100 Tage Schill Spät kommen, früh gehen
Von Marion Kraske
2. Teil: Lesen Sie im zweiten Teil über Koks-Vorwürfe gegen Innensenator Schill

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Nadja Abd El Farrag: Einen Tag vor dem Koks-Test feierte sie noch mit Schill auf Sylt
Harsche Kritik musste sich der Rechtspolitiker in den vergangenen Wochen wegen seiner öffentlichen Auftritte auf schillernden Partys gefallen lassen. Zusammen mit einer großen Feiergemeinde reiste Schill kürzlich nach Sylt - neben Ex-Bohlen-Sternchen Nadja Abd El Farrag war auch Alt-Barde Roberto Blanco mit von der Partie.
Für "Naddel" hatte der Ausflug auf die Promiinsel ein unschönes Nachspiel. Sie wurde am Flughafen in München zu einem Drogentest gebeten - an ihren Händen fanden Beamte Reste von Kokain. Und auch für Schill blieb die Sylt-Sause nicht ohne Folgen. Die GAL-Fraktion in der Bürgerschaft nahm den Ausflug zum Anlass, in der Bürgerschaft Schills öffentliches Auftreten zu erörtern. In einer aktuellen Stunde nahmen die Grünen Schills Besuch in der "Sansibar" aufs Korn, "wo nicht nur Champagner, sondern auch noch Koks die Partydroge gewesen sein soll", wetterte der GAL-Abgeordnete Manfred Mahr.
Der Grünen-Politiker, der in seinem ersten Beruf Polizeihauptkommissar ist, bemängelt, dass sich Schill des öfteren auch bei Veranstaltungen von Hamburgs Partymacher Michael Ammer blicken lasse. Diese Szene, unterstreicht Mahr, werde immer wieder auch mit der Halbwelt in Verbindung gebracht. "Das Erscheinen des Innensenators, der möglicherweise auch Razzien an solchen Orten befehligen müsste, verträgt sich nicht mit seinem Amt."

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Ronald Schill: Keine Polizeikonzentration dort, wo Drogen in Schickeriakreisen konsumiert werden?
Dass es möglicherweise schon zu Zielkonflikten gekommen ist, beweisen Informationen des SPIEGEL über eine mittlerweile zurückgenommene Anweisung des Innensenators. Danach heißt es in einem internen Vermerk, der über eine Dienstbesprechung gefertigt wurde: Die Ressourcen der Polizei sollen dort konzentriert werden, wo Verelendungstendenzen sichtbar seien. Schill habe dazu angemerkt: "Dies ist dort nicht der Fall, wo Drogen in Schickeriakreisen konsumiert werden."
Dass die Koks-Vorwürfe immer weitere Kreise ziehen, beweist ein Schreiben von Hamburgs ehemaligem Justizsenator Wolfgang Hoffmann-Riem. Der parteilose Verfassungsrichter, der
bis 1997 für die Statt-Partei im Hamburger Senat saß und in Justizkreisen einen ausgezeichneten Ruf genießt, forderte Schill in einem offenen Brief auf, zu dem Sachverhalt Stellung zu nehmen. "Das Gerücht, Sie könnten mit Kokain in Verbindung stehen, geht schon seit einiger Zeit in der Stadt um." Nun ende jedoch für Schill das Recht zu schweigen. Er müsse eine klare Aussage zu den Vorwürfen machen.
Schillsche Bürgersprechstunde

DPA
Innensenator Schill mit Bausenator Mettbach: Posten und Pöstchen für Freunde und Geliebte
Schill, der sich durch seinen Plausch mit Ex-Porno-Star Gina Wild in einer Hamburger Nobeldisco bereits vor Wochen in Misskredit gebracht hatte, verteidigte seine Party-Auftritte als wichtige Kontaktpflege und "eine Art erweiterte Bürgersprechstunde". Die Angriffe der Opposition, empörte er sich, seien eine "Diffamierungs- und Dreckkampagne." "Ich habe noch nie Drogen genommen", stellte er denn auch am Wochenende klar und griff den Verfassungsrichter wegen seines Vorgehens scharf an. Mit dem Schreiben habe Hoffmann-Riem sein Richteramt in fragwürdiger Art und Weise ausgenutzt. Um die Vorwürfe gegen ihn zu entkräften, bot Schill eine Haarprobe an. Momentan gebe es jedoch keine konkreten Anschuldigungen, sondern lediglich "diffuse Unterstellungen".
Doch nicht nur Schill selber, seine gesamte Partei erscheint vier Monate nach dem Wahlsieg gehörig gerupft. Vor allem die Personalentscheidungen der Schillianer sorgen immer wieder für Stirnrunzeln und Empörung - die Vorwürfe reichen bis hin zu Filz.
Die jüngste Affäre um Bausenator Mario Mettbach, der seiner 26-jährigen Geliebten einen Posten als persönliche Referentin zuschachern wollte, war nur der letzte Skandal in einer Reihe von dubiosen Personalquerelen, mit denen sich die Schill-Truppe selbst in ein schlechtes Licht rückte.

AP
Die Freude nach der Bürgerschaftswahl scheint getrübt: Wie lange guckt sich Ole von Beust die Eskapaden seiner Bündnispartner noch an?
Der stolprige Start der Rechtsstaatlich Offensiven als Regierungspartei - erster Meilenstein auf dem Weg zur Selbstdemontage? Immerhin bescherten die letzten Monate der Schill-Partei in der Wählergunst schon einen deutlichen Vertrauensverlust. Einer Forsa-Umfrage zufolge kämen die Rechtsstaatlichen derzeit noch auf 15 Prozent - ein Verlust von 4,4 Prozentpunkte gegenüber dem Wahlergebnis vom September.
Und auch Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU) scheint die Fettnäpfchen-Politik des schwierigen Koalitionspartners nicht mehr sorgenlos zu verfolgen. "Wir haben harte Arbeit vor uns", mahnte er jüngst mit offensichtlichem Seitenhieb auf die querschießenden Schill-Vertreter. "Das fordert volles Engagement."
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