Paul Spiegel: Antisemitismus braucht mehr Beachtung
Berlin - Die neue Untersuchung habe gezeigt, so Spiegel, dass antijüdische und fremdenfeindliche Einstellungen "kein ausschließliches Problem der vermeintlich perspektivlosen ostdeutschen Bevölkerung" seien.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Deutsche teilweise erschreckende Vorurteile gegen Juden haben. 31 Prozent der westdeutschen Befragten bejahten in der Umfrage der Universität Leipzig die Aussage, dass der Einfluss der Juden zu groß sei. Im Vergleich zu einer Studie vor vier Jahren hat sich ihre Zahl verdoppelt. Im Osten stimmten fast unverändert 14 Prozent zu.
Außerdem stimmten 23 Prozent der Befragten insgesamt der Aussage zu, dass "Juden mehr als andere Menschen mit üblen Tricks arbeiten, um sich durchzusetzen". Ein Fünftel aller Befragten meinte, "die Juden passen nicht so recht zu uns." Auch hier gab es eine gravierende Ost-West-Differenz mit 8 Prozent Zustimmung im Osten und 22 Prozent im Westen.
Besorgt zeigte sich Spiegel über die geringe Resonanz der Studie in der Politik und in den Medien. Angesichts der Ergebnisse und auch jüngster Gewaltakte frage er sich, "was noch geschehen muss, damit das Problem Antisemitismus erst genommen wird". Es reiche nicht aus, einen antisemitischen Trend zur Kenntnis zu nehmen und dann wieder zur Tagesordnung über zu gehen. "Auch die verständnisvollen Reden anlässlich der verschiedenen Gewaltakte gleichen sich in hohem Maße, ohne dass sich im Anschluss daran tatsächlich etwas bewegt", sagte Spiegel.
Die Studie wurde im April erstellt. Es wurden je rund 1000 Ost- und Westdeutsche im April befragt.
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