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09.07.2003
 

Italien-Streit

Schily und Schulz fordern Rausschmiss von "Tölpel" Stefani

Die deutsch-italienische Schlammschlacht geht in eine neue Runde. Nun haben Otto Schily und Europapolitiker Martin Schulz nachgelegt: Die SPD-Politiker fordern die Entlassung des italienischen Tourismus-Staatsekretärs Stefano Stefani, der kürzlich durch antideutsche Ausfälle Aufmerksamkeit erregte.

Bleibt in der Toskana-Fraktion: Otto Schily
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DPA

Bleibt in der Toskana-Fraktion: Otto Schily

Berlin - Die italienische Regierung wäre gut beraten, diese Sache in Ordnung zu bringen und diesen Staatssekretär nicht im Amt zu belassen, sagte der Innenminister. Der SPD-Politiker sprach von einem "tölpelhaften Staatssekretär", der für sein Amt "in jeder Weise ungeeignet" sei.

"Wenn ich Regierungschef in Italien wäre, wäre dieser Mann nicht im Amt", sagte Schily ZDF-Morgenmagazin. Was Stefani gemacht habe, sei "blamabel für Italien". Schily: "Dieser Herr sollte am besten sein Amt aufgeben, denn er schadet seinem Land."

Deutsche Urlauber seien im Übrigen in Italien ein starker Wirtschaftsfaktor, sagte Schily. Wer sich derart abfällig über Touristen äußere, verhalte sich also geschäftsschädigend. Es gebe auch andere interessante Tourismusorte in Europa. Hier stünden die Länder in einem Wettbewerb, da müsse man "auf der Hut sein".

Lega-Nord-Politiker Stefani hatte in einem Zeitungsbeitrag die Deutschen als "einförmige, supernationalistische Blonde" bezeichnet, die die keine Gelegenheit ausließen, unverschämt zu werden und lärmend über italienische Strände herzufallen. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte daraufhin angedroht, seinen dieses Jahr geplanten Urlaub in Italien abzusagen.

Nach Ansicht von Schily hat Schröder keinesfalls überreagiert. Er könne es nachvollziehen, wenn er seinen Italien-Urlaub in Frage stellt. Immerhin werde ja mit dem Besuch des Kanzlers in Italien geworben.

Schily, der seit Jahren regelmäßig in Italien Urlaub macht und in der Toskana ein Anwesen besitzt, will hingegen dem Land auf jeden Fall die Treue halten. Gerade die Toskana stehe für eine italienische Region, die wirtschaftlich erfolgreich sei und wo fleißige und deutschfreundliche Menschen lebten. Er habe dort "gute Freunde" und werde sein Haus nicht aufgeben. Er wies darauf hin, dass es über Jahrhunderte tiefe und vertrauensvolle Beziehungen zwischen Italien und Deutschland gegeben habe.

Schulz: Überall wäre Stefani binnen fünf Minuten geflogen

Auch der deutsche SPD-Europa-Abgeordnete Martin Schulz fordert den Rücktritt von Stefani. "In jedem anderen Land Europas wäre ein solcher Mann binnen fünf Minuten aus der Regierung geflogen. Dass dies in Rom nicht geschieht, gibt mir sehr zu denken", sagte Schulz der "Süddeutschen Zeitung".

Opfer von Berlusconis Ausfällen: SPD-Europapolitiker Martin Schulz
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Opfer von Berlusconis Ausfällen: SPD-Europapolitiker Martin Schulz

"Zugleich mahnte der Parlamentarier aber, im jüngsten Eklat in den deutsch-italienischen Beziehungen einen kühlen Kopf zu bewahren. "Wir können doch nicht ein ganzes Volk bestrafen, nur weil einige Politiker ausflippen", sagte Schulz, der in der vergangenen Woche vom italienischen Ministerpräsidenten und amtierenden EU-Ratsvorsitzenden Silvio Berlusconi mit einem KZ-Aufseher verglichen wurde.

"Millionen Deutsche fahren zu Recht gern nach Italien, Millionen Italiener heißen sie willkommen, und die sind selbst angewidert von Leuten wie Stefani." Er persönlich könne Italien genießen, "obwohl ich weiß, dass die Regierung einen solchen Staatssekretär hat".

"Schröders sollen Urlaub in der Sächsischen Schweiz machen"

Inzwischen wird Schröder von anderen deutschen Politikern zu Änderung seiner Urlaubspläne gedrängt. Der baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) sagte der "Bild"-Zeitung, Familie Schröder solle nach Baden-Württemberg kommen, statt an die Adria zu fahren. Im "Ländle" gebe es "viele wunderschöne Urlaubsziele".

Der saarländische SPD-Chef Heiko Maas legte dem Kanzler die Heimat von Oskar Lafontaine ans Herz. "Wir könnten zum Beispiel gemeinsame Ausflüge nach Frankreich organisieren", schlug er vor. Auch der schleswig-holsteinische FDP-Chef Jürgen Koppelin riet dem Kanzler zur Absage: "Ich würde zum jetzigen Zeitpunkt nicht hinfahren."

Alternativer Urlaubsort Sächsische Schweiz
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DDP

Alternativer Urlaubsort Sächsische Schweiz

Der CSU-Politiker Peter Ramsauer lud die Schröders in seinen bayerischen Wahlkreis ein. "Zwischen Chiemsee und Königssee ist das gelobte Land", sagte er.

Auch die ostdeutschen Bundestagsabgeordneten würden sich der Zeitung zufolge über Familie Schröder als Urlaubsgäste freuen. Der CDU-Abgeordnete Klaus Brähmig, der seinen Wahlkreis in der Sächsischen Schweiz hat, rief dem Kanzler in Erinnerung: "Nach dem Hochwasser vom letzten Jahr haben wir die Region mit viel Fleiß wieder aufgebaut."

Ob Schröder seinen Italien-Urlaub nun antreten wird, liegt noch immer in der Schwebe. Darüber soll nach Angaben von Regierungssprecher Bela Anda zu gegebener Zeit entschieden werden. Eigentlich wolle der Kanzler Ende des Monats mit seiner Familie für zwei Wochen an die Adria fahren.

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