Wiesbaden - In allen öffentlichen Gebäuden sollen insgesamt 26.000 Plakate aufgehängt werden, um neue Spuren zu den beiden untergetauchten Helfern der Hamburger Terror-Zelle zu bekommen. Die internationale Fahndung indes läuft schon mehrere Tage ohne Erfolg. Gesucht werden der in Deutschland geborene Said Bahaji und der aus Jemen stammende Ramzi Binalshibh (alias Ramzi Omar). Beide seien seit Anfang September verschwunden, erläuterte der Leiter der neuen Terrorismus-Sonderkommission beim BKA, Manfred Klink. Bahaji hält sich offenbar in Pakistan auf.
Beide Männer gelten als Helfer der Hamburger Terror-Piloten, die bei den Anschlägen in den USA drei der vier Maschinen gelenkt haben sollen. So hatte Bahaji für die mutmaßlichen Terroristen eine Wohnung in Hamburg gemietet und gilt unter den Fahndern als Logistiker der Gruppe. Und auch Ramzi Binalshibh soll den Piloten geholfen haben. Nach den Ermittlungen soll er sogar geplant haben, selbst in die USA zu reisen und unter Umständen auch Flugunterricht zu nehmen. Jedoch verweigerte ihm die amerikanische Botschaft das nötige Visum.
Planung nicht in Hamburg allein
Immer noch recherchiert das BKA fieberhaft weitere Verbindungen der Hamburger Gruppe. Besonders dazu soll auch die öffentliche Fahndung dienen. Bei der Pressekonferenz des BKA sagte der Untersuchungsleiter aber, die Anschläge seien nicht allein in Hamburg geplant worden. Dies hatten US-Zeitungen unter Berufung auf amerikanische Ermittlungsbehörden berichtet. Man könne "nicht alles nach Hamburg verlagern", sagte Klink.
Auch eine klare Verbindung der Hamburger Attentäter zu dem Hauptverdächtigen Osama Bin Laden wollte Klink nicht bestätigen. Es sei aber nach deutschen Erkenntnissen plausibel, dass die Hamburger Gruppe Kontakt zu Bin Ladens Organisation al-Qaida hatte, sagte der BKA-Ermittler. Ein wichtiger Hinweis auf diese Verbindung ist der Hamburger Mamoun Darkazanli, der ein Gefolgsmann des mutmaßlichen Terror-Drahtziehers Osama Bin Laden sein soll und in Hamburg eine Handelsfirma betreibt. Darkazanli hatte ebenfalls Kontakt zu der Hamburger Zelle. Gegen den Syrer werde in Kürze ein Ermittlungsverfahren eröffnet, kündigte Klink an.
613 deutsche und 15 FBI-Beamte im Einsatz
Anlässlich der Plakatvorstellung gab Klink auch einen Überblick über die bisherige Arbeit. So seien im Zuge der Ermittlungen nach den Terroranschlägen in den USA bislang 32 Wohnungen von Tatverdächtigen in Deutschland durchsucht und 100 Personen vernommen worden, berichtete Klink. Von insgesamt 8500 Hinweisen aus der Bevölkerung seien bislang 1560 bearbeitet und abgeschlossen worden. In der neuen "Besonderen Aufbauorganisation" (BAO) USA arbeiteten inzwischen 613 BKA-Beamte, sagte Klink. In Deutschland seien derzeit auch 15 FBI-Beamte tätig, welche die deutschen Behörden unterstützten und denen das BKA seine Erkenntnisse mitteile. Die Amerikaner jedoch begleiten die Ermittlungen nur und dürfen keine Polizeiaufgaben wie Durchsuchungen oder Vernehmungen durchführen.
Über die Zusammenarbeit wollte sich Klink nicht äußern. Am Wochenende war Kritik von anonymen Polizeibeamten laut geworden, die FBI-Agenten wollten zwar alles über die deutschen Ermittlungen wissen, gäben jedoch die eigenen Erkenntnisse nicht preis. Klink kündigte lediglich an, dass der Generalbundesanwalt Kay Nehm am Dienstag in die USA reisen werde, um dort über die Ermittlungen zu sprechen.
Über weitere mögliche "Schläfer" - bislang nicht auffällig gewordene potenzielle Terroristen - wollte sich Klink nicht äußern. "Über Zahlen liegen uns keine Erkenntnisse vor." An Spekulationen beteilige er sich nicht. Auch für mögliche Kontakte zwischen gewaltbereiten Islamisten und deutschen Linksextremen gebe es keine Hinweise.Es müsse davon ausgegangen werden, dass es in Europa kleine Zellen von Terroristen aus dem Netzwerk der al-Qaida-Organisation von Osama Bin Laden gebe, die möglicherweise in loser Verbindung zueinander stünden, erläuterte Klink. Sie könnten auch ohne "Geschäftsauftrag" selbstständig Anschläge verüben. Davor könne es auch keinen hundertprozentigen Schutz geben. "Man muss hier mit einem gewissen Restrisiko leben. Aber wir wollen die Bevölkerung auch nicht in Unruhe versetzen."
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