Steuermodelle gibt offenbar ungefähr so viele wie Steuerzahler, vielleicht sogar mehr. Fangen wir mit einem exotischen Vorschlag zur Änderung des deutschen Steuersystems an. Daniel Florey aus Hamburg ist der Meinung: "Ein Teil der gezahlten Steuern sollte von den Steuerzahlern selbst verteilt werden. Auf den Internetseiten der Bundesregierung sollte genau einzusehen sein, wie viele Steuergelder in welche Projekte/Verwaltung fließen. Jeder Steuerzahler sollte die Möglichkeit haben, den "freien Teil" seiner Steuern, also alles was nicht zur Zahlung der Zinsen der Staatsverschuldung oder für die Grundversorgung (Anmerkung: Eine Art Bürgergeld für alle) verwendet wird, zum Zeitpunkt seiner Steuererklärung im Internet auf die verschiedenen Bereiche (Infrastruktur, Umwelt, innere/äußere Sicherheit, Kultur und so weiter) zu verteilen. Vorteile dieses Vorschlags: Es steigt die Lust am Steuern zahlen, denn je mehr an Steuern gezahlt wird, desto größer der Gestaltungsspielraum des Einzelnen. Keine Sorge - auch Arbeitslose zahlen ja verschiedene allgemeine Steuern (Mehrwertsteuer, Tabaksteuer, Benzinsteuer und so weiter) und können mitgestalten. Durch die Verteilung der Steuermittel über die gesamte Legislaturperiode wird der Stillstand des Landes vor Wahlen gemindert, denn die Interessenverbände müssen das ganze Jahr um Steuerzahlungen für ihren Bereich werben. Das Interesse an Politik im Allgemeinen nimmt zu, im Internet kann jederzeit die Verteilung der Mittel abgefragt werden."
Auch Jan Schneemann aus Tokyo hält Korrekturen am Steuerrecht für notwendig: (...) Nicht nur die Länder und der Bund, sondern vor allem die Kommunen müssen anfangen, mit ihrem Geld zu haushalten; dafür sollten die Kommunen das Recht erhalten, auf die Einkommenssteuer am Ende des Jahres einen lokalen Steuersatz von max. fünf Prozent zu erheben. So haben die Kommunen eigene Verantwortung und werden unabhängig von anderen Abgaben, die auch mitunter nicht viel mit ihren Aufgaben (zugunsten der Bürger) zu tun haben.
Ein kleines Grüppchen von Mail-Schreibern hält eine Freigabe weicher Drogen und eine Besteuerung dieser für das Gebot der Stunde. Zum Beispiel Gerd Krieger: "Da diese (weichen Drogen) ohnehin konsumiert werden, sollte der Staat daran mitverdienen. Ein Wirtschaftszweig ist diese Thema sowieso, also warum nicht kreativ daran mitverdienen und legale Arbeitsplätze schaffen so wie in der Schweiz und in den Niederlanden.
Ein anderer Leser fügt meint dazu: "Was verboten ist kann nicht besteuert werden. Alkohol und Tabak liefern jährliche Einnahmen in Milliardenhöhe, zum Ausgleich für Folgekosten die der Gesellschaft durch Missbrauch entstehen. Würde Cannabis legalisiert dann könnte es Einnahmen in vergleichbarer Höhe liefern. Cannabiskonsumenten zahlen beim Einkauf nicht einmal Mehrwertsteuer. Schwarzhändler zahlen keinen Pfennig Einkommenssteuer. Cannabis ist zurzeit völlig steuerfrei.
Cannabis ist als Pflanze so billig anzubauen wie Tee oder Küchenkräuter. Verkauft wird es aber für etwa 5.000 Euro pro kg. Die Differenz landet in den Taschen von Kriminellen. Wäre es legal dann könnte stattdessen der Finanzminister seine Hand aufhalten.
Schätzungen über die dabei in Deutschland möglichen Einnahmen reichen von 500 Millionen bis über 3,5 Milliarden Euro pro Jahr.
Eine Studie der "Commons Library" des britischen Unterhauses vom 3. August 2000 schätzt die durch das Verbot entgangenen Cannabissteuern auf etwa 790 Millionen Pfund (1,3 Milliarden Euro) pro Jahr. Zusammen mit den Kosten für die versuchte Durchsetzung des Verbotes verdoppelt sich der Betrag laut der Studie fast auf 2,3 Milliarden Euro pro Jahr. Deutschland hat ein Drittel mehr Einwohner als Großbritannien."
Und Flo findet: "Um die Situation der ständig defizitären öffentlichen Haushalte zu verbessern, sollten die Steuern auf Tabakwaren und hochprozentige alkoholische Getränke angehoben werden. Die Folgen wären entweder ein niedrigerer Konsum, was dem Gesundheitswesen langfristig hilft, oder bei gleich bleibendem Konsum eine Erhöhung der Steuereinnahmen. In den Niederlanden und in Österreich sind Tabakwaren teurer als bei uns, daher gibt es noch Erhöhungsspielraum ohne die Tabaktouristen zu vergraulen. Die Legalisierung von weichen Drogen könnte dem Staat weitere Milliardeneinnahmen bescheren."
Die Erbschaftsteuer hat eine ganze Reihe von Lesern im Blick. Frank Richter fordert eine "Anhebung der Erbschaftsteuer sowie Absenkung der Freibeträge. Verständlicherweise werden sich bei dem Gedanken an höhere Erbschaftsteuer bei den meisten Lesern die Nackenhaare sträuben, weil sie ihre mühsam erarbeiteten Besitzstände oder die ihrer Eltern bereits dem Staat zufallen sehen. Ist es gerecht einen Menschen, der ein Leben lang hart für sein Haus und seine Ersparnisse arbeitete und Steuern zahlte, überhaupt noch einmal zu belasten? Man darf nicht nur - unter Gerechtigkeitsaspekten muss man dies sogar.
Der Grund dafür liegt darin, dass das Vermögen nur in dem vorhandenen Umfang angehäuft werden konnte, weil die älteren Generationen Zeit ihres Lebens zu wenig Abgaben gezahlt haben. Mit Empörung werden jetzt viele entgegnen, dass sie immer pflichtgemäß ihre Steuern an das Finanzamt abführten haben - und über die Jahre war das keine geringe Summe. Dennoch haben sie nicht genügend an das Finanzamt abgeführt. Während ihres Lebens nahm die Staatsverschuldung kontinuierlich zu, das heißt die Menschen haben mehr staatliche Leistungen in Anspruch genommen, als sie dem Staat an Mitteln zugeführt haben.
Die Folge ist, dass die ältere Generation ihren Kindern und Kindeskindern einen Schuldenberg in der unvorstellbaren Größenordnung von über 1,2 Billionen Euro hinterlässt. Es verstößt jedoch vehement gegen den Grundsatz der Generationengerechtigkeit und wäre aus diesem Grund in hohem Maße unbillig die jüngere Generationen allein für die Schulden ihrer Eltern und Großeltern haften zu lassen. Um dieses Ergebnis zumindest teilweise abzumildern, sind die Erbschaftssteuern anzuheben und die Freibeträge abzusenken. Dies gilt umso mehr, als der Einfluss der Anhebung der Konjunktur auf die binnenwirtschaftliche Situation, anders als bei einer Anhebung der Einkommens- und Verbrauchsteuern, als gering einzustufen ist und die deutsche Erbschaftssteuer im internationalen Vergleich verhältnismäßig gering ist.
Andere Leser würden am liebsten gleich die Revolution ausrufen und eine Erbschaftsteuer von 100 Prozent einführen. Deutlich moderater ist da der Vorschlag von Markus Pape nach dessen Ansicht zumindest Vermögen im Ausland höher besteuert werden sollte: Die Zinsbesteuerung ist sicherlich nicht das angemessene Mittel, um ins Ausland abgeflossenes Kapital wieder zurückzuholen, denn wieso sollte jemand derzeit nicht benötigte Gelder, die er dort "geparkt" hat, wieder zurückholen, wenn er dafür auch noch Steuern zahlt? Die Betreffenden sind viel zu gut situiert, um das nötig zu haben.
Darum sollte vielmehr bei Vererbung von Besitz im Ausland, sei es nun die Villa am Genfer See oder das Guthaben auf dem Nummernkonto in der Schweiz, ein deutlich erhöhter Erbschaftssteuersatz angewandt werden und zudem pauschal eine Abgabe in die Sozialkassen von zehn bis 15 Prozent des Zeitwertes gezahlt werden. Denn im Ausland befindliches Vermögen kann sicherlich nicht der dauerhaften Nutzung unterliegen, so dass die ewigen Klagen der Erbengeneration, dass sie zum Beispiel für selbst bewohnte Immobilien hohe Erbschaftssteuerlasten tragen müssen, hier keineswegs greifen.
Es muss hier natürlich eine gute Überwachung stattfinden und eine gute Zusammenarbeit mit den ausländischen Behörden, damit solche Regelungen nicht unterlaufen werden (zum Beispiel durch Firmengründungen, die nur der Verwaltung ausländischen Besitzes gelten, wobei die Vererbung dieser (deutschen) Firma nicht unter entsprechende Regelungen fiele).
Meines Erachtens könnte durch solch eine Regelung ein erheblicher Zufluss in den Sozialkassen und im "Steuersäckel" verzeichnet werden. Was natürlich nichts daran ändert, dass vor allem auf der Ausgabenseite Erfordernisse bzgl. Einsparungen bestehen."
