Lafontaine und Schröder: Mit dem Rechts-Links-Schema 1998 die Wahlen gewonnen
Berlin - Gerhard Schröder alleine könne nicht gleichzeitig das linke und das rechte Lager der SPD-Wählerschaft besetzen, sagte der Geschäftsführer des Bielefelder Meinungsforschungsinstituts. Was der Kanzler brauche, sei ein "zweiter Lafontaine." Denn um die Wahl zu gewinnen, müsse die SPD mindestens um die 40 Prozent erzielen, so Schöppner: "Die kriegt sie nicht, wenn sie alleine auf Schröder setzt."
Die jüngsten Emnid-Umfragen sehen die SPD rund zehn Wochen vor der Abstimmung bei 35 Prozent.
"Die reine Personifizierung auf Schröder war ein kapitaler strategischer Fehler der SPD", sagte Schöppner. Nehme der Kanzler eher unternehmerfreundliche Positionen im Sinne der so genannten Neuen Mitte ein, verliere er die gewerkschaftsfreundliche Klientel.
Bewege er sich auf den linken Rand zu, fehlten ihm die Wähler aus der Mitte. Schöppner verwies in diesem Zusammenhang auf die zurückliegende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die SPD erdrutschartige Verluste hatte hinnehmen müssen. "Das war zwar noch keine Kanzlerwahl, aber doch ein Signal."
Möglicherweise hätten sich die Wahlstrategen der SPD von den guten Umfragewerten der Person Schröder im Vergleich zu Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber blenden lassen. "Die SPD hat eine schlechte Siegchance, wenn nicht noch etwas Unvorhergesehenes passiert", sagte Schöppner. "Ideal für Schröder wäre ein Antipode."
Das Duo mit dem linken Lafontaine und dem der Neuen Mitte zugeneigten Schröder habe 1998 die Wählerschichten optimal für die Sozialdemokraten abgedeckt. Ein zweiter Lafontaine sei jedoch bei der SPD nicht in Sicht.
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