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08.01.2001
 

Uran-Munition

Scharping gegen Untersuchung aller Balkan-Soldaten

Verteidigungsminister Scharping hält die medizinische Überprüfung der auf dem Balkan eingesetzten deutschen Soldaten auf mögliche Uran-Belastungen nicht für nötig. Für verunsicherte Soldaten soll es allerdings kostenlose Untersuchungen geben.

Deutsche Kfor-Soldaten 1999 im Kosovo
AP

Deutsche Kfor-Soldaten 1999 im Kosovo

Berlin - Reihenuntersuchungen der rund 50.000 im Kosovo-Krieg eingesetzten deutschen Soldaten hält Scharping für überflüssig. Er wies am Montag im Deutschlandfunk eine entsprechende Forderung von Grünen und CDU zurück. Er verlasse sich auf den Rat internationaler Fachleute, sagte Scharping. Aber jeder Soldat, der sich unwohl fühle, erhalte selbstverständlich die medizinische Fürsorge der Bundeswehr.

Den Bericht des "Berliner Tagesspiegels", wonach die Zahl der Leukämiefälle in der Bundeswehr von heute an erfasst werden soll, kommentierte er mit den Worten: "Ich kenne diese Meldung nicht." Allerdings habe er zuvor schon veranlasst, dass die Zahl der Leukämiefälle in der Bundeswehr mit der Zahl der Leukämiefälle in der Bevölkerung verglichen werde. Dabei seien keine abweichenden Auffälligkeiten festgestellt worden.

Auch nach dem Bekanntwerden des ersten Leukämiefalles eines deutschen Soldaten nach einem Balkan-Einsatz sieht Scharping keine Gefahr für deutsche Soldaten durch Uran-Munition. Er sagte der "Bild"-Zeitung: "Ich bin für völlige Offenheit, alle Fakten sollen auf den Tisch - aber bitte Tatsachen!"

Die vom Verteidigungsministerium beauftragten Wissenschaftler hätten in der Literatur bislang keinerlei Hinweise auf einen Kausalzusammenhang zwischen Krebserkrankungen und uranabgereicherten Waffengattungen oder Munitionsarten gefunden.

"Was wird uns vorenthalten?"

Der stellvertretende Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, der CDU-Abgeordnete Thomas Kossendey, erklärte gegenüber dem "Tagesspiegel", Scharping habe bereits zum 31. Juli 2000 das Ergebnis einer entsprechenden Untersuchung zugesagt. "Dies ist nie geschehen." Er forderte Scharping auf, nun alle Unterlagen offen zu legen: "Ich möchte wissen, was uns vorenthalten wird."

Kossendey erklärte, der Verteidigungsausschuss sei im April von Minister Scharping informiert worden, dass es überhaupt kein Risiko für deutsche Soldaten gebe, weder was die Strahlenaktivitäten noch was Uranstäube angeht. Damals habe der Minister alles so phantastisch dargestellt, dass zum Schluss niemand im Verteidigungsausschuss mehr Zweifel daran gehabt hätte, "dass tatsächlich alles getan worden ist", sagte der CDU-Politiker.

Rudolf Scharping will dem Verteidigungsausschuss Rede und Antwort stehen
REUTERS

Rudolf Scharping will dem Verteidigungsausschuss Rede und Antwort stehen

Zu Beginn des Kosovo-Einsatzes im Juli 1999 sollen die Bündnisarmeen von der Nato vor den möglichen Gefahren der Uran-Munition gewarnt worden sein. Die Nato habe die Bundeswehr und auch die anderen Bündnisarmeen zu entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen aufgefordert. Das geht aus einem internen Schreiben des Bundesverteidigungsministeriums hervor, aus dem die "Berliner Morgenpost" zitiert und dessen Existenz von einem Sprecher des Ministeriums in Berlin bestätigt wurde.

Scharping unter Druck

Scharping will dem Verteidigungsausschuss des Bundestages am 17. Januar Rede und Antwort stehen. Das Bundesverteidigungsministerium hatte allerdings auch bis Sonntag keinen Anhaltspunkt für einen Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Einsatz des Soldaten. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte am Sonntag, bei dem Einsatz bei einer Drohnen-Batterie in Mostar könne der Soldat keinen Kontakt mit uranhaltiger Munition gehabt haben.

Bei dem Soldaten, der nach einem Balkan-Einsatz an Leukämie erkrankt ist, handelt es sich um einen 25-Jährigen aus Uelzen, wie die "Bild"-Zeitung berichtete. Er sei zwischen August und November 1997 in Mostar im Einsatz gewesen. Im Januar 1998 sei er an Leukämie erkrankt. Der junge Mann wurde ein halbes Jahr in Oldenburg behandelt und gilt heute als geheilt.

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