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03.02.2001
 

Elf-Skandal

Sirven vor Haftrichterin in Frankfurt

Der Franzose Alfred Sirven, der jahrelang als Schlüsselfigur im Schmiergeldskandal um Elf-Aquitaine gesucht wurde, ist bei der Zwischenlandung in Frankfurt festgenommen worden. Jetzt gibt es neue Hoffnung auf Aufklärung in der Leuna-Affäre.

Alfred Sirven
AFP

Alfred Sirven

Frankfurt - Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen wurde der frühere Elf-Aquitaine-Manager nach seiner Festnahme auf dem Rhein-Main-Flughafen zur Vernehmung in das Frankfurter Justizgebäude gebracht. Dort wurde der 74-Jährige von einer Haftrichterin zur Sache befragen.

Wie Haftrichterin Eva-Maria Wagner vom Frankfurter Amtsgericht heute nach der Vernehmung Sirvens sagte, soll in der kommenden Woche das Oberlandesgericht über eine Auslieferung nach Frankreich entscheiden. Bis dahin werde der 74-Jährige in der südhessischen Haftanstalt Weiterstadt untergebracht.

Der mit vier internationalen Haftbefehlen gesuchte Franzose war am Freitag nach mehr als dreijähriger Flucht in seiner Wohnung bei Manila von Fahndern aufgespürt und in die Lufthansa-Maschine nach Frankfurt gebracht worden. Unmittelbar nach der Landung der Maschine nahmen Beamte des Bundesgrenzschutzes den 74-Jährigen am Samstagmorgen fest. Ursprünglich war erwartet worden, dass Sirven direkt weiter nach Paris geflogen wird, wo ihm derzeit wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder in Abwesenheit der Prozess gemacht wird.

Offenbar hatten die Ermittler aus Furcht vor möglichen Verzögerungen den ersten passenden Flug genommen. Die beiden französischen Fahnder und ein philippinischer Begleiter trafen daher ohne Gepäck, nur mit T-Shirts bekleidet, im winterlichen Europa ein. Das Flugzeug landete um 6 Uhr auf einem abgelegenen Vorfeld des Flughafens. Vor der Festnahme um 6.25 Uhr wurden alle anderen Passagiere aus der Maschine gebracht.

Sirven gilt als Schlüsselfigur im Elf-Schmiergeldskandal. Die Festnahme könnte auch neue Einblicke in die Affäre um die Privatisierung der ostdeutschen Leuna-Raffinerie bringen, bei der Anfang der neunziger Jahre Millionenprovisionen geflossen sind. Sirven war 1989 bis 1993 Direktor für "allgemeine Angelegenheiten" beim damaligen Staatskonzern Elf-Aquitaine und baute dort nach Erkenntnissen der Justiz ein gigantisches Schmiergeldsystem auf. Insgesamt soll er mehrere Milliarden Franc über Schweizer Konten an 100 Empfänger verteilt haben.

Beim vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und dem französischen Staatspräsidenten Francois Mitterrand eingefädelten Verkauf der Leuna-Raffinerie an Elf-Aquitaine kassierte der Lobbyist Pierre Lethier 96 Millionen Franc (28,6 Millionen Mark/14,6 Millionen Euro) von Elf-Aquitaine. Weitere 160 Millionen Franc (etwa 48 Millionen Mark/25 Millionen Euro) gingen an den deutschen Geschäftsmann Dieter Holzer.

Es gibt Spekulationen, das Geld sei zumindest teilweise an die CDU weitergeleitet worden. Sowohl Holzer und Lethier als auch der damalige Parteivorsitzende Kohl haben das energisch bestritten. Sirven dürfte wissen, was mit dem Geld wirklich geschehen ist.

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