Hamburg - Im Ermittlungsverfahren gegen Wolfgang Schäuble wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage plant die Staatsanwaltschaft Berlin erste Vernehmungen. Ein Vertreter der Ermittlungsbehörden soll im deutschen Generalskonsulat in Toronto den Geschäftemacher Karlheinz Schreiber im Zeitraum vom 15. bis 19. Januar nächsten Jahres befragen. Das geht aus einem Brief von Oberstaatsanwalt Karl-Heinz Dalheimer an Schreibers Anwälte hervor, der SPIEGEL ONLINE vorliegt.
Karlheinz Schreiber
Über die genauen Umstände des Transfers am 22. September 1994 herrscht noch immer Unklarheit. Ex-CDU-Chef Wolfgang Schäuble hatte vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages versichert, er habe das Geld persönlich von Schreiber erhalten und an die damalige Schatzmeisterin der Christdemokraten, Brigitte Baumeister, weitergeleitet. Baumeister hatte wiederum eidesstattlich versichert, sie habe das Geld nicht von Schäuble, sondern in Schreibers Haus von dem Geschäftemacher erhalten. Den Umschlag habe sie dann an Schäuble weitergegeben.
Schreiber hatte der Darstellung von Baumeister unlängst widersprochen. Nicht er, sondern seine Frau habe den Umschlag in seinem Haus im bayerischen Kaufering übergeben. Nach Fernsehberichten kann Schreiber beglaubigte Dokumente vorweisen, aus denen hervorgeht, dass sich der Waffenlobbyist zur fraglichen Zeit im Münchner Finanzgericht - und nicht zu Hause - aufhielt.
Zu einer möglichen Aussage im Spenden-Untersuchungsausschuss des Bundestages sagte Schreiber gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass ihm freies Geleit nicht ausreichen würde. "Der Haftbefehl muss aufgehoben werden." Seine Anwälte würden innerhalb der nächsten Tage mit dem Ausschuss über "denkbare Wege" reden.
"Alles, was bislang war, ist nur die Ouvertüre", sagte Schreiber im Hinblick auf zukünftige Befragungen durch den Ausschuss. Mit Bezug auf den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber setzte er hinzu, dass jetzt die "Zeit der Abrechnung mit dem General Oberarschloch" gekommen sei. Der Untersuchungsausschuss hatte beschlossen, Schreiber am 25. Januar 2001 zusammen mit Altkanzler Helmut Kohl (CDU) und Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) als Zeugen zu laden.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
| alles zum Thema CDU-Spendenaffäre | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH