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Das neue Schröder-Kabinett
Nach den Sachfragen hat Rot-Grün jetzt auch Verteilung und Zuschnitt der Ministerien geregelt. Das kleinste Kabinett seit 1949 kann die Arbeit aufnehmen. Die größte Überraschung war wohl die Berufung Renate Schmidts, mit der der Kanzler offenbar die Grünen ausbremste. SPIEGEL ONLINE präsentiert die Minister und ihre Staatssekretäre.
REUTERS
Kanzler und Vize präsentieren stolz den Koalitionsvertrag
Berlin/München - Vier neue Minister werden der Mannschaft von Bundeskanzler Gerhard Schröder angehören: Neben dem bereits designierten Superminister für Arbeit und Wirtschaft, Wolfgang Clement, sind das die bayerische SPD-Politikerin Renate Schmidt (Familie), Brigitte Zypries (Justiz) und Manfred Stolpe (Minister für Verkehr, Bau und Aufbau Ost). Die "Neuen" gehören alle der SPD an.
Mit dem Kanzler gehören der
neuen Bundesregierung insgesamt 15 Mitglieder an. Eine vergleichbare Größenordnung hatte 1949 das erste Kabinett von
Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU), das - ihn eingerechnet - 16
Mitglieder hatte, wie aus dem biografischen Lexikon des Bundestags
hervorgeht. Das bisher umfangreichste Kabinett regierte mit 23
Mitgliedern unter Bundeskanzler Ludwig Erhard (CDU) von 1963 bis
1965.
AP
Die Koalitionäre bei der Unterzeichnung des Vertrages
Schröder hat bei der Ministerauswahl auch die Gleichstellung
zwischen Männern und Frauen perfekt befolgt: Seiner Regierung gehören
je sieben Frauen und Männer an. Nur mit ihm sind die Männer in der
Überzahl. Das Durchschnittsalter der Regierung beträgt - wie in
Schröders erstem Kabinett - erneut 56 Jahre.
"Nesthäkchen" in Schröders Mannschaft ist die grüne
Verbraucherschutzministerin Renate Künast mit 46 Jahren. "Doyen" ist
Innenminister Otto Schily (SPD), der mit 70 Lebensjahren auch
Alterspräsident des Bundestags ist.
Bei einer Pressekonferenz gaben Schröder und sein Vize, Joschka Fischer, die Ergebnisse der Koalitionsvereinbarungen nach 14 Verhandlungstagen bekannt. "Wir haben es geschafft", sagte der Kanzler sichtlich zufrieden.
Das 88 Seiten starke, rot-grün eingebundene Vertragswerk unterschrieben Schröder und Fischer, außerdem SPD-Generalsekretär Olaf Scholz, die stellvertretende SPD-Chefin und Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) sowie die Grünen-Chefs Claudia Roth und Fritz Kuhn. Fischer sagte, Rot-Grün strebe "vier energische Jahre der Erneuerung" an. Das strukturell wichtigste Reformprojekt sei die Schaffung eines kinderfreundlichen Deutschlands. In zehn Jahren wolle man zu den skandinavischen Ländern und zu Frankreich aufschließen. Weiterer Schwerpunkt sei die Agrarwende und die Förderung alternativer Energiepolitik. Fischer sprach von einem "ambitionierten Erneuerungsprogramm". Die Verhandlungen seien hart, aber fair gewesen.
Schröder bremste mit der Berufung
von Renate Schmidt zur Familienministerin die Grünen aus.
"Auch die Grünen hatten ein Augenmerk auf dieses Ministerium. Der
Bundeskanzler war überzeugt, dass der Name Renate Schmidt diese
Begehrlichkeiten reduziert", erklärte die SPD-Politikerin am
Mittwoch in München. Sein Anruf am Abend zuvor habe sie "kalt
erwischt", denn sie habe ganz andere Lebenspläne gehabt und dies
Schröder vor der Wahl auch gesagt.
