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13.12.2000
 

Rinderwahn

Deutsche Bauern umgehen BSE-Vorschriften

Von Matthias Gebauer

In Deutschland sind BSE-Tests für Schlachtrinder seit wenigen Tagen Pflicht. Doch die eilig beschlossene Verordnung läuft bisher ins Leere, denn viele Bauern fahren mit ihren Rindern mittlerweile ins nahe EU-Ausland und lassen dort schlachten - ohne den teuren Test.

Immer mehr deutsche Kühe werden zur Schlachtung ins Ausland geschafft
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DPA

Immer mehr deutsche Kühe werden zur Schlachtung ins Ausland geschafft

Hamburg - Immer mehr deutsche Bauern umgehen die in Deutschland eingeführte Testpflicht auf BSE. Nach ersten Hinweisen aus Hannover und Nordrhein-Westfalen drängen jetzt die Landwirtschaftsminister der Länder die Bundesregierung auf eine EU-weite Regelung zur Einführung der Tests. Sollte dies nicht bis 1. Januar durchgesetzt werden, wollen sich die Bundesländer notfalls für ein Importverbot - egal ob von ausländischem oder nur im Ausland geschlachteten deutschem Rindern - stark machen. Das haben die Minister am Dienstag auf einer Planungssitzung in Bonn vereinbart.

In den Niederlanden hat die Regierung am Mittwoch auf Hinweise aus den eigenen Schlachtereien reagiert: Ab Donnerstag wird dort jedes Rind aus Deutschland, das über 30 Monate alt ist, auf BSE getestet. Der Landwirtschaftsattaché im niederländischen Konsulat, Niek Schelling, in Bonn sagte dazu auf Anfrage: "Wir reagieren damit auf die steigende Zahl von deutschen Rindern in unseren Schlachthöfen." Für in Holland geborene Rinder besteht allerdings nach wie vor keine Testpflicht. Der Grund sei, dass in niederländischen Herden bisher kein BSE-Fall entdeckt wurde.


Lebensmittelskandale in Europa (Flash-Grafik)

Die ersten Hinweise für die Abwanderung der Bauern kamen von den heimischen Schlachtern. Denn seit in Deutschland die Testpflicht für über 30 Monate alte Schlachtrinder gilt, bekommen sie deutlich weniger zu tun. Ganz im Gegensatz zu den Kollegen beispielsweise in den Niederlanden oder Belgien. Sie bemerken in den letzten Tagen einen erstaunlichen Zuwachs an deutschem Rindern, die bei ihnen geschlachtet werden.

Illegal ist die Auslandsschlachtung nicht

"Wir haben die Entwicklung seit Tagen beobachtet", sagt der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Niedersachsen, Hanns-Dieter Rosinke. Doch die Beamten gegen den Trend zur Auslandsschlachtung nichts unternehmen. Denn den strengen deutschen Regeln bei der Schlachtung von Tieren steht die Freizügigkeitsgarantie für den Güterhandel innerhalb der Europäischen Union entgegen. "Den Bauern ist es nicht verboten, ihr Fleisch woanders schlachten zu lassen und es wieder einzuführen", erklärt Rosinke. Opfer sei mal wieder der Verbraucherschutz.

Für die Bauern ist all das eher eine Frage des Portemonnaies als der Moral. Denn der Test auf BSE kostet in Deutschland rund 250 Mark pro geschlachtetem Rind. Ein Transport nach Holland kann sich da schon lohnen. "Der Preis von einem Rind liegt mittlerweile bei etwa 1000 Mark, da ist der Test mit 250 Mark schon ein entscheidender Faktor", erklärt Rosinke. "Bei solchen Verhältnissen siegt eben der Geldbeutel über die Moral."

Auch Verbände laufen Sturm

Auch der Bundesverband der Versandschlachtereien forderte am Mittwoch von der Bundesregierung eine EU-weite Regelung. Der Wettbewerbsnachteil der deutschen Bauern durch die Testpflicht im Alleingang müsse umgehend durch eine EU-Verordnung, die die BSE-Tests in allen Unionsländern vorschreibt, aufgehoben werden, sagte der Verbandsvorsitzende Paul Brand.

Die Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministers Karl-Heinz Funke äußerte sich bislang nur wortkarg zum Thema. Die Praxis der Bauern sei nicht illegal aber auch "nicht im Sinne des Verbraucherschutzes", räumte sie ein. Über konkrete Maßnahmen und Zahlen über das Ausmaß dieses "Schlupfloches" könne sie aber noch nichts sagen.

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