Berlin – "Die Bauern müssen sich zusammenschließen", sagte Verbraucherschutz-Staatssekretär Alexander Müller am Donnerstag in Berlin. Zunächst appelliere das Ministerium allerdings erneut an die Hersteller, ihrer Verantwortung gerecht zu werden: "Die Industrie muss einen Hilfsfonds einrichten."
Die Futtermittelhersteller haben sich in einem ersten Schritt zwar bereit erklärt, auf eigene Kosten den Landwirten das mit Pestiziden verseuchte Getreide gegen unbelastetes Futter auszutauschen, teilte Müller mit. Der Nachrichtenagentur AP sagte er: "Das ist ein erster Schritt der Industrie, aber kein ausreichender". In der entscheidenden Frage der Entschädigung schalteten die Futtermittelhersteller, so Müller, weiterhin auf stur.
Vertreter der beiden Verbände - Raiffeisenverband und Deutscher Verein für Tiernahrung - hätten ihre Absicht schon am Mittwoch dem Ministerium mitgeteilt. Der in Aussicht gestellte Austausch von Futtermitteln sei aber "nur ein Ersatz für mangelnde Lieferung, nicht für entstandene Schäden".
Ein einzelner Futtermittelbetrieb habe sich sogar darauf festgelegt, über die von der Versicherung festgelegte Entschädigungssumme hinauszugehen, sagte Müller. Nähere Angaben wollte er nicht machen. Die Zahl der Höfe, die wegen möglicher Nitrofenverseuchung gesperrt sind, nimmt währenddessen ab. Auf insgesamt 359 von bundesweit zunächst 499 gesperrten Höfen sei die Sanktion am Dienstagabend noch in Kraft gewesen, sagte Müller. Derzeit werde "stündlich mit weiteren Entsperrungen gerechnet". Von ursprünglich gesperrten Betrieben würden etwa 80 Prozent konventionell und der Rest ökologisch bewirtschaftet.
In Mecklenburg-Vorpommern blieben nach Müllers Angaben bis Dienstagabend noch 233 der 334 ursprünglich gesperrten Höfen geschlossen. In Brandenburg seien bis zu diesem Zeitpunkt 19 von 38, in Sachsen-Anhalt elf von zwölf, in Niedersachsen acht von 59, in Nordrhein-Westfalen fünf von 12 und in Schleswig-Holstein zwei von vier Höfen wieder freigegeben worden. Aus Bayern lagen dem Ministerium keine aktuellen Zahlen vor. Dort waren insgesamt 47 Höfe von der Sperrung betroffen.
Auch Erbsen belastet In der Lagerhalle in Malchin (Mecklenburg-Vorpommern), von der die Tierfutter-Belastung ausgeht, wurden nach Angaben Müllers inzwischen auch Erbsen mit Nitrofen-Rückständen gefunden. Das Ministerium hat geringe Ablagerungen auch in Filterstäuben einer Getreide-Reinigungsanlage in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt. Man müsse jetzt die "Sekundärkontamination" verfolgen und weitere Lagerorte untersuchen, erklärte Müller.
Im Dezember 1999 und Januar 2000 seien in Malchin 5300 Tonnen so genanntes Interventionsgetreide gelagert und in der Anlage gereinigt worden. Das Getreide wurde laut Müller Mitte 2000 in Nicht-EU-Länder exportiert.
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