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20.01.2003
 

Bischofskonferenz

Oberhirten geißeln Präventiv-Krieg

Ungewöhnlich deutlich haben die deutschen katholischen Bischöfe den drohenden Krieg gegen den Irak verurteilt. Er sei sittlich unerlaubt und stehe im Widerspruch zum Völkerrecht, mahnte die Deutsche Bischofskonferenz.

Kardinal Karl Lehmann ist der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz
AP

Kardinal Karl Lehmann ist der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz

Würzburg - Krieg, so die katholischen Bischöfe am Montag, dürfe nur im Falle eines Angriffs oder zur Abwehr schlimmster Menschheitsverbrechen in Erwägung gezogen werden. "Eine Sicherheitsstrategie, die sich zum vorbeugenden Krieg bekennt, steht im Widerspruch zur katholischen Lehre und zum Völkerrecht", hieß es in der ungewöhnlich deutlichen Erklärung.

Ein präventiver Krieg sei eine Aggression. Er könne nicht als gerechter Krieg zur Selbstverteidigung definiert werden. Denn das Recht auf Selbstverteidigung setze einen tatsächlichen oder unmittelbar bevorstehenden Angriff voraus, jedoch nicht nur die Möglichkeit eines Angriffs. "Der Krieg zur Gefahrenvorbeugung würde das völkerrechtliche Gewaltverbot aushöhlen, politische Instabilität fördern und letztlich das ganze internationale System der Staatengemeinschaft in seinen Grundfesten erschüttern", erklärten die Bischöfe.

Die Oberhirten räumten ein, dass der Irak ein Risiko für die internationale Ordnung darstelle, das die Weltgemeinschaft nicht ignorieren dürfe. "Das gilt zumal, wenn das Regime erkennbar danach strebt, in den Besitz von Massenvernichtungswaffen zu gelangen." Die Bischöfe bejahten deshalb das Bemühen der Vereinten Nationen, Druck auf den Irak auszuüben, um eine Produktion atomarer, biologischer und chemischer Waffen zu verhindern.

Die Politik dürfe jedoch keinesfalls in eine Eskalationslogik geraten, die einen Krieg am Ende unvermeidlich mache. "Daher erfüllt es uns mit größter Sorge, dass das völkerrechtlich verankerte Verbot des Präventivkrieges in den letzten Monaten zunehmend in Frage gestellt wird."

Bei der Entscheidung über einen Einsatz militärischer Mittel müssten die absehbaren Folgen in Betracht gezogen werden, mahnten die katholischen Oberhirten. Ein Krieg gegen den Irak werde aller Wahrscheinlichkeit nach eine Unzahl von Toten und Verwundeten mit sich bringen. Auch drohten schwerste politische Verwerfungen im Nahen und Mittleren Osten, die die Erfolge der internationalen Allianz gegen den Terror gefährdeten. "Fanatische islamische Fundamentalisten würden bei einem Krieg gegen den Irak möglicherweise überall in der Region an Einfluss gewinnen", warnten die Bischöfe. Sie forderten die politisch Verantwortlichen auf, das in ihrer Macht Stehende zu tun, einen Krieg im Irak zu verhindern.

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