Berlin/Mainz - Der Sirup sei sichergestellt und werde auf das Hormon Medroxy-Progesteron-Azetat (MPA) untersucht. Das teilte das Umweltministerium in Mainz am Donnerstag mit. Die Ware sei in zwei Lieferungen am 18. April und am 6. Mai dieses Jahres von Nordrhein-Westfalen über einen Zwischenlieferanten nach Rheinland-Pfalz gelangt und noch nicht verarbeitet worden. Untersuchungsergebnisse über eine mögliche Hormonbelastung seien frühestens Anfang nächster Woche zu erwarten. Der Vorwurf gegen die belgische Firma Bioland lautet, dass sie billig pharmazeutische Abfälle entsorgt hat, indem sie die Rückstände in den Zuckersirup kippte. Kostenloses Endlager Mensch.
Angesichts des sich ausweitenden Skandals warnte NRW-Verbraucherschutzministerin Bärbel Höhn (Grüne) vor langfristigen Gefahren durch Hormone in Lebensmitteln. Im WDR erklärte sie, im aktuellen Fall der möglicherweise mit dem Hormon belasteten Getränke oder Fleischprodukte sei zwar keine massive Gefährdung zu erwarten. "Nur ich sage mal: Die Summe der Hormon-Einträge, die wir in den letzten Jahren beobachten bei uns, die ist schon dramatisch." Der Futterskandal sei immerhin nur aufgefallen, weil die Sauen keine Ferkel mehr bekommen haben. "Und auch die Zeugungsfähigkeit der Westeuropäer geht ja zurück", sagte Höhn. Insofern sei eine Langfrist- oder Negativ-Wirkung schon da.
Bundesministerin Renate Künast (Grüne) forderte eine einheitliche europäische Futtermittel-Regelung. "Wir brauchen endlich eine europäische Regelung, auf der klar steht: Es darf im Futtermittel nur drin sein, was auch ausdrücklich erlaubt ist", sagte sie am Donnerstag im ZDF. Weiterhin seien verstärkte Kontrollen nötig. Der Futtermittelbereich sei einer der schärfsten Bereiche, in denen Wirtschaftskriminalität begangen wird - und zwar eine Kriminalität, die nicht nur finanziell, sondern die tatsächlich der Gesundheit der Menschen schadet, sagte Künast.
Scharfe Kritik an den Machenschaften der belgischen Firma Bioland Liquid Sugars übte der Bund für Lebensmittelrecht- und Lebensmittelkunde (BLL). "Wenn jemand pharmazeutische Abfälle illegal in die Lebensmittelkette einschleust, erfüllt das jeden verantwortlichen Unternehmer der Branche mit Abscheu", sagte BLL-Hauptgeschäftsführer Matthias Horst. Auch er plädierte im Bereich der Lebens- und Futtermittelsicherheit für ein gleich hohes Niveau in der Europäischen Union.
Die belgische Bioland soll nach Angaben der belgischen Behörden mit dem Hormon verunreinigten Zuckersirup an mehrere deutsche Unternehmen geliefert haben. Das brandenburgische Landwirtschaftsministerium hatte am Mittwoch eine Sirup-Lieferung an einen Getränkehersteller vom Mai 2001 bestätigt. Ob der Sirup mit Hormonen belastet war konnte nicht nachgewiesen werden, weil er aufgebraucht worden ist. Weitere 27 Tonnen Glukosesirup sind im Dezember 1999 an einen Betrieb in Rheinland-Pfalz gegangen, der im Auftrag einer Firma aus Baden-Württemberg Apfelweinprodukte herstellte. Auch hier konnte bislang nicht festgestellt werden, ob der Sirup hormonbelastet war. In Bayern werden derzeit nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums noch Proben untersucht.
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