal ob Partei oder Fußballelf Führen/leiten? So wurden nach und nach die besten Leute aufgerieben/vergrätzt. Was übrig blieb war sozialer Durchschnitt. Na wenn jetzt tatsächlich eine Aera des Ausräumens dieses Schwachsinns beginnt, ist doch Klasse.
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