Orden-Debatte Ex-Generäle befürworten Eisernes Kreuz

Ein neues Eisernes Kreuz als Tapferkeitsorden - unter Ex-Generälen der Bundeswehr stößt der Vorschlag auf Gegenliebe. Für Harald Kujat und Helmut Willmann ist das Balkenkreuz historisch nicht belastet - auch wenn die Nazis seine Symbolik missbraucht haben.

Von und Nadine Michel


Berlin - Es war ein heißes Eisen, mit dem sich Franz Josef Jung beschäftigen musste: Der CDU-Abgeordnete Reinhard Beck hat angeregt, als Orden für "besonderen Mut oder besondere Tapferkeit" das Eiserne Kreuz wieder einzuführen Jung lehnte das zunächst nicht ab - obwohl mit dieser Auszeichnung im Ersten und Zweiten Weltkrieg Helden dekoriert wurden - und der Orden für viele Kriegsopfer ein Symbol der Schreckensherrschaft der Hitler-Diktatur ist.

Heißes Eisen: der Tapferkeitsorden von 1813 - besser bekannt als das Eiserne Kreuz
DPA

Heißes Eisen: der Tapferkeitsorden von 1813 - besser bekannt als das Eiserne Kreuz

Nach harscher Kritik stellte ein Sprecher heute aber klar: Zu keinem Zeitpunkt sei daran gedacht worden, das Eiserne Kreuz wieder aufleben zu lassen. Es gehe um eine Neuauszeichnung, so Thomas Raabe.

Doch die Erwägung, das Eiserne Kreuz als Tapferkeitsorden zu rehabilitieren, findet auch Befürworter. "Das Eiserne Kreuz halte ich für völlig unbelastet", sagt Harald Kujat, Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr und ehemaliger Vorsitzender des Militärausschusses der Nato, SPIEGEL ONLINE. Der Orden habe einen besonderen geschichtlichen Wert: "Er geht auf die deutschen Befreiungskriege zurück. Und auf die sollten wir stolz sein."

Von 1813 bis 1815 kämpften die Deutschen gegen den französischen Kaiser Napoleon. Gleich zu Beginn der Kriege, am 10. März 1813, stiftete Preußens König Friedrich Wilhelm III. das Eiserne Kreuz. Es wurde damit zum Symbol nationaler Hoffnung.

In späteren deutschen Kriegen wurde das Eiserne Kreuz immer wieder neu vergeben:

  • 1870, im deutsch-französischen Krieg, führte es Kaiser Wilhelm I. wieder ein
  • 1914, im Ersten Weltkrieg, verlieh es Wilhelm II.
  • 1939 machte es sich Adolf Hitler zu eigen. Er entwarf eine eigene Variante des Ordens - mit einem Hakenkreuz in der Mitte

Dass das Eiserne Kreuz heute vor allem in letzterem Zusammenhang gesehen wird, findet Kujat überzogen. "Natürlich gibt es Symbole, die ausschließlich im Dritten Reich benutzt wurden und die ausschließlich das Dritte Reich symbolisieren", sagt er. Die seien zu Recht verboten. "Wir würden uns aber überhaupt keinen Gefallen damit tun, alles zu verteufeln, was irgendwann auch einmal von den Nazis verwendet – man könnte auch sagen missbraucht - wurde. Wo wollte man da anfangen und wo aufhören?"

Auch Helmut Willmann, ehemaliger Inspekteur des Heeres, rät, eine Diskussion um das Eiserne Kreuz "pragmatisch und ohne Ideologie" anzugehen. Geschichtlich halte das Symbol "jeder Prüfung stand", dennoch könne die Diskussion "schnell in die falsche Richtung laufen". Grundsätzlich halte er es aber für richtig, dass es eine neue Tapferkeitsauszeichnung geben sollte.

Erste Schritte in diese Richtung wurden heute unternommen: Bundespräsident Horst Köhler erklärte, eine solche Auszeichnung grundsätzlich zu billigen. Wie sein Sprecher sagte, soll es eine weitere Stufe des sogenannten Ehrenzeichens der Bundeswehr für "außergewöhnlich tapfere Taten" geben.

Die Opposition ist auch gegen diesen Vorschlag, sie hat Einwände grundsätzlicher Art: "Ich halte den jetzigen Vorschlag für schräge Symbolpolitik", sagt etwa Winfried Nachtwei, Sicherheitspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag: Entgegen sonstiger Forderungen nach einer vernetzten Sicherheit gehe es jetzt mit einmal wieder nur um Soldaten. "Bei einer Honorierung müssen alle besonderen Leistungen im Rahmen von Friedenseinsätzen eine Berücksichtigung finden."

Noch schärfer formuliert es Paul Schäfer, der verteidigungspolitische Sprecher der Linken. Er spricht von einem neuen "Heroenkult". Eine Tapferkeitsmedaille senke "die Hemmschwelle zu kriegerischen Handlungen".

Reinhold Robbe, der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, hält indes dagegen: "Durch Würdigung der Soldaten, die sich im Auslandseinsatz besonders verdient gemacht haben, reduziert man ja nicht die Leistungen anderer", sagt der SPD-Politiker SPIEGEL ONLINE. "Wenn Soldaten Opfer von Attentaten werden und so schwere Verletzungen davontragen, dass sie für das weitere Leben gezeichnet sind, ist es angemessen, wenn eine symbolische Reaktion seitens des Staates erfolgt."



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