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03.07.2002
 

Razzia in Hamburg

Polizei nimmt mutmaßliche Islamisten fest

Die Polizei hat am frühen Morgen sechs Wohnungen und eine Buchhandlung in Hamburg durchsucht. Sechs Männer, die erklärt hatten, für einen islamistischen Staat auch ihr Leben opfern zu wollen, wurden vorläufig festgenommen. Haftbefehle ergingen jedoch nicht.

Hamburg: Polizeibeamte tragen Kisten mit sichergestelltem Material aus der Buchhandlung
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DPA

Hamburg: Polizeibeamte tragen Kisten mit sichergestelltem Material aus der Buchhandlung

Hamburg/Karlsruhe - Es gebe keine ausreichenden Haftgründe, teilte die Polizei mit. Konkrete Anschlagspläne hätten sich nicht ergeben. Bei der Razzia wurde "kistenweise" Beweismaterial gesichert.

Die Aktion richtete sich nach Angaben von Polizei und Bundesanwaltschaft gegen acht Männer aus Marokko, Afghanistan und Ägypten im Alter zwischen 28 und 51 Jahren.

Gegen einen der Beschuldigten laufe ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Unterstützung der terroristischen Vereinigung um die Attentäter Mohammed Atta, Marwan al-Shehhi und Ziad Jarrah. Anhaltspunkte dafür, dass die Gruppierung an den Terroranschlägen am 11. September in den USA beteiligt gewesen sei, seien nach dem gegenwärtigen Stand der Ermittlungen aber nicht erkennbar, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Bei den verdächtigen Männern handelt es sich nach Angaben der Polizei um Abdelhak S., 32, Hatem S., 28, Abderrazek L., 39, Abdelghani M. 29, El Mostafa T., 42, Asadullah M., 48, Lahoucine S., 32, und Mohamed J., 51, der die deutsche Staatsangehörigkeit hat. Sechs Beschuldigte würden derzeit in Hamburg vernommen und erkennungsdienstlich behandelt, hieß es. Ein weiterer Beschuldigter solle in Italien vernommen werden. Die Männer würden verdächtigt, sich zu einer Vereinigung zusammengeschlossen zu haben, um auf der "Grundlage eines aggressiven militanten islamischen Fundamentalismus Anschläge zu begehen".

Buchladen als Treffpunkt

Der Verdacht gegen die Beschuldigten habe sich Anfang Februar 2002 als Ergebnis der Rasterfahndung ergeben. Die durchsuchten Wohnungen lagen in Eimsbüttel, Altona, Wilhelmsburg, Borgfelde, Neugraben-Fischbek und Winterhude.

Die islamische Buchhandlung in Hamburg-St. Georg
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DPA

Die islamische Buchhandlung in Hamburg-St. Georg

Zentraler Punkt der Ermittlungen ist ein Buchladen in der Lindenstraße in Hamburg-St. Georg, der von dem 32-jährigen Abdelhak S. aus Marokko betrieben wird. Hier habe sich der Personenkreis, gegen den zurzeit ermittelt wird, getroffen, hieß es. Ziel der Durchsuchungen sei es, Beweismittel sicherzustellen, die den Tatverdacht erhärten, teilte die Polizei mit. Ob der Buchladen nach Abschluss der Ermittlungen geschlossen wird, hängt laut Polizei von der gewerberechtlichen Prüfung durch das zuständige Bezirksamt ab. Bei der Durchsuchungsaktion wurden mehrere Asservate sichergestellt, deren Auswertung einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Ermittlungen seien durch einen Zufallsfund ausgelöst worden, berichtete die Hamburger Polizei: Ein 41-Jähriger aus Marokko, der als Angestellter des Landeskriminalamts Hamburg in der Aktenverwaltung arbeitete, wurde auffällig, weil er Kontakt zu der Personengruppe hatte. Überprüfungen ergaben, dass er in Betrugsdelikte mittels Kreditkarten verwickelt ist. Er wurde vom Dienst entbunden. Nach Polizeiangaben ermittelt die Abteilung Wirtschaftsdelikte im Hamburger Landeskriminalamt gegen ihn. Auch seine Wohnung wurde am Mittwoch auf Anweisung des Amtsgerichtes Hamburg durchsucht.

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