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26.12.2001
 

Helmut Kohl

"Ich habe manchen die Karriere vermasselt"

In einem TV-Interview rechnet Altkanzler Helmut Kohl mit seinen Kritikern ab: So manche Karriere in der CDU habe er verhindert. Sein Ansehen habe durch die Spendenaffäre nicht nachhaltig gelitten, den Euro würde es ohne ihn nie geben.

Applaudiert sich gerne selbst: Altkanzler Kohl
AP

Applaudiert sich gerne selbst: Altkanzler Kohl

Berlin - Der langjährige CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler äußerte Verständnis dafür, dass ihm Weggefährten aus der Führungsspitze der Union heute mit Distanz begegnen. "Durch meine bloße Existenz habe ich manche Karriere vermasselt, denn ich war ja lange da, und ohne mich hätten fünf, sechs andere auch die Chance besessen, CDU-Chef zu werden", sagte Kohl in der Sendung "Maischberger" im Nachrichtensender n-tv.

Der Altkanzler zeigte sich überzeugt, dass sein Ansehen in der Öffentlichkeit und bei vielen Parteimitgliedern trotz der Spendenaffäre nicht nachhaltig gelitten hat. "Es wird der Tag kommen, an dem man in Ruhe meine Fehler und das, was ich vielleicht ganz gut gemacht habe, objektiv gegenüberstellt." Der CDU-Ehrenvorsitz, den er im Verlauf der Affäre niedergelegt hatte, sei für ihn kein Thema mehr, betonte Kohl: "Mit Sicherheit mit mir nicht. Man kann doch nicht zuerst rein in die Kartoffeln und später wieder raus aus den Kartoffeln."

Kohl vertrat in dem Interview die Ansicht, dass es ohne seine Mitwirkung nicht zum Euro gekommen wäre. Er habe eigentlich Ende 1996/Anfang 1997 aus dem Amt gehen wollen. "Hätte ich das zu diesem Zeitpunkt wirklich gemacht, wäre der Euro nie gekommen", erklärte Kohl laut n-tv. In Deutschland habe es damals keine Mehrheit für die Gemeinschaftswährung gegeben. Seine Entscheidung zum Verbleib im Amt sei eine Entscheidung zu Gunsten der europäischen Politik gewesen.

Der Euro werde einen noch engeren Zusammenschluss Europas zur Folge haben, meinte der frühere Kanzler. Die Entwicklung sei unumkehrbar. Auch die besten Verträge zwischen Staaten könnten ein gemeinsames Band nicht ersetzen. Der Euro sei nicht nur Zahlungsmittel, sondern ein Stück europäischer Integration. "Die Väter des Euro wollten nicht mehr, dass wir auf Soldatenfriedhöfe der Zukunft gehen müssen."

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