Bonn - Schröder habe den deutsch-amerikanischen Beziehungen geschadet, sagte Lantos am Freitag in Bonn. Erklärungen wie auch Handlungen der Bundesregierung hätten die US-Seite "tief verstört". Auch Deutschland habe "Verantwortung", sich an einem Krieg gegen Saddam Hussein zu beteiligen.
Deutschland wie auch Frankreich sollten sich an den Beistand der USA in der Vergangenheit erinnern, und sie sollten sehen, dass die Nato "keine Einbahnstraße" sei, warnte Lantos, der ein einflussreicher Demokrat im Repräsentantenhaus ist. "Wir haben mehr für Europa getan als Hussein."
Schröder wie auch Außenminister Joschka Fischer (Grüne) seien "im Moment fehlgeleitet", fügte Lantos hinzu. Deshalb sei die US-Seite auch "erfreut" über den Beitrag der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel in der US-Zeitung "Washington Post". Merkel hatte geschrieben, dass Schröder "nicht für alle Deutschen spricht" und die Irak-Politik der Bundesregierung scharf kritisiert.
Noch härter ging Lantos mit Jacques Chirac ins Gericht: Frankreichs Staatspräsident habe "kranke anti-amerikanische Tiraden" geäußert. Die Lehre des 20. Jahrhunderts im Kampf gegen Diktatoren sei, dass mit einer Politik der Beschwichtigung und Annäherung nichts zu erreichen ist, so Lantos. "Einige europäische Führer müssen diese Lektion wohl wieder neu lernen."
"Zur Zeit sind wir eine nicht funktionierende Familie", sagte der US-Politiker auf dem deutsch-amerikanischen Wirtschaftstreffen. Dies müsse wieder geändert werden. Er sei aber auf Grund der "gemeinsamen Werte" optimistisch, dass die bilateralen Beziehungen wieder bereinigt werden könnten. "Es ist sehr wichtig, für die zivilisierte Welt, dass die deutsch-amerikanischen Beziehungen wieder zurück auf die richtige Spur kommen."
Er stimmte mit dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, und anderen deutschen Top-Managern überein, dass die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen unter dem Zwist nicht litten. "Wir machen die deutschen Wirtschaftsführer und die hunderttausende Arbeiter nicht verantwortlich für Äußerungen oder Politik der Regierung", sagte Lantos. Boykottaufrufe gegen Deutschland oder Frankreich wären kontraproduktiv, und er stünde an der Spitze derer, die gegen solche Gesetzesvorstöße im US-Parlament kämpfen würden.
Chirac bekräftigte unterdessen, dass ein Krieg gegen den Irak verfrüht wäre und noch nicht alle friedlichen Mittel zur Beilegung der Irak-Krise ausgeschöpft seien. Auch ein deutscher Regierungssprecher sagte, die Bundesregierung setze sich weiter dafür ein, einen Irak-Krieg zu verhindern. Sie dringe auf die Verlängerung des Inspektoren-Einsatzes. Am Montag sollen Chirac und Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin über ihre weiteres Vorgehen beraten.
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