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08.06.2001
 

Nationaler Ethikrat

Behinderte fühlen sich übergangen

Der von Bundeskanzler Gerhard Schröder einberufene Nationale Ethikrat tritt in Berlin zu seiner ersten Sitzung zusammen. Unterdessen gibt es Kritik an der Zusammensetzung des Gremiums: Behindertenverbände fühlen sich ausgegrenzt.

Stammzellen einer Maus. Aus Israel sollen Zellen vom Menschen importiert werden. Ihre Gewinnung ist in Deutschland verboten, nicht aber ihr Import.
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DPA

Stammzellen einer Maus. Aus Israel sollen Zellen vom Menschen importiert werden. Ihre Gewinnung ist in Deutschland verboten, nicht aber ihr Import.

Berlin/Düsseldorf - Zum Auftakt der Sitzung der 25 Experten will sich Bundeskanzler Schröder äußern. Der Ethikrat soll Stellung zu ethischen Fragen der Gentechnik und Biomedizin beziehen. Dazu gehören etwa die umstrittene Forschung mit embryonalen Stammzellen oder Gentests bei im Labor gezeugten Embryonen.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) will am 3. Juli über den Antrag Bonner Forscher, embryonale Stammzellen zu importieren, entscheiden, sagte eine DFG-Sprecherin am Freitag. Zeitungsberichte über eine Verschiebung der Entscheidung seien ein Irrtum.

Zug könnte ohne Deutschland abfahren

Die Bonner Forscher Oliver Brüstle und Otmar Wiestler hatten am Donnerstag Forderungen von Politikern zurückgewiesen, auf die Forschung mit diesen Zellen zu verzichten, bis das Parlament nach der Bundestagswahl 2002 entscheidet. "Die Entwicklung könnte uns dann international davonlaufen", sagte Brüstle. Beide Forscher verwiesen auf neue Therapiechancen für Kranke.

Brüstle hat als erster Wissenschaftler in Deutschland einen entsprechenden Förderantrag bei der DFG gestellt. Er möchte embryonale Stammzellen aus Israel einführen, um daraus Zellen für erkranktes Hirngewebe zu züchten. Dabei wird er von Nordrhein- Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) unterstützt.

Die Unionsfraktion will ihren Gesetzentwurf zum Importverbot von embryonalen Stammzellen in der übernächsten Woche in den Bundestag einbringen. Das kündigte die Fraktionsvize Maria Böhmer (CDU) in der "Financial Times Deutschland" an.

Keine Beteiligung von Behinderten

Kritik kommt unterdessen von Behindertenverbänden. Man fühle sich bei der Auswahl der Vertreter für den Nationalen Ethikrat übergangen, hieß es. Es sei im höchsten Maße unverständlich, dass in das Gremium kein Behindertenvertreter einberufen worden sei, sagte Robert Antretter, Bundesvorsitzender der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

In die Debatte müssten auch diejenigen einbezogen werden, die bei der Diskussion etwas zu befürchten hätten. Antretter sagte weiter, viele Behinderte und deren Angehörige verfolgten die Diskussion mit einem mulmigen Gefühl. Wenn Behinderung zu einem Grund für Selektion im Reagenzglas werde, dann sinke auch das Selbstwertgefühl der schon lebenden behinderten Menschen. Die Präimplantationsdiagnostik könnte der Mentalität Vorschub leisten, dass nur gesundes Leben lebenswert sei, kritisierte Antretter.

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