Uno-Anti-Rassismuskonferenz Der schlechte Witz von Genf

Uno-Wanderzirkus on tour: Tausende Experten werden um den Globus geflogen, um über das Thema Rassismus zu debattieren. Dabei stehen die Ergebnisse schon im Vorfeld fest - auch weil an der Vorbereitung Länder wie Iran, Libyen oder Kuba beteiligt sind.

Ein Kommentar von Henryk M. Broder


Im rheinischen Bonn fand, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, neulich eine Klimakonferenz der Vereinten Nationen statt, mit mehr 2600 Delegierten aus über 175 Staaten. Kurz zuvor, im Dezember 2008, hatte die Uno-Klimakonferenz im polnischen Poznan, dem früheren Posen, getagt. 2008 war die Konferenz schon einmal in Bonn zu Gast, und vor Bonn auf der Insel Bali (2007), in Buenos Aires (2004), Mailand (2003) und einigen anderen Metropolen.

Demonstrant mit Clownsnase bei der Anti-Rassismuskonferenz: Witz mit subversivem Humor
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Demonstrant mit Clownsnase bei der Anti-Rassismuskonferenz: Witz mit subversivem Humor

Auf Bali kamen 11.000 Delegierte zusammen, in Nairobi (2006) waren es immerhin 6000. Beim letzten Super-Date in Bonn wurde dann beschlossen, sich in diesem Jahr noch zweimal zu treffen - Anfang Juni wieder in Bonn und Ende September in Bangkok. Auf diesen Konferenzen soll dann die große Weltklimakonferenz im Dezember in Kopenhagen vorbereitet werden.

Auf das Klima haben diese Konferenzen nur insoweit Einfluss, als die Delegierten mit Flugzeugen anreisen und damit zum globalen CO2-Ausstoß beitragen, um dann zu beraten, wie der globale CO2-Ausstoß reduziert werden könnte. Ansonsten bleibt das Klima durch den Wanderzirkus der Klimaexperten unbeeinflusst und unbeeindruckt.

Dennoch haben die Konferenzen einen relevanten "Impact" - vor allem auf das Hotel- und Gaststättengewerbe. Tausende von Teilnehmern wollen tagelang beherbergt und beköstigt werden. Findet eine Uno-Konferenz in Bonn statt, sind Hotels zwischen Koblenz und Köln ausgebucht und auch andere Zweige des Fremdenverkehrsgewerbes melden steigende Umsätze.

Deswegen gibt es neben der Uno-Klimakonferenz auch eine Uno-Wüstenkonferenz. Auf den ersten Blick mag es sich um verwandte Sachgebiete handeln, denn eine globale Erwärmung trägt gewiss zur Ausbreitung der Wüsten aus - und umgekehrt dürfte es nicht anders sein. Nach Angaben der Uno sind rund weltweit 1,2 Milliarden Menschen unmittelbar durch Dürre und Bodenverödung bedroht. Dennoch tagen die Experten für das Klima und für die Wüstenbildung jeweils separat.

Anfang 2001 fand eine dreiwöchige Wüstenkonferenz der Vereinten Nationen in Bonn statt, wo auch das Wüstensekretariat der Uno seinen Sitz hat. Im August 2003 berieten Fachleute und Delegierte aus 180 Ländern in Havanna darüber, wie der weltweit zunehmenden Verwüstung Einhalt geboten werden kann. Da sie zu keinem Ergebnis kamen, trafen sie sich im September 2007 in Madrid wieder, um von den Ländern, die sie vertraten, eine bessere finanzielle Unterstützung ihrer Arbeit zu verlangen.

Damit wäre auch schon alles Relevante über die Antirassismus-Konferenz der Vereinten Nationen gesagt, die am Montag in Genf begonnen hat. Sie ist Teil eines expandierenden Uno-Wanderzirkus, der Tausende von "Experten" in Bewegung hält und Millionen kostet, die an anderer Stelle besser angelegt wären. Und weil "Rassismus" ebenso wie "Klimawandel" in die Kategorie der Übel gehört, gegen die dringend und unverzüglich etwas unternommen werden muss, wenn die Welt nicht vor die Hunde gehen soll, ist der Kampf gegen den "Rassismus" ebenso ein Gebot der Stunde wie der gegen den "Klimawandel".

Dabei müssen Länder wie der Sudan, der Kongo, Somalia oder Nordkorea nicht befürchten, wegen ihrer Menschenrechtsverletzungen an den Pranger des internationalen Gewissens gestellt zu werden. Es geht auch nicht um die Verfolgung der Baha'i und die Hinrichtungen von Homosexuellen in Iran oder um Steinigungen von Ehebrecherinnen in Saudi-Arabien. Auch die Maßnahmen der Russen in Georgien und Tschetschenien stehen nicht auf der Tagesordnung.

Der einzige "Rassismus", der verhandelt und verurteilt werden soll, ist die Herabsetzung und Verächtlichmachung religiöser Empfindungen, wobei es konkret um eine spezielle Religion geht, deren Angehörige zu einer besonderen Sensibilität neigen und entsprechend reagieren, wenn sie in ihren Gefühlen verletzt werden - zum Beispiel durch Karikaturen, die sie nicht einmal gesehen haben.

Die ganze Konferenz ist ein Witz, dessen subversiver Humor durch die Tatsache unterstrichen wird, dass Staaten wie Kuba, Libyen und Iran bei den Vorbereitungen besonders aktiv waren, Länder, in denen Menschenrechte, Meinungs- und Religionsfreiheit bekanntlich mit Großbuchstaben geschrieben werden.

Noch witziger ist nur noch, dass seit Monaten über das "Abschlussprotokoll" der Konferenz im kleinen Kreise verhandelt wird und dass die Delegierten nur zusammen kommen, um das finale Dokument abzusegnen. Das Ganze funktioniert also so wie ein stalinistischer Schauprozess, das Urteil steht schon am Anfang der Verhandlung fest, es muss nur noch am Ende der Sitzung verkündet werden.

Nun ist die Anti-Rassismus-Konferenz durch die Absage der USA, der Bundesrepublik, der Niederlande und einer Handvoll weiterer Staaten ihres universalen Anspruchs beraubt worden. Dennoch ist sie nicht sinnlos. Spätestens der Auftritt des iranischen Staatspräsidenten hat deutlich gemacht, welche Art von Rassismus er und seine Verbündeten unter dem Dach der Uno bekämpfen und welche sie schützen wollen. Nicht nur große und traditionsreiche Firmen wie Opel, GM oder Saab kämpfen mit dem Bankrott. Auch die Vereinten Nationen könnten bald Konkurs anmelden.

Und nun zurück zum Klima.

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