Von Christoph Schult
Berlin - Iris Berben kommt im luftigen Sommerkleid, Atze Brauner im beigen Leinensakko und Lea Rosh im wallenden blau-lila Gewand. Nur Gerhard Schröder fehlt, aber dafür ist sein Vorgänger erschienen, wie immer in Veilchen-Blau.
Über tausend Gäste schieben sich durch den Garten im Berliner Grunewald-Viertel, es gibt Tomaten-Mozarella-Spieße und die warme Abendsonne taucht das Gebäude an der Auguste-Viktoria-Straße 74 in ein mildes Licht.
Wieder wird an diesem Tag ein neues Amt in Berlin eingeweiht, und es könnte eine ganz normale Gartenparty sein, wären da nicht die schwarz-vermummten Scharfschützen, die mit ihren Gewehren vom grünen Dach des Neubaus jeden Schritt der Menschen unten auf dem Rasen überwachen.
Es ist nicht irgendein Neubau, der hier gefeiert wird, es ist die neue israelische Botschaft in Berlin. Selbstbewusst präsentiert der jüdische Staat seine neue Vertretung, lässt eine Klezmer-Band aufspielen und schenkt koscheren Wein aus der Heimat aus. Stolz umrahmen zwei blau-weiße Landesfahnen mit Davidsstern den Eingang der Botschaft.
"Diese Botschaft ist anders als alle anderen israelischen Botschaften in der Welt", sagt Israels Außenminister Schimon Peres in seiner Ansprache. "Es handelt sich nicht nur um das Haus Israels, sondern auch das von denjenigen, die - auch hier in Berlin - aus ihrem Heim vertrieben und in Waggons in ihren Tod - in Gaskammern, in Verbrennungsöfen - deportiert wurden."
Das neue Botschaftsgebäude steht auf einem Grundstück, das der jüdische Kaufmann Herrmann Schöndorff 1928 gekauft hatte, bevor er 1934 zur Auswanderung gezwungen wurde. Schöndorff hatte auf dem Grundstück eine Villa errichtet, die heute als Residenz für Israels Botschafter Schimon Stein dient, den ersten Botschafter Israels in Berlin.
"Für mich ist die Entscheidung, die israelische Botschaft hier aufzubauen, von historischer Bedeutung", sagt der oberste israelische Repräsentant und deutet auf Alt- und Neubau. "Wir haben auf der einen Seite die neue Botschaft, auf der anderen Seite die Residenz - die Vergangenheit und die Zukunft gemeinsam - das ist eigentlich heute die deutsch-israelische Symbiose."
Das Botschaftsgebäude wurde zum Teil aus hellem Jerusalemstein erbaut, der aus Israel importiert wurde. Die sechs Blöcke der Fassade sollen an die sechs Millionen ermordeten Juden erinnern.
"Nie wieder Auschwitz" - vor allem der deutsche Außenminister wird nicht müde, diese Mahnung bei jeder Gelegenheit auszusprechen. "Die Eröffnung der neuen israelischen Botschaft in Berlin ist für Israelis und für uns Deutsche ein außergewöhnliches, ein besonderes Ereignis", verkündet Joschka Fischer.
So mancher Gast sieht das weniger leidenschaftlich. "Wichtig ist doch nur, dass Israel überhaupt eine Botschaft in Deutschland hat", findet der FDP-Politiker Burkhard Hirsch. "Ob die in Bonn steht oder in Berlin, ist mir wirklich egal."
Und auch für den SPD-Abgeordneten Johannes Kahrs spielt die historische Dimension weniger eine Rolle als die politische: "Es ist wichtig, dass die israelische Botschaft in Berlin ist, damit die Interessen Israels wieder offensiver vertreten werden."
Und während sich die Prominenten der Berliner Republik an koscherem Wein und Finger-Food laben, steht abseits eine Frau, die an diesem Tag kein Politiker in seinen Reden erwähnt, ohne die aber das neue Botschaftsgebäude nie entstanden wäre: die Architektin Orit Willenberg-Giladi.
Dass die Redner sie vergessen haben, kränkt sie nicht, zumindest lässt die Tel Aviver Starkonstrukteurin es sich nicht anmerken. Das Gebäude spreche schließlich für sich selbst, sagt sie, erklärt es aber dann doch.
"Ich wollte, dass das Gebäude so viel Offenheit wie möglich symbolisiert. Ich habe versucht, so viel Glas wie möglich einzubauen, obwohl die Fassadenmauern die Fassade dominieren." Und sie zeigt auf die sechs Fassadenblöcke aus Muschelkalk, die die sechs Millionen ermordeten Juden repräsentieren. "Man darf die Geschichte nicht vergessen", sagt die Architektin, "das ist Botschaft dieses Gebäudes".
Neben ihr sitzt ein altes Ehepaar, beide nicken mit dem Kopf. Es sind die Eltern von Orit Willenberg-Giladi. Er, 78 Jahre alt, Überlebender des Konzentrationslagers Treblinka. Sie, 72 Jahre, geflohen aus dem Warschauer Ghetto. Sie sind stolz auf ihre Tochter, und sie sind zum ersten Mal nach Kriegsende wieder in Berlin. "Für uns schließt sich heute ein Kreis", sagen sie mit Tränen in den Augen. "Das ist der wichtigste Tag unseres Lebens."
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