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16.05.2001
 

Gentechnik

Manipulierter Mais vor der Zulassung

Von Daniel Kluge

Während Bauern in Schleswig-Holstein Mais aus genmanipuliertem Import-Saatgut unterpflügen müssen, plant das Bundessortenamt in Hannover erstmals die Zulassung einer neuen, gentechnisch veränderten Maissorte. In Österreich, Italien und Großbritannien ist ihre Verwendung aber schon verboten.

In Deutschland ist die Zulassung des Gen-Mais T 25 beantragt
DPA

In Deutschland ist die Zulassung des Gen-Mais T 25 beantragt

Berlin - "T 25" ist die offizielle Bezeichnung der neuen Maissorte, die die große deutsche Saatgutfirma aus dem niedersächsischen Kleinwanzleben, die KWS Saat AG, auf den Namen Artuis getauft hat. Wenn das Bundessortenamt zustimmt, kann dieser Mais bereits in der nächsten Saison in Deutschland angebaut und von der KWS vertrieben werden. T 25 ist gentechnisch so verändert, dass die jungen Maispflanzen widerstandsfähig gegen Pflanzenvernichtungsmittel, so genannte Herbizide, sind. Auf dem Acker könnte dann gegen Unkraut gespritzt werden, ohne den Mais in Wachstum und Entwicklung zu beeinträchtigen.

Anfang Juni soll die Entscheidung über den Mais mit den neuen Eigenschaften beim Bundessortenamt fallen. Die Behörde ist zwar dem Bundeslandwirtschaftsministerium zugeordnet, entscheidet aber unabhängig über die Zulassung neuer Sorten für Garten- und Landwirtschaft.

Die KWS Saatgut AG kündigte vorsorglich an, im Falle der Zulassung von T 25 das Saatgut vorläufig noch nicht zu vermarkten. Das Vertrauen der Öffentlichkeit in gentechnisch veränderte Produkte sei dafür noch nicht ausreichend. Das ist auch der wichtigste Grund für die Anordnung des Kieler Umweltministeriums, Maisfelder in der Größe von etwa 40 Hektar umzupflügen. Bei Routinekontrollen hatte sich herausgestellt, dass das verwendete Saatgut Anteile einer genmanipulierten Sorte enthält, die in Europa nicht zugelassen ist.

Die Genehmigung von T 25 wäre dennoch ein Durchbruch für die Saatzucht-Branche. Dann könnte der erste genmanipulierte Mais auf dem deutschen Markt angeboten werden. Ein Hoffnungsschimmer - denn in letzter Zeit sah es schlecht aus für die deutschen Unternehmen der pflanzlichen Gentechnik. Seit der neuen Besetzung des Landwirtschaftsministeriums und der angekündigten Wende in der Agrarpolitik haben gentechnisch veränderte Pflanzen und Produkte dort keine Lobby mehr.

Gen-Pakt liegt auf Eis

Auch der Kanzler hat sich von der grünen Gentechnik abgewendet. Im Januar musste die Saatgutindustrie Schröders Absage des geplanten Gen-Paktes hinnehmen. Unter dem Eindruck der BSE-Krise sei eine ernsthafte Neuausrichtung der Landwirtschaft gefordert. Mehr Gentechnik bei der Produktion von Lebensmitteln könne man da nicht vermitteln.

Kanzler Schröder hat sein Engagement für pflanzliche Gentech-Industrie vorerst auf Eis gelegt
DPA

Kanzler Schröder hat sein Engagement für pflanzliche Gentech-Industrie vorerst auf Eis gelegt

Der Pakt sah ursprünglich vor, in einem gemeinsamen Forschungsprogramm von Staat und Industrie neue Erkenntnisse über den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zu gewinnen und gleichzeitig die Akzeptanz für gentechnisch veränderte Produkte bei den Verbrauchern zu erhöhen. Im Gegenzug sollten sich die Saatguthersteller freiwillig verpflichten, drei Jahre lang auf die kommerzielle Nutzung von genmanipulierten Pflanzen zu verzichten und ihre Anbaugenehmigungen nur im Rahmen gemeinsamer Projekte mit dem Bund zu nutzen. In dieser Zeit - so hofften beide Seiten - würde der Widerstand der Bevölkerung erschlaffen und die Produkte könnten verkauft werden. Eine kühne Prognose, wenn man bedenkt, dass immer noch 70 Prozent der Bundesbürger genmanipulierte Lebensmittel ablehnen.

Greenpeace warnt vor Gentech-Mais

Greenpeace warnte bereits im April vor der Zulassung der neuen Maissorte. Wenn Verbraucherschutz ernst gemeint sei, passe das mit grüner Gentechnik nicht zusammen. An der Sicherheit von T 25 bestünden erhebliche Zweifel. Tests mit Rindern, die den Mais später fressen sollen, hätten gar nicht stattgefunden. Bei der Verfütterung des Genmais an Hühner habe es zudem eine erhöhte Todesrate unter den Tieren gegeben. Auch nach der geltenden EU-Richtlinie "zur Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen" seien die Untersuchungsergebnisse absolut unzureichend.

Unterstützung erfahren die Hersteller genmanipulierter Pflanzen hingegen von der sozialdemokratischen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Anders als ihre grüne Vorgängerin Andrea Fischer plädiert sie, ähnlich wie in der medizinischen Gentechnik, für mehr Offenheit im Umgang mit dem Thema. Es solle nüchtern über Nutzen und Risiken von Gentech-Produkten debattiert und dann von Fall zu Fall entschieden werden.

Gesundheitsministerium kann eingreifen

Der Gesundheitsministerin kommt für die Markteinführung von pflanzlicher Gentechnik eine entscheidende Rolle zu. Denn wenn das Bundessortenamt erst mal eine neue Pflanzensorte zugelassen hat, steht deren Anbau und Vermarktung nichts mehr im Wege - es sei denn, das Gesundheitsministerium macht von Artikel 16 der EU-Freisetzungsrichtlinie Gebrauch: Wenn neue Erkenntnisse über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungen vorliegen, kann jedes Mitgliedsland die Zulassung zu stoppen. Diesen Weg war die damalige Ministerin Fischer gegangen, nachdem im Februar letzten Jahres der schädlingsresistente Gentech-Mais Bt 176 vom Bundessortenamt zugelassen worden war.

Mit Hilfe des Artikels 16 hat Österreich nun auch den T-25-Mais der KWS AG gestoppt. Für die neue Sorte gilt dort bereits ein Anbau- und Importverbot. Auch Italien und England haben wegen erheblicher Zweifel an der Sicherheit des Genmais Import und Zulassung verhindert. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert Bundeskanzler Schröder auf, dem Beispiel Österreichs zu folgen und gegen die Zulassung von T 25 vorzugehen. Er müsse damit ein klares Signal für die Neuausrichtung der Agrarpolitik setzen. Denn die mögliche Verunreinigung benachbarter Felder durch Gentech-Mais bedrohe die ökologische Landwirtschaft, die nach EU-Bioverordnung verpflichtet sei, gentechnikfrei zu produzieren.

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