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08.02.2003
 

Protestbewegung

Zehntausende demonstrierten gegen den Krieg

Zehntausende Menschen haben am Samstag in mehreren deutschen Städten friedlich gegen einen Krieg im Irak demonstriert. Schwerpunkt der Proteste war München: Am Ort der internationalen Sicherheitskonferenz gingen rund 20.000 Kriegsgegner auf die Straße.

Sicherheitskonferenz in München: Polizisten schützen Politiker
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DPA

Sicherheitskonferenz in München: Polizisten schützen Politiker

München - Neben München waren auch Bremen und Frankfurt am Main Schauplätze von Demonstrationen mit mehreren tausend Menschen, die den Aufrufen von Kirchen und Gewerkschaften gefolgt waren. Allein in München waren rund 3.500 Polizisten im Einsatz.

Polizeisprecher Peter Reichl sprach angesichts der großen Teilnehmerzahl von einem ausgesprochen friedlichen Verlauf. Lediglich acht Personen seien wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz festgenommen worden. Sachschäden oder Verletzte habe es nicht gegeben.

Am Vormittag hatten sich nach Schätzung der Polizei zunächst 10.000 Menschen zur zentralen Kundgebung auf dem Odeonsplatz versammelt. Aufgerufen dazu hatten unter anderem der DGB, die beiden großen Kirchen und der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD).

"München sagt heute: Ja zum Frieden - nein zum Krieg", sagte der katholische Weihbischof Engelbert Siebler. Er forderte an Stelle eines Krieges mehr Entwicklungshilfe, um den Terror effektiv zu bekämpfen. Die evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler betonte, ein Krieg sei kein Medienereignis, sondern bedeute den Tod unzähliger Menschen. Ude sagte: "Die Bevölkerung weiß am besten, was ein Krieg bedeutet."

Auf Transparenten kritisierten die Demonstranten insbesondere die jüngsten Äußerungen von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. "Rummy go home" und "Willkommen in Cuba", war zu lesen. Rumsfeld, der Deutschland in einem Atemzug mit Libyen und Kuba genannt hatte, war der herausragende Teilnehmer auf der Münchner Konferenz. Das Tagungshotel hatte die Polizei weitgehend abgesperrt und dort Wasserwerfer in Stellung gebracht.

Parallel zu der Kundgebung am Odeonsplatz hatten mehrere vorwiegend linke Gruppierungen um das Münchner Friedensbündnis und das Anti-Globalisierungsnetzwerk Attac zu einer eigenen Kundgebung auf dem Münchner Marienplatz aufgerufen. Dort versammelten sich zunächst nach Polizeiangaben 4.500 Menschen, dem anschließenden Demonstrationszug schlossen sich am Nachmittag dann weitaus mehr Teilnehmer an als erwartet: Die Polizei sprach von 15.000 Demonstranten, die Veranstalter nannten eine Zahl von über 20.000.

Ein schwarzer Block aus mehreren hundert Autonomen an der Spitze des Zuges sorgte für einzelne Rangeleien mit der Polizei. Zeitweise wurden die Beamten mit Schneebällen beworfen, ohne dass sie jedoch einschritten.

Als Hauptredner rief der Liedermacher Konstantin Wecker "die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die demnächst in den Awacs-Flugzeugen Dienst tun sollen", dazu auf, "den Kriegsdienst zu verweigern oder zu desertieren", wie er unter großem Beifall sagte.

In Frankfurt am Main versammelten sich 2.500 Menschen am Samstag zu einem ökumenischen Friedensgebet auf dem Römerberg. Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Peter Steinacker, appellierte an das amerikanische Volk, die Zustimmung "einem ethisch nicht zu rechtfertigenden Präventivkrieg" zu verweigern. Auch in Bremen protestierten rund 7.000 Menschen gegen einen Krieg am Golf.

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