Von Daniel Kluge
Berlin - Im August 2000 hat das Europäische Patentamt in München der Firma DuPont das Patent 744 888 erteilt. Es sichert dem weltweit größten Saatgutanbieter die exklusiven Rechte für Nutzung und Vermarktung aller Maispflanzen, deren Körner mindestens sechs Prozent Öl und 55 Prozent Ölsäure enthalten. Unter diese Kriterien fallen nach Angaben von Greenpeace derzeit etwa ein Drittel aller bekannten Maissorten.
Damit besitzt der Konzern ein Monopol auf diese Pflanzen, ohne dass die Herkunftsländer wie zum Beispiel Mexiko um Zustimmung gefragt wurden. DuPont kann mit Hilfe des Patents Ansprüche auf die ganze Produktkette erheben, von den Maiskörnern über das Tierfutter und das aus den Körnern gewonnene Öl bis hin zur Margarine.
In der Patentschrift sind alle diese Produkte ausdrücklich genannt. Einen Tag vor Ablauf der Widerspruchsfrist haben die kirchliche Entwicklungshilfeorganisation Misereor und Greenpeace jetzt Einspruch gegen das Patent eingelegt, um die Maisherrschaft von DuPont zu stoppen und ein Zeichen gegen die gängige Patentvergabe-Praxis zu setzen.
Entwicklungsländer sind bevorzugte Ziele der "Biopiraten"
Der Geschäftsführer von Misereor, Martin Bröckelmann-Simon, sieht das Mais-Patent der Firma DuPont stellvertretend "für eine ganze Reihe von skandalösen Fällen von Biopiraterie". Gezielt würden die Entwicklungsländer nach kommerziell nutzbaren Pflanzen, Tieren oder pharmazeutischen Wirkstoffen durchkämmt, meist ohne Erlaubnis.
Große Konzerne deklarierten die entdeckten und zum Teil gentechnisch veränderten Ausgangsstoffe dann als Erfindungen. Mit Hilfe des Patentrechts würden anschließend "die Diebe zu rechtmäßigen Eigentümern" erklärt, kritisiert der Misereor-Fachmann. Von den Gewinnen aus den Patentansprüchen sähen die bestohlenen Entwicklungsländer zumeist nichts.
Biopatente gehen zu Lasten der Bauern
Am Beispiel der Maispflanze erläutert Bröckelmann-Simon die Ungerechtigkeit des Verfahrens. Seit über 7000 Jahren hätten die Menschen in Mittel- und Südamerika Mais als Grundnahrungsmittel genutzt und durch Kreuzung verschiedener Sorten weiterentwickelt, die nun optimal an die lokalen Bedingungen angepasst seien. Dann komme ein Industrieunternehmen, verändere die Pflanze geringfügig durch Genmanipulation und erkläre sie zu seinem geistigen Eigentum. Für die Bauern bedeute das anschließend höhere Preise für das Saatgut.
Im Laufe jahrhundertelanger Zucht sind in Südamerika zahlreiche angepasste Maissorten entstanden
Firmenmonopole auf dem Vormarsch
Bröckelmann-Simon hält die monopolartige Beherrschung des Weltmarktes schon für weit fortgeschritten. Monsanto und DuPont kontrollieren in Asien bereits 70 Prozent des gesamten Saatgutmarktes, ermittelte Misereor und in Brasilien beherrsche Monsanto den Maismarkt zu 60 Prozent.
Die Weiterentwicklung von Nutzpflanzen und die genetische Vielfalt werde durch solche Monopole extrem eingeschränkt, kritisiert er. Immer weniger teure Hochleistungssorten verdrängten die lokal hochgradig angepassten Arten. Dadurch steige die Anfälligkeit gegenüber Schädlingen und die Sicherheit für die Ernährung in den armen Ländern des Südens sinke.
Misereor und Greenpeace gegen Patentrichtlinie
Um der internationalen Entwicklung zu Lasten der armen Länder Einhalt zu gebieten, wollen Misereor und Greenpeace ein generelles Verbot für Patente auf Pflanzen, Tiere, Menschen und ihre Gene durchsetzen. Den Deutschen Bundestag fordern die beiden Organisationen deshalb auf, die von der Bundesregierung bereits gebilligte EU-Richtlinie über den "rechtlichen Schutz biotechnologischer Erfindungen" abzulehnen und nicht in deutsches Recht umzusetzen.
"Unser Einspruch kann zwar das Mais-Patent kippen", sagt Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens, "aber jetzt kommt es darauf an, dass die Bundestagsabgeordneten Patente auf Leben grundsätzlich verbieten".
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