Der Schwerpunkt ihrer Arbeit als Ministerin werde auf der
Ausweitung der Betreuungsangebote für Kleinkinder und dem Ausbau der
Ganztagsschulen liegen, betonte Schmidt. Dafür werde die Koalition
in den nächsten vier Jahren vier Milliarden Euro bereitstellen. Mit
einer Erhöhung des Kindergeldes ist dagegen kaum zu rechnen: "Die
Verbesserung der Betreuung ist wichtiger als die Verbesserung der
materiellen Situation", erklärte Schmidt.
Sie habe eigentlich ein Buch schreiben wollen und verlasse den
bayerischen Landtag und ihre sozialen Ehrenämter nur ungern. "Aber
allmählich kommt doch eine gewisse Freude und ein gewisser Stolz,
dass der Kanzler meint, dass ich das am besten machen könne."
Schröder wolle die Familienpolitik zu einem Schwerpunkt in der neuen
Legislaturperiode machen.
Schmidt lobte die "ausgezeichnete Arbeit" der bisherigen
Familienministerin Christine Bergmann. Der bayerische
SPD-Fraktionschef Franz Maget sagte, Schmidt sei "erkennbar die
profilierteste Familienpolitikerin". Deshalb sei ihre Berufung keine
Überraschung gewesen.
Die Zusammensetzung des neuen Kabinetts:
Bundeskanzler: Gerhard Schröder (SPD)
Chef des Kanzleramts: Frank-Walter Steinmeier (SPD)
Staatsminister: Rolf Schwanitz (SPD)
Kulturstaatsministerin: Christina Weiss (parteilos)
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Minister: Joschka Fischer (Grüne)
Staatsministerin:Kerstin Müller (Grüne)
Staatsminister: Hans-Martin Bury (SPD)
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Minister: Otto Schily (SPD)
Parlamentarische Staatssekretärin: Ute Vogt (SPD)
Parlamentarischer Staatssekretär:Fritz Rudolf Körper (SPD)
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Minister: Peter Struck (SPD)
Parlamentarischer Staatssekretär: Walter Kolbow (SPD)
Parlamentarischer Staatssekretär: Hans Georg Wagner (SPD)
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Ministerin: Ulla Schmidt (SPD)
Parlamentarischer Staatssekretär: Franz Thönnes (SPD)
Parlamentarische Staatssekretärin: Marion Caspers-Merk (SPD)
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Minister: Wolfgang Clement (SPD)
Parlamentarischer Staatssekretär: Ditmar Staffelt (SPD)
Parlamentarischer Staatssekretär: Rezzo Schlauch (Grüne)
Parlamentarischer Staatssekretär: Gerd Andres (SPD)
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Minister: Hans Eichel (SPD)
Parlamentarischer Staatssekretär: Karl Diller (SPD)
Parlamentarische Staatssekretärin Barbara Hendricks (SPD)
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Ministerin: Edelgard Bulmahn (SPD)
Parlamentarischer Staatssekretär: Christoph Matschie (SPD)
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Ministerin: Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD)
Parlamentarische Staatssekretärin: Uschi Eid (Grüne)
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Verbraucher und Landwirtschaft
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Ministerin: Renate Künast (Grüne)
Parlamentarischer Staatssekretär: Gerald Thalheim (SPD)
Parlamentarischer Staatssekretär: Matthias Berninger (Grüne)
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Minister: Jürgen Trittin (Grüne)
Parlamentarische Staatssekretärin: Simone Probst (Grüne)
Parlamentarische Staatssekretärin: Margareta Wolf (Grüne)
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Ministerin: Brigitte Zypries (SPD)
Parlamentarischer Staatssekretär: Alfred Hartenbach (SPD)
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Familie, Frauen und Jugend
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Ministerin: Renate Schmidt (SPD)
Parlamentarische Staatssekretärin: Christel Riemann-Hanewinckel (SPD)
Parlamentarische Staatssekretärin: Marieluise Beck (Grüne)
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Verkehr, Bau und Aufbau Ost
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Minister: Manfred Stolpe (SPD)
Parlamentarische Staatssekretärin: Iris Gleicke (SPD)
Parlamentarische Staatssekretärin: Angelika Mertens (SPD)
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