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02.02.2001
 

Debatte um Kanzlerkandidatur

Merkel pfeift Merz zurück

In der von Fraktionschef Merz ausgelösten Debatte um die Kanzlerkandidatur der Union hat CDU-Chefin Merkel ihren Führungsanspruch bekräftigt. Laut einer SPIEGEL ONLINE-Umfrage hätte Merz sowieso nur vernachlässigbare Chancen gehabt, gewählt zu werden.

Relativiert seine Äußerung: Friedrich Merz
DPA

Relativiert seine Äußerung: Friedrich Merz

Berlin - Merkel bestritt am Freitag zwar, dass es einen Machtkampf in der Partei gebe. Gleichzeitig stellte sie im Privatfernsehen RTL aber klar: "Ich führe die CDU, Edmund Stoiber führt die CSU, Friedrich Merz führt die Bundestagsfraktion aus CDU und CSU." Sie bezeichnete es als ihre Aufgabe, eine Partei zusammenzuführen, die mit den von ihr gestellten Abgeordneten, Ministerpräsidenten und Kommunalpolitikern eine sehr unterschiedliche Truppe bilde.

Unionsfraktionschef Friedrich Merz wehrte sich inzwischen gegen den Vorwurf, er habe sich selbst als Kanzlerkandidat ins Gespräch gebracht. Im InfoRadio Berlin-Brandenburg sagte er: "Ich habe gesagt, dass der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ein normaler, natürlicher Anwärter ist." Er habe aber hinzugefügt, dass sich die Frage einer Kanzlerkandidatur derzeit nicht stelle. "Die Frage, die uns gestellt ist, ist die nach Sachpositionen."

Die "Bild"-Zeitung schrieb unter Berufung auf Kreise in der Fraktionsspitze, der Grund für den Vorstoß von Merz sei wachsender Unmut über CDU-Chefin Angela Merkel. Das Blatt zitierte ein nicht namentlich genanntes Mitglied des Fraktionsvorstandes mit den Worten: "Er muss nach vorn - wegen der eklatanten Fehler von Merkel." Merz selbst sagte der Zeitung: "Ich kann doch den Anspruch für die Fraktion gar nicht aufgeben - völlig unabhängig von meiner Person."

"Keine publizistische Sensation"

Der Vizechef der Unionsfraktion, Wolfgang Bosbach, verteidigte Merz' Vorstoß. Er erklärte im NDR, CDU und CSU hätten sich aus guten Gründen dazu entschlossen, die Frage Kanzlerkandidatur nicht vor Anfang des Bundestagswahljahres 2002 zu entscheiden. Merz habe nur die Frage bejaht, ob er zum Bewerberkreis gehöre, was "wirklich keine publizistische Sensation" sei. Es wäre "schon etwas merkwürdig, wenn er sich nicht selbst dieses Amt zutrauen würde". Er könne sich nicht vorstellen, dass diese Aussage als Angriff auf die CDU-Vorsitzende gedacht sei, meinte Bosbach.

Bei einer Umfrage, die Emnid im Auftrag von SPIEGEL ONLINE unternommen hat, kommt Merz nicht gut weg. Bei der Frage, wer soll bei der Bundestagswahl 2002 Kanzlerkandidat der Union werden, stimmten nur fünf Prozent für Merz.

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