Berlin - Die USA sind bei ihrem Vorgehen gegen Irak nach Einschätzung von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) vor allem von Rohöl-Interessen und von geostrategischen Überlegungen geleitet. Zudem wies Trittin die Hauptverantwortung für die Spannungen im Verhältnis zwischen Deutschland und den USA den Amerikanern zu.
Die Debatte um die Gefährdung durch Massenvernichtungswaffen lenke von den eigentlichen Interessen der USA ab, sagte Trittin der Zeitung "Die Welt". Auf die Frage, was die Interessen seien, sagte Trittin: "Das sind geostrategische und Rohstoff-Interessen. Da liegen die Kritiker schon ganz richtig mit der Losung: Kein Krieg für Öl." Dabei sei der irakische Präsident Saddam Hussein ein Verbrecher, der schon Giftgas gegen sein eigenes Volk eingesetzt habe, "als er noch von manchen im Westen unterstützt wurde gegen den Iran". Die Inspekteure der Uno hätten aber bisher keine Erkenntnisse, dass Irak über Massenvernichtungswaffen verfüge. "Es gibt keine akute Bedrohung", sagte Trittin.
Zum Streit mit den USA sei es nicht durch einseitige Erklärungen der Bundesregierung gekommen. "Der außenpolitische Strategiewechsel der Bush-Administration, die Aufkündigung des Primats des Rechts und der Multilateralität, hat den Konflikt ausgelöst. Die US-Regierung hat den vorbeugenden Krieg zum legitimen Mittel erklärt. Das ist ein grundsätzlicher Strategiewechsel", sagte Trittin. Denn es gebe seit August 2002 eine eindeutige Aussage des US-Vizepräsidenten, dass die USA die Uno im Notfall übergehen werde, wenn sich diese nicht konform zu den Interessen der USA verhalte. "Dieser eindeutig unilaterale Anspruch ist der Kern des Problems", sagte Trittin.
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