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20.08.2003
 

Presseschau

"Der sauberste Weg wären Neuwahlen"

Der Rauswurf des Hamburger Innensenators Ronald Schill hat bei etlichen Kommentatoren bundesweit Genugtuung ausgelöst.

"Süddeutsche Zeitung", München

:

"Problematisch wird es dann, wenn Bürgermeister von Beust einen Lebensgefährten hat, der zugleich Senator ist. Dann muss er prüfen, ob er sein Amt noch unabhängig führen kann oder ob er sich leichtfertig dem Verdacht aussetzt, erpressbar zu sein. Davon wird nun Ole von Beusts politisches Überleben abhängen."

"Stuttgarter Zeitung":

"Am Ende seiner kurzen Karriere hat der schillernde Populist Ronald Schill denn doch sein wahres Gesicht gezeigt: Hinter der Larve des ehrbaren Bürgers verbirgt sich ein von blindem Ehrgeiz zerfressener Volkstribun, der sich notfalls nicht scheut, zum Mittel einer miesen politischen Erpressung zu greifen. Hoch war der Richter Gnadenlos rasch gestiegen, ebenso jäh vollzog sich sein Fall."

"Kieler Nachrichten":

"Niemanden interessiert, ob Ole von Beust homosexuell ist. Es hat auch niemanden zu interessieren. Selbst bei einem Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg ist das Privatsache. Sie bedarf keines weiteren Kommentars. Des Nachdenkens wert ist jedoch die aktuelle Erkenntnis des Regierungschefs, dass Ronald Schill charakterlich nicht geeignet ist, das Amt eines Senators weiterzuführen. Bei allem Respekt: Diese Erkenntnis kommt reichlich spät."

"Nürnberger Nachrichten":

"Der Eklat, mit dem sich Schill selbst aus dem Amt katapultiert hat, belegt einmal mehr: Es war von Anfang an ein Risiko für CDU und FDP, sich in der Hansestadt auf ein Bündnis mit einer klassischen Protestpartei einzulassen. Dass Schill ein wichtiges, zentrales Thema (und nur dieses eine Thema) in den Blickpunkt rückte, nämlich die gefährdete innere Sicherheit in Hamburg - das wäre dann ein Verdienst, wenn er es stets auf seriöse Art getan hätte. Stattdessen nutzte und schürte (so bei seinem unsäglichen Ausflug in den Bundestag vor einem Jahr) er Ängste der Bürger."

"Der Tagesspiegel", Berlin:

"Der sauberste Weg wären jetzt Neuwahlen. Die Hamburger Koalition ist nicht stabil und kann es auch nicht mehr werden. Schill war seine eigene Partei, sonst gibt es da nicht viel. Es ist zudem, einmal mehr, der Beweis erbracht worden, dass Ressentimentisten wie Schill längstens eine Saison lang zu glänzen vermögen. Denn politisch verantwortlich arbeiten können oder wollen sie nicht."

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