Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Holocaust-Streit: Bischof Mixa wirft Merkel Fehlgriff vor

Angela Merkel hat vom Papst eine Klarstellung im Fall des Holocaust-Leugners Williamson gefordert. Jetzt greift der Augsburger Bischof Mixa die Kanzlerin an - und wirft ihr mangelnde Sensibilität im Umgang mit dem Vatikan vor.

Augsburg - Der Augsburger Bischof Walter Mixa ist bekannt dafür, mit herzhafter Wortwahl in öffentliche Debatten einzugreifen. Bei der aktuellen Diskussion hat er damit erstaunlich lange gewartet - jetzt knöpfte er sich die Kanzlerin vor: Mixa wies am Mittwoch die Kritik von Angela Merkel (CDU) an Papst Benedikt XVI. scharf zurück und warf ihr einen "politischen und diplomatischen Fehlgriff" vor.

Walter Mixa: "Der Heilige Vater braucht keinen Nachhilfeunterricht"
DDP

Walter Mixa: "Der Heilige Vater braucht keinen Nachhilfeunterricht"

"Die Haltung des Papstes zum Thema Holocaust und seine unverbrüchliche Sympathie für die Juden als die älteren Brüder der Christen ist sehr deutlich ausgedrückt worden", sagte Mixa. Und weiter: "Diesbezüglich benötigt der Heilige Vater keinen Nachhilfeunterricht der deutschen Regierungschefin."

Merkel hatte am Dienstag erklärt, der Papst müsse eindeutig klarstellen, dass es keine Leugnung des Holocaust geben könne und es "einen positiven Umgang natürlich mit dem Judentum insgesamt geben muss". Die Kanzlerin kritisierte: "Diese Klarstellungen sind aus meiner Sicht noch nicht ausreichend erfolgt."

Vatikan distanziert sich von Williamson

Bischof Mixa verlangte jetzt von Merkel "mehr Sensibilität" in Angelegenheiten der katholischen Kirche und des Papstes. Die Aufhebung der Exkommunikation des widerrechtlich geweihten Traditionalistenbischofs Richard Williamson stehe in keinem Zusammenhang "mit den abwegigen und empörenden Äußerungen des Engländers zum Holocaust, die von keinem vernünftig denkenden Katholiken geteilt werden". Wer etwas anderes konstruieren wolle, dem gehe es in Wahrheit um eine Beschädigung des öffentlichen Ansehens der Kirche.

Benedikt XVI. steht in der Kritik, weil er die Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Piusbruderschaft aufgehoben hatte. Unter ihnen ist der Holocaust-Leugner Richard Williamson, gegen den die Regensburger Staatsanwaltschaft ermittelt.

Der Vatikan hatte sich die Kritik der Kanzlerin umgehend verbeten und erklärt, die Haltung des Papstes zu den Juden und dem Holocaust sei eindeutig und bedürfe keiner Klarstellung. Doch angesichts der aufgeheizten Debatte hält der Vatikan eine Schadensbegrenzung für unumgänglich: Am Mittwoch fordert der Heilige Stuhl Williamson dazu auf, seine Thesen öffentlich und deutlich zu widerrufen. Andernfalls könne der erzkonservative Bischof nicht wieder voll in die Kirche aufgenommen werden.

Der Aufruf erfolgte zwei Wochen, nachdem das umstrittene Interview Williamsons zum ersten Mal ausgestrahlt wurde.

Tiefer Graben zwischen deutschen Bischöfen

Der stichelnde Kommentar von Bischof Mixa ist der jüngste Beitrag in einer aufgeheizten Diskussion - selten hat ein Streitfall in der katholischen Kirche die öffentliche Debatte so bestimmt wie dieser. Unter deutschen Kirchenvertretern ist der Fall nach wie vor hoch umstritten, die Bischöfe sind gespalten:

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller bezeichnet die Leugnung des Holocausts als idiotisch - Williamson habe "in furchtbarer Weise der Kirche geschadet und den Papst reingelegt". Benedikt selbst habe "keinen Fehler gemacht und braucht sich nicht zu entschuldigen", sagte Müller und sprach von einer Kampagne.

Der Berliner Erzbischof Georg Sterzinsky fordert den Papst zu einer Überprüfung seiner Entscheidung auf. "Eine Überprüfung des Vorgangs erscheint mir unumgänglich". Er sei "äußerst überrascht" gewesen, als er vorab von der geplanten Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe der traditionalistischen Piusbruderschaft erfahren habe.

Neben Bischof Mixa kritisierte auch der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke Merkels Einmischung scharf. Es sei "unbegreiflich und empörend", wie die Integrität Benedikts XVI. sogar von staatlicher und politischer Seite in Frage gestellt werde.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßte dagegen, dass sich Merkel in die Debatte eingeschaltet hat.

"Hochachtung und Anerkennung für die Bundeskanzlerin, dass sie sich in dieser diffizilen Angelegenheit zu Wort meldet", sagte der Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Dies zeige, "welche Umsicht und welches Verantwortungsgefühl sie hat".

amz/ddp

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: