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28.02.2002
 

Streit über Sudetendeutsche

Schröder sagt Prag-Reise ab

Bundeskanzler Gerhard Schröder wird nicht wie geplant im März nach Prag reisen. Das Verhältnis zwischen Deutschland und Tschechien hatte sich zunehmend verschlechert - wegen Prager Äußerungen zur Vertreibung der Sudetendeutschen nach 1945.

Berlin - "Beide Seiten haben sich darauf verständigt, den Besuch zu verschieben", sagte ein Sprecher des Bundespresseamts. Eine Begründung wurde nicht gegeben. Für Irritationen hatten in den letzten Tagen Äußerungen des tschechischen Ministerpräsidenten Milos Zeman über die Sudetendeutschen gesorgt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren rund drei Millionen Sudetendeutsche aus Böhmen und Mähren aus der Tschechoslowakei vertrieben worden. Zeman hatte die Sudetendeutschen als "fünfte Kolonne Hitlers" und die Vertreibung als "milde Strafe" für Verräter bezeichnet. Opposition und Sudetendeutsche hatten Schröder daraufhin gedrängt, nur nach einer Entschuldigung Zemans nach Prag zu reisen.

Bundesaußenminister Joschka Fischer war in der vergangenen Woche nach Prag gereist und hatte danach erklärt, die Probleme seien ausgeräumt. In Tschechien ist zurzeit Wahlkampf. Schröder wolle auch vermeiden, in den Streit zwischen Ungarn und Tschechien über die so genannten Benes-Dekrete hineingezogen zu werden, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Sie dienten nach dem Zweiten Weltkrieg als Rechtfertigung für die Vertreibung der Deutschen aus Tschechien sowie Zehntausender Ungarn aus der Slowakei. Ungarns Premierminister Viktor Orban fordert ihre Aufhebung noch vor dem für 2004 geplanten Beitritt Tschechiens zur EU.

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