Von Gerd Langguth
Ausgerechnet in dem Jahr, in dem 60 Jahre Grundgesetz gefeiert werden, macht Horst Köhler einen Vorschlag, um es zu ändern: Er will den Bundespräsidenten künftig direkt durch das Volk wählen lassen.
Bundespräsident Köhler: Sollen seine Nachfolger vom Volk gewählt werden?
Forderungen nach mehr direkter Mitbestimmung, nach Plebisziten und nach der Direktwahl des Bundespräsidenten sind zweifellos populär. Dass sie auf eine positive Grundstimmung stoßen, hängt sicher auch damit zusammen, dass für viele das parlamentarisch-repräsentative Prinzip nicht mehr so wichtig ist wie in der Vergangenheit. Gerade diesen Grundsatz aber wollten die Verfassungsväter und -mütter stärken; das war eine der Lehren aus der Zeit der Weimarer Republik.
Vier Argumente gegen eine Verfassungsänderung
Dennoch sollte über die Plausibilität der erneuten Köhler-Forderung nachgedacht werden. Vier Argumente sprechen gegen eine Verfassungsänderung:
Ein Bundespräsident sollte vor allem durch die Macht des Wortes wirken. Manche Vorgänger Köhlers haben diese Kunst bewiesen, etwa Theodor Heuss oder Richard von Weizsäcker.
Die Reaktionen aus den großen Parteien und den Bundesländern zeigen, dass derzeit keine Zweidrittelmehrheit in Bundestat und Bundesrat besteht, um das Grundgesetz in Richtung Direktwahl zu ändern. Das sollte Köhler eigentlich wissen. Es wäre daher sinnvoller, wenn er sich auf solche Themen konzentrierte, bei denen er wirklich etwas bewirken könnte.
Köhler hatte in seinem Amt sicher einige Frusterlebnisse. Dazu gehörte, dass er zu Zeiten von Kanzler Schröder erst aus den Medien von dessen Plänen zur vorzeitigen Auflösung des Bundestags erfahren hatte. Köhler spürte, dass er auch von der Kanzlerin Angela Merkel nicht wirklich ernst genommen wurde, ganz zu schweigen von dem Spott in der SPD-Fraktion, er sei ein "Besserwisser" und repräsentiere so etwas wie einen "Sparkassendirektor". Ob sein persönlicher Frust ausreicht, diesen Verfassungsvorschlag zu unterbreiten?
Zwischen Köhler und der politischen Klasse gibt es so etwas wie eine unsichtbare Wand. Seine knappe Wiederwahl hat er den aktuellen politischen Konstellationen zu verdanken. Wenn er schon zu der Auffassung gelangt ist, dass der Bundespräsident eine einflussreichere Stellung bekommen sollte, dann ist es auch eine Frage des Stils, wie er seine Vorschläge unterbreitet. Nicht besonders glücklich war es, dies zunächst in einer Talkshow (der letzten Sendung von Sabine Christiansen) und unmittelbar nach seiner Wiederwahl in Interviews zu tun - ohne die anderen Verfassungsorgane vorzuwarnen.
"Unbequem" wolle er sein, verkündete Köhler schon vor fünf Jahren. Gelegentlich war er es, als er etwa zwei Gesetze der Großen Koalition ablehnte. Populär will er aber auch sein - in der Bevölkerung. Von ihr will er wirklich geliebt werden. Es bleibt abzuwarten, ob er den Bürgern einmal etwas Unbequemes sagt.
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Sofern man nicht dem Präsidentenamt wieder irgendwelche Aufgaben und Kompetenzen mit übertragen möchte, kann man sich das Papier für die Direktwahl sparen, denn ein Amt vom Volk direkt wählen zulassen, das nur noch eine rituelle [...] mehr...
Die Volkssouveränität ist zentrales Merkmal einer Demokratie, nicht aber das Plebiszit. Eine Demokratie in der das Volk konkret mit ja/nein abstimmt ist nicht automatisch besser als eine streng repräsentative. Der entscheidende [...] mehr...
Vor allem, wenn man bedenkt, daß der Autor, Gerd Langguth, zwischen 1981 und 1985 Direktor der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn war und heute Politische Wissenschaft an der Universität Bonn lehrt. Vor diesem [...] mehr...
Als Österreicher finde ich diese Diskussion ziemlich drollig. Selten genug funktioniert in der Alpenrepublik etwas Politisches besser als beim nördlichen Nachbarn, aber die Bundespräsidentenwahl ist definitiv so ein Punkt. Alle [...] mehr...
Mir stellt sich dabei die Frage, ob wir als Bevölkerung nicht sogar noch mehr wählen sollten, als "nur" unser Staatsoberhaupt, das ja bekanntlich fast nur eine repräsentative Funktion hat. Wie wäre es denn mal mit [...] mehr...
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