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28.02.2001
 

Dieter Salomon

Der Mann, der mit fünf Jahren schon fluchen konnte

Von Kristina Jagemann

Drei Wünsche hat der grüne Spitzenkandidat Dieter Salomon für den 25. März: Die Grünen sollen mindestens das Ergebnis von 1996 erreichen. Die Republikaner sollen es nicht wieder in den Landtag schaffen und: Erwin Teufel soll seinen Stuhl räumen.

Erstmals bei einer Landtagswahl treten die Südwest-Grünen im Frühjahr 2001 mit einem Spitzenkandidaten an. Dieter Salomon ist der Auserkorene, der die 12,1 Prozent seiner Partei 1996 unbedingt halten soll. Nach mehreren verlorenen Landtagswahlen stecken die Grünen tief in der Krise. In Baden-Württemberg soll die Wende eingeleitet werden. Aus dem Ländle kommen bekannte Namen wie Reinhard Bütikofer, Oswald Metzger, Rezzo Schlauch, Cem Özdemir und Fritz Kuhn, der jetzige Bundesvorsitzende.

Das Problem aber ist: Den streitbaren Fritz Kuhn kennt jeder im Land, obwohl er nie Spitzenkandidat der Grünen war. Der zurückhaltende Dieter Salomon ist Spitzenkandidat und keiner weiß es.

Talkshows stehen mir leider nicht offen"

Dieter Salomon
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AP

Dieter Salomon

Eigentlich wollte Dieter Salomon Journalist werden. Doch in Berlin bekam er keinen Studienplatz für Publizistik, so versuchte er es mit Politologie. Der promovierte Sozialwissenschaftler zog 1992 erstmals für die Grünen in den Landtag ein. Im April 2000 wurde er Fraktionsvorsitzender der Grünen, als der populäre Fritz Kuhn nach Berlin wechselte.

"Talkshows stehen mir leider nicht offen", sagt Dieter Salomon ein wenig säuerlich. Er sei halt nur Landespolitiker. "Ich werde auch Landespolitiker bleiben", fügt der Mann bestimmt hinzu, der vom Outfit her auf den Spuren von Außenminister Joschka Fischer wandelt.

Warum "Grün besser fickt"

Für Aufmerksamkeit sorgte der 40-jährige aber dennoch, als die Grüne Jugend eine Wahlpostkarte mit dem Slogan "Grün fickt besser" veröffentlichte. Es hagelte Kritik von der CDU, Salomon aber fand das "witzig". Außerdem käme das doch besser an, wenn man solche Postkarten in Kneipen verteilen würde,meint er.

Er muss es wissen, denn in der Kneipe kennt er sich aus. 1960 in Melbourne geboren, kam er im zarten Alter von drei Jahren ins Allgäu. Seine Eltern hatten eine kleine Dorfwirtschaft, wo am Wochenende die Fetzen flogen. Salomon selbst sagt, er konnte mit fünf Jahren so fluchen, dass sich seine Mutter dafür schämte. "Ich hab's von den Gästen gelernt". Aber das sei auch eine positive Zeit gewesen, denn er habe dadurch gelernt, sich mit unterschiedlichen Leuten zurechtzufinden.

Aus dem "Kneipenjungen" ist ein ansehnlicher 40-jähriger Politiker geworden. Salomon, der verheiratet ist und eine 18-jährige Tochter hat, sucht nicht den platten Angriff, sondern wählt seine Worte wohlüberlegt. Aber manchmal bricht es aus ihm heraus. Da sagt er auch schon mal, Politik sei halt "geil" und Erwin Teufels Zornesausbruch in Richtung CDU-Parteiführung sei einfach "scheiße" gewesen.

Der Traum der Grünen, nach 47 Regierungsjahren die CDU abzulösen, wird ihnen wohl auch diesmal nicht gelingen. Zusammen mit dem möglichen Koalitionspartner, der SPD, kämen beide Parteien derzeitigen Umfragen zufolge auf 40/41 Prozent – im Vergleich zu 49/50 Prozent für CDU/FDP.

Die CDU ist verbraucht

Auf die Frage, ob nicht auch eine Koalition mit der CDU drin wäre, meint Salomon: "Ich bin jemand, der auf der theoretischen Ebene immer Schwarz-Grün eingeschlossen hat. Aber nicht mit Erwin Teufel. CDU-Fraktionschef Günther Oettinger ist so flexibel, dass er mit den Grünen könnte. Aber das macht politisch keinen Sinn, weil die CDU nach 50 Jahren Regierung personell und inhaltlich verbraucht ist. Die Partei muss erst einmal auf die Oppositionsbank".

Vielleicht könnte zumindest einer von den drei Wünschen Dieter Salomons in Erfüllung gehen: die 12,1 Prozent der letzten Landtagswahl zu halten. Dafür hofft er im Wahlkampf auf kräftigen Rückenwind aus Berlin. Und da ist er überzeugt: "Die kommen alle".

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