ThemaSuperwahljahr 2009RSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
13.07.2009
 

Rentengarantie-Streit

Genossen wütend auf Steinbrück

Große Teile der SPD sind sauer: "Überflüssig und schädlich" sei Peer Steinbrücks Kritik an der Rentengarantie, wettern Sozialdemokraten - und raten ihrem Finanzminister, in den Urlaub zu fahren. Zwei Monate vor den Bundestagswahlen wächst in der Partei die Furcht vor den Folgen des Vorstoßes.

Berlin - Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) gerät wegen seiner Haltung in der Rentendiskussion in der eigenen Partei immer mehr in die Kritik. "Wenn wir uns in der SPD ständig zerfleischen, können wir keine Wahlen gewinnen", sagte der niedersächsische SPD-Chef Garrelt Duin der "Bild"-Zeitung und legte seinem Parteifreund nahe, in den Urlaub zu fahren.

Finanzminister Steinbrück: Kritik aus den eigenen ReihenZur Großansicht
AFP

Finanzminister Steinbrück: Kritik aus den eigenen Reihen

Der bayerische SPD-Vorsitzende Florian Pronold warnte im gleichen Blatt von einer gefährlichen Debatte: "Diese Diskussion jetzt zu führen, ist überflüssig und schädlich für die SPD."

Auch der Sprecher der SPD-Linken, Björn Böhning, wies die Äußerungen von Steinbrück zurück. "Die Rentengarantie ist richtig, um wieder Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung aufzubauen", sagte Böhning der Onlineausgabe vom Handelsblatt. "Hierbei handelt es sich nicht um einen Generationenkonflikt, sondern um eine solidarische Maßnahme, die auch künftigen Rentengenerationen zugute kommen wird", so Böhning. Schon zuvor hatte sich SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier gegen Steinbrück gestellt.

Steinbrück (SPD) hatte die Rentengarantie als Problem für die Generationengerechtigkeit bezeichnet und gesagt: "Die Gekniffenen sind die 25- bis 35-Jährigen, die Kinder in die Welt setzen wollen."

Nach der von Kabinett, Bundestag und Bundesrat beschlossenen Rentengarantie sollen die Ruhestandsbezüge auch dann nicht sinken, wenn die Löhne der Beschäftigten geringer werden.

Unterdessen will Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) den Streit in seiner Partei klein halten: Er sehe in der Frage der Rentengarantie keinen Konflikt zwischen Steinbrück und Bundesarbeitsminister Scholz. Steinbrück habe schließlich dem Gesetzentwurf und dem Vorschlag von Scholz zugestimmt. Es sei aber Aufgabe eines Finanzministers, zu sagen, dass die Gesetzesänderung irgendjemand irgendwann bezahlen müsse, so Gabriel in der ARD.

Deutliche Kritik an Steinbrück kam vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und dem Sozialverband VdK. "Wer die Rentengarantie in Frage stellt, muss damit rechnen, bei der Bundestagswahl abgestraft zu werden", sagte VDK-Chefin Ulrike Mascher der "Bild".

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende und Bundesbildungsministerin Annette Schavan warf Steinbrück in der "Passauer Neuen Presse" vor, eine Entscheidung zu kritisieren, die er am Kabinettstisch mitgetragen habe. "Das ist nicht glaubwürdig. Die SPD dividiert die Gesellschaft auseinander und versucht mit Populismus, ihre Versäumnisse auch in der Bildungspolitik zu verdecken." Auch in der CDU gab es aber Kritik an der Rentengarantie.

Lob bekommt Steinbrück indes von Arbeitgeberseite: "Der Beschluss, die Renten selbst bei sinkenden Löhnen stabil zu halten, ist ein falsches Signal. Es muss alles unterlassen werden, was die Beschäftigten und die Wirtschaft zusätzlich belastet", so Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt.

Auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Renate Künast, pflichtete Steinbrück bei. "Die Löhne gehen runter und die Renten sollen hochgehen. Das funktioniert so nicht", sagte sie am Montag im ARD-"Morgenmagazin". Die alte Rentenformel sei richtig gewesen. Eine Garantie sollte es nur für niedrige Renten geben. "Die Jüngeren müssen es bezahlen können", sagte Künast.

Der Staatsrechtler und Parteienkritiker Hans Herbert von Arnim hält die Debatte um die Rentengarantie unterdessen für Wahlkampf-Kalkül. Der Kölner Zeitung "Express" sagte er: "Erst verteilt SPD-Minister Scholz Geschenke an die Rentner, dann mahnt SPD-Minister Steinbrück, mehr für die Jungen zu tun. So werden beide Zielgruppen angesprochen, getreu der alten Devise: Getrennt marschieren, aber vereint schlagen. Das scheint mir sogar erfolgversprechend." In Wahlkampfzeiten sei die Politik nun mal besonders inkonsequent: "Rentenversprechen sind seit Adenauer ein Wahlkampfschlager. Da werden immer wieder ungedeckte Schecks auf die Zukunft ausgestellt."

anr/dpa/AP/AFP/ddp

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 4210 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
30.06.2010 von maikalex: Staatsverschuldung

Der Staat hat sich mit seinen jahrelangen Verschuldungsorgien vollkommen in die Ecke manövriert. In "Wachstums-Zeiten" wurden Wohltaten verteilt und gesetzlich fixiert, die zunächst finanzierbar waren, aber nun bei [...] mehr...

30.06.2010 von Herbert Prand:

Was soll das sein, wollen Sie wieder eine Klamotte ausrollen? Durchschnittsgehalt Deutschland ca. 3300 EUR/mtl. Polen ca. 800 EUR, Russland 400 EUR, China 100-200 EUR (Akademiker 200 EUR). Je weiter nach Osten, desto mehr wird [...] mehr...

30.06.2010 von Herbert Prand:

Die Folge war wegen des resultierenden Angebotsüberhangs ein Crash der ostdeutschen Immobilienpreise. Eine völlig überflüssige Veranstaltung. Wirtschaftlich sinnvolles Verhalten ist für Staatsorgane und Politiker ein Fremdwort. [...] mehr...

30.06.2010 von Herbert Prand:

Von letzterem kann man ausgehen. Aber das waren kalkulatorisch völlig andere Umstände. Das Umlagensystem hat keinerelei Berechtigung, weil es mindestens drei schwere Fehler aufweist: Erstens hätte man eine klare [...] mehr...

29.06.2010 von settembrini.: klar im Kopf

Immer wenn "Staat" mit Leistungen, Vegünstigungen oder Prämien daherkommt, hat es/er seine Gründe. Er verfolgt also einen besonderen Zweck. Denken Sie mal an die Immobilienförderung "Neue Bundesländer". Ob [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles zum Thema Superwahljahr 2009

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP