Und Deutschland? Wir haben eine Angela Merkel, der man zugute halten darf, dass sie die Buben-Spielchen ihrer Kollegen nicht mitmacht. Sie hält sich aber auch sonst sehr zurück. Wir haben einen Außenminister und eine Kanzlerin, die auf der Kabinettsbank einig tuscheln und sich hinterher in die Kniekehlen treten. Beide versuchen erkennbar, aus der Krise politisches Kapital zu schlagen, Steinmeier als Gewerkschaftsführer vor den Fabriktoren, Merkel als besonnene Mutter der Nation.
Diese Woche ist Koalitionsausschuss in Berlin, da soll es um mehr Regulierung und mehr Aufsicht der Finanzmärkte gehen, gemeinsam. Also - fast gemeinsam. Die SPD hat vor der Veranstaltung schon einmal Ende vergangener Woche klar gemacht, dass sie noch mehr als die CDU entschlossen ist, die entfesselte Finanzindustrie an die Leine zu legen. Jene SPD übrigens, die in rot-grüner Regierungszeit Hedgefonds in Deutschland zuließ und mehrere Gesetze zur Finanzmarktderegulierung verabschiedete, weil sie den Eindruck hatte, das biedere Sparkassen-Deutschland habe das Nachsehen in der modernen Finanzwelt von Wall Street und Londoner City. Die Sparkassen, sagte damals Bundeskanzler Gerhard Schröder, müssten "endlich in die Strümpfe kommen".
Daran will keiner mehr zurückdenken, genauso wenig wie sich jemand in der Großen Koalition daran erinnern will, wie denn der Passus auf Seite 86/87 des aktuellen (!) Koalitionsvertrages geraten konnte. Dort steht zu den Zielen der Legislaturperiode, nachzulesen auf der Homepage der Bundesregierung, man müsse auf den Finanzmärkten "überflüssige Regulierungen" weiter abbauen, "Produktinnovationen" "nachdrücklich unterstützen" und den "Ausbau des Verbriefungsmarktes" vorantreiben.
Die Weisheit des Clowns in der Krise
Heute heißen Produktinnovationen "toxische Papiere", die biedere Sparkasse wird von Finanzminister Peer Steinbrück als vorbildlich gepriesen, und der Koalitionsausschuss überlegt, wie man das bekämpft und eindämmt, was man sich als Zukunftsaufgabe in den Arbeitsvertrag geschrieben hat.
Kullern einem die Tränen jetzt vor Lachen oder Weinen über die Backen? Man weiß es nicht so genau. Tragik, Komik, die Krise und das Leben. Vielleicht sollte man sich einfach angewöhnen, ganz anderen Leuten Gehör zu schenken.
Möglicherweise liegt darin die Lehre der Krise, ihre pädagogische Kraft. Der Deutschlandfunk hat Ende vergangener Woche angefangen damit. Er hat mit den beiden Clowns Antoschka und Olli Hauenstein über das Leben, seinen Sinn und die Krise gesprochen, morgens in der politischen Frühsendung, nicht im Feuilleton.
Im Witz des Clowns liegt seit jeher die Weisheit des Lebens. Was die beiden zur Wirtschaftskrise gesagt haben, war das Klügste, Originellste und Weiseste, was man hierzulande seit langem zum Thema gehört hat. Über den Sinn des Lebens, das Lachen, das falsche Streben nach Geld, die Menschlichkeit. Man sollte es am Stück nachlesen im Internet.
Das Interview wurde geführt, weil in Dresden das Weltparlament der Clowns tagte. Vielleicht sollte man den Clowns dieses Parlaments mehr zuhören als jenen in anderen Parlamenten oder politischen Grundsatzabteilungen.
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