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10.01.2003
 

Schäuble-Attentat

Täter packt aus

Vor fünf Monaten versuchte ein Mann, den CDU-Politiker Wolfgang Schäuble mit einer Geflügelschere anzugreifen. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht.

CDU-Politiker Schäuble: Querschnittsgelähmt seit dem ersten Attentat
DPA

CDU-Politiker Schäuble: Querschnittsgelähmt seit dem ersten Attentat

Stuttgart - Der 30-jährige Stukatteur sagte am Freitag vor dem Stuttgarter Landgericht: "Ich wollte Wolfgang Schäuble nicht töten." Die Staatsanwaltschaft legt dem Angeklagten versuchten Totschlag und fahrlässige Körperverletzung zur Last. Schäuble ist seit einem Mordanschlag im Jahr 1990 querschnittsgelähmt.

Laut Anklage versuchte der Mann am 21. August 2002 bei einer Wahlkampfveranstaltung im schwäbischen Kirchheim, mit einer Geflügelschere bewaffnet zu Schäuble auf die Rednertribüne zu gelangen. Staatsanwältin Barbara Bock sagte, er ging zielstrebig zu Schäuble, um diesen mit der neun Zentimeter langen Klinge zu töten. Polizeibeamte, die durch Zurufe der Zuschauer auf die Situation aufmerksam gemacht worden seien, konnten den Angeklagten wenige Meter vor dem Podium aufhalten und festnehmen.

Der CDU-Politiker und die Moderatoren der Fernsehsendung hatten von dem Vorfall nichts mitbekommen. Der 30-Jährige sei alkoholisiert gewesen. Zuvor hatte er auf dem Weg zum Podium eine Absperrung umgeworfen und dadurch eine Person an der Schulter verletzt.

Der Angeklagte sagte vor der Schwurgerichtskammer, er habe niemanden verletzen oder töten wollen: "Das ist nicht meine Art." Der 30-Jährige berichtete, dass er sich vor dem Vorfall immer bedroht gefühlt habe. Deshalb habe er eine Geflügelschere oder einen Knüppel dabei gehabt. Der Stukatteur erzählte vor Gericht zudem von psychischen Problemen; so habe er etwa Stimmen gehört. Ein psychiatrische Gutachten im Rahmen des Ermittlungsverfahren hatte keine direkten Hinweise für eine "aufgehobene Einsichts- und Steuerungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt" ergeben.

Der Mann war in der Vergangenheit mehrmals in psychiatrischer Behandlung. So hatte er sich nach eigenen Angaben auch einmal nackt in Stuttgart auf die Straßenbahnschienen gelegt. Vor dem vereitelten Angriff auf den CDU-Politiker war der Gipser arbeitslos. Im Prozess will das Gericht neben 24 Zeugen auch einen Gutachter hören. Das Urteil wird am 27. Januar erwartet.

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