Mannheim - Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Körperverletzung und Beleidigung eingeleitet. Der mutmaßliche Täter wurde nach seiner Vernehmung nur wenige Stunden nach der Tat wieder auf freien Fuß gesetzt. Er habe die Aussage verweigert und keine Angaben zu seinen Beweggründen gemacht, erklärte heute früh ein Polizeisprecher in Mannheim. Nach Feststellung von Identität und Wohnort hätten keine Haftgründe vorgelegen.
Das Bundeskanzleramt hat unterdessen Strafantrag gegen den arbeitslosen Lehrer gestellt. Auch die Landes-SPD Baden-Württembergs sowie der Mannheimer Oberbürgermeister wollen rechtliche Schritte einleiten. Die Vorsitzende des SPD-Landesverbandes Baden-Württemberg, Ute Vogt, verurteilte die Attacke: "In einer Demokratie muss man sich mit Worten und nicht mit Handgreiflichkeiten auseinandersetzen."
Auch der Mannheimer Bundestagsabgeordnete Lothar Mark äußerte sich zu dem Zwischenfall: "Diese Tat ist ein aggressiver Akt gegen die Politik der Bundesregierung. Ich bin äußerst bestürzt darüber und hoffe, dass der Täter bestraft wird." Mark machte in einer Presseerklärung zudem "die andauernde Verunsicherungs- und Hetzkampagne einiger Oppositionsvertreter gegen die Reformpolitik" sowie "das Verhalten bestimmter Medien, die das politische Handeln der Bundesregierung wissentlich verdrehen und falsch darstellen", für die Tat verantwortlich. Der Angriff sei Folge einer Verrohung der Politiksitten.
Der 52-jährige, aus Bad Krozingen stammende Mann war am Dienstagabend auf einer Europawahlveranstaltung der SPD auf den Kanzler zugegangen und handgreiflich geworden. Er schlug den Kanzler mit der flachen Hand ins Gesicht. Laut Regierungssprecher Thomas Steg gab Schröder zu diesem Zeitpunkt Autogramme in einem Konferenzraum des Kongresszentrums Rosengarten. Der Angreifer wurde von Personenschützern überwältigt und festgenommen. Schröder habe keine sichtbaren Verletzungen erlitten, hieß es lediglich.
Ein 21-jähriger Augenzeuge berichtete, der Mann habe Schröder "volle Kanne eine gescheuert". Eine 25-jährige Veranstaltungsteilnehmerin sagte, der Täter sei mit Sicherheit kein SPD-Mitglied gewesen: "So etwas tun Sozialdemokraten nicht."
Laut Steg reagierte der Kanzler gelassen auf den Schlag, zumal die Sache schnell bereinigt gewesen sei. Anschließend hielt der Kanzler eine Rede, ohne sich den Vorfall anmerken zu lassen oder auf ihn einzugehen.
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