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12.05.2002
 

Kanzlerkandidatur

Genscher kürt Westerwelle

"Viele wollen weder Schröder noch Stoiber. Sollen diese Millionen Wählerinnen und Wähler wirklich ohne Alternative bleiben?" fragte Hans-Dietrich Genscher seine Parteifreunde in Mannheim. Nein, lautet die liberale Antwort. Deshalb soll Guido Westerwelle die Partei als Kanzlerkandidat in den Wahlkampf führen.

Westerwelle und Genscher auf dem Mannheimer Parteitag
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AP

Westerwelle und Genscher auf dem Mannheimer Parteitag

Mannheim - Unter riesigem Beifall forderte der FDP-Ehrenvorsitzende den Parteichef auf, als Kanzlerkandidat der Liberalen anzutreten. Der Bundesvorstand der Partei hatte zuvor einstimmig beschlossen, ihren Vorsitzenden zum Kanzlerkandidaten zu küren. "Als Partei für das ganze Volk treten wir mit einem eigenen Kanzlerkandidaten an," heißt es im Beschluss des Bundesvorstands. Mit Guido Westerwelle wolle die FDP die Bundestagswahl zum "Erfolg für Deutschland" machen.

Die rund 660 Delegierten sprachen sich danach für eine Kandidatur Westerwelles aus. In offener Abstimmung stimmten nur zwei der Delegierten gegen die Aufstellung eines eigenen Kanzlerkandidaten, zudem gab es einige wenige Enthaltungen. Es war das erste Mal in der Geschichte der Freien Demokratischen Partei, dass sie einen eigenen Bewerber für das Amt des Bundeskanzlers benannt hat.

"Wir nehmen die personelle Herausforderung an", sagte Genscher am Sonntag. Es sei das legitime Recht der Liberalen, auf den personalisierten Bundestagswahlkampf mit einem eigenen Kanzlerkandidaten zu reagieren. "Wo steht geschrieben, dass das Recht dazu nur CDU/CSU und den Sozialdemokraten zusteht?" Die FDP müsse die Kraft zeigen, mit Westerwelle als Anwärter auf das Amt des Bundeskanzlers in den Wahlkampf zu ziehen. "Er ist ein Mann der Zukunft", sagte Genscher. Zuvor hatte bereits der FDP-Bundesvorstand beschlossen, Westerwelle zum Herausforderer von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zu küren.

Als Genscher den Antrag vor den Delegierten verlas, reagierten diese mit stürmischem Beifall. Westerwelle wird damit der erste Kanzlerkandidat in der Geschichte der FDP. Er hat bereits angekündigt, zu einer Kandidatur bereit zu stehen. Am Morgen hatte der Parteitag das Programm für die Bundestagswahl verabschiedet.

Genscher verteidigte die Linie Westerwelles, der mit ungewöhnlichen und teilweise auch parteiintern umstrittenen Werbeaktionen um Aufmerksamkeit für seine Partei geworben hatte. Als "Sauertopf" werde man nicht gewählt, sagte Genscher. "Ich möchte meine Partei bitten, um das Wort Spaß keine Tabuzone zu errichten", sagte der ehemalige Außenminister.

"Jetzt wäre es Kleinmut, es nicht zu tun"

Westerwelle selbst bekräftigte anschließend in seiner Rede, dass die "Strategie 18" seiner Partei ein "ernstes Ziel" für die Bundestagswahl bleibt. 18 Prozent seien "kein Selbstzweck", sagte Westerwelle in seiner Abschlussrede auf dem FDP-Parteitag am Sonntag in Mannheim. Mit einem solchen Ergebnis wollten die Liberalen wieder ein Stück neue Verantwortung für Deutschland übernehmen.

Der Parteichef hatte eine Kanzlerkandidatur zuvor mit den Erfolgen der Liberalen bei den vergangenen Landtagswahlen begründet. "Im letzten Jahr wäre es Übermut gewesen, es zu tun. Jetzt wäre es Kleinmut, es nicht zu tun", sagte Westerwelle unter dem Beifall der 660 Delegierten. Der Parteichef hatte sich im vergangenen Jahr noch gegen einen liberalen Herausforderer für Schröder ausgesprochen. Nun wollten die Liberalen im Wahlkampf auf "gleicher Augenhöhe" zu Union und SPD antreten, betonte der Parteichef.

Westerwelle verteidigte seine Linie, mit teilweise auch ungewöhnlichen Werbeaktionen für Aufmerksamkeit für die Liberalen zu werben. Er müsse nicht herumlaufen, als sei er "höchstpersönlich für die Klimakatastrophe" verantwortlich. Er fügte hinzu: "Das ist nicht die Art, wie wir Wahlkampf machen."

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