Eine grundlegende Reform des Steuersystems fordern die Befürworter eines gleichen Steuersatzes für alle Bürger, also die Einführung einer so genannten Flat Tax. Bernd Ehlert spricht sich für eine solche Reform aus: "Radikale Vereinfachung des Steuersystems (spart Arbeitskräfte beim Finanzamt). Einheitlicher Steuersatz von 20 Prozent, keine Abschreibungen. Einführung einer Mindeststeuer (pro Kopf Steuer). Abbau überflüssiger Subventionen (Steinkohle, Tabakanbau etc.) Steuern deren Verwaltungsaufwand höher ist als die Einnahmen streichen", lautet sein Vorschlag.
Auch Heiko Pohlmann fordert eine Einheitssteuer: " Ein integriertes Steuersystem - ohne Schlupflöcher, Befreiungen, Sonderregelungen und Fluchtmöglichkeiten - basierend auf einem Steuersatz von etwa 25 Prozent würde nicht nur für mehr Steuerehrlichkeit sorgen, sondern dem Bürger auch endlich wieder mit einem Steuersatz konfrontieren, den er bereit ist zu zahlen. (...) Kann der Steuerbürger erst wieder über die Früchte seiner Arbeit (75 Prozent seines Einkommens) verfügen, wird mit dem rasch ansteigenden Konsum ein Wirtschaftswunder zu erwarten sein. (...)"
Auch Dirk Rutz rät: "Einheitlicher Steuersatz für alle, reich und arm (zum Beispiel 35 Prozent). Wegfall der Einkommenssteuererklärung."
Marcel Gomringer sieht indes einen lohnenden Ansatz in der Förderung des Niedriglohnsektors und fordert eine: "Negative Einkommensteuer für Niedriglohnjobs. Dadurch werden Niedriglohnjobs gegenüber der Sozialhilfe lukrativer und der Anreiz zur Arbeitssuche wird gesteigert. Der dadurch höhere Nettolohn von Arbeitnehmern in diesem Bereich wirkt konsum- und wirtschaftsfördernd. Bei verheirateten Niedriglohnarbeitnehmern wird die negative Einkommensteuer über das Ehegattensplitting ausgeglichen. Finanziert wird die negative Einkommensteuer v. a. durch den Abbau von Steuersubventionen, aber auch durch eine niedrige Steuer für Währungstransaktionen ("Tobin-Tax")."
Keine Totalreform des Steuersystems, sondern neue Steuertarife fordern eine Vielzahl von Lesern. Einige plädieren für eine Vereinfachung auf Grundlage von drei bis vier Tarifen. Zum Beispiel, Christopher Rauen: "Es werden drei Steuersätze (15 Prozent, 25 Prozent, 35 Prozent) eingeführt und die Ausnahmeregelungen dafür abgeschafft. Insgesamt nimmt der Staat dann etwa gleich viel ein, aber es herrscht mehr Transparenz. Außerdem würde dies die Kapitalflucht begrenzen beziehungsweise sogar wieder dafür sorgen, dass das bereits ins Ausland transferierte Geld nach Deutschland zurückfließt. Weiterhin könnte so der Verwaltungs- und Kontrollaufwand in den Finanzämtern reduziert und somit Kosten gespart werden."
Auch Christian Geis fordert ein mehrstufiges Modell mit fixen Steuersätzen: "Mehrwertsteuer Lebensmittel 8 Prozent, Mehrwertsteuer sonstiges 19 Prozent. Pauschale Fixsteuer auf Einkommen 20 Prozent, 30 Prozent, 40 Prozent - je nach Verdienst. Fixsteuern für Firmen (...) 15% auf in Deutschland erwirtschafteten Gewinn (ohne Möglichkeit von Abschreibungen)."
Ähnlich argumentiert Mathias Buchholz: "Steuerrechtliche Ausnahmen sollten auf ein Minimum reduziert, das Steuerrecht sollte vereinfacht werden. Bis zu einem Einkommen von 10.000 Euro muss alles steuerfrei sein, für Einkommen von 10.001 bis 20.000 Euro sollte der Steuersatz 20 Prozent betragen, von 20.001 bis 40.000 Euro 30 Prozent. Für alle höheren Einkommen sollte der Steuersatz 40 Prozent betragen.
Die Geldbeträge und Prozente sollen nur Vorschläge sein. Mit dieser Art der Besteuerung ist gewährleistet, dass jemand mit einem Einkommen knapp über einer Schwelle nicht weniger Geld einbehält als jemand mit einem Einkommen knapp unterhalb dieser Schwelle. (...) Auch wenn die Steuern höher sein sollten, man spart schon mal das Geld für den Steuerberater (...) Jemand ohne Kinder sollten deutlich höhere Steuern zahlen als Leute mit Kindern. Der Aspekt Ehe sollte darin kaum erwähnt werden. Kinder kosten eben viel mehr als derzeit von der Politik registriert. Fast alle Freibeträge müssen wegfallen, ihre Ausnutzung und Überprüfung ist sehr teuer und aufwendig."
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