Berlin/Hamburg - Diese Kritik entbehre jeder Grundlage, sagte Regierungssprecher Bela Anda. Schröder besuche am Sonntag den Soldatenfriedhof in Ranville, auf dem neben 2200 Gefallenen der Commonwealth-Staaten 322 deutsche Soldaten begraben seien. Die von Wenigen in Deutschland angezettelte Debatte sei "nicht nur sachlich falsch, sondern auch rückwärtsgewandt".
Anda erklärte weiter, Schröder werde für alle dort begrabenen Soldaten am Ehrenkreuz des Friedhofes einen Kranz niederlegen. Einen weiteren Kranz lege er am Grab eines unbekannten deutschen Soldaten nieder. Schröder empfinde die Einladung zu den Feierlichkeiten des 60. Jahrestages der Landung der alliierten Truppen in der Normandie "als eine große Geste der Versöhnung der damaligen Kriegsgegner, die nun gemeinsam mit Deutschland Partner für Frieden und Freiheit in der Welt sind".
Schröder selbst sagte der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin": "Ich finde es ein bisschen schade, dass selbst diese Geste benutzt wird zu kleinlichen Streitereien."
Auch der Kanzler betonte, er werde sehr wohl einen Soldatenfriedhof besuchen, "und zwar einen, auf dem Tote aus acht Nationen, darunter mehr als 300 deutsche Soldaten, liegen. Aber eben auch Alliierte", fügte er hinzu. Schröder forderte, "das gemeinsame Gedenken" müsse jetzt im Vordergrund stehen. "Ich verstehe die Menschen auch in großen Zeitungen nicht, die meinen, dass man daraus jetzt noch eine, wie ich doch finde, reichlich unhistorische und wenig sensible Auseinandersetzung machen darf."
Der "Bild"-Zeitung sagte der Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer: "Herr Schröder predigt dauernd Patriotismus. Wenn er an einem deutschen Soldatenfriedhof vorbei geht, ohne einen Kranz niederzulegen, ist er für mich ein Anti-Patriot." Ramsauer sprach in diesem Zusammenhang von einer "Beleidigung für die vielen Bundeswehrsoldaten, die diese Gräber pflegen, und für alle deutschen Kriegerwitwen".
Auch der FDP-Verteidigungsexperte Günter Nölting forderte in "Bild", der Kanzler solle seine Pläne überdenken. Der CSU-Abgeordnete Norbert Geis sagte, Schröder solle sich ein Beispiel an Helmut Kohl nehmen, der 1984 gegen starken Widerstand mit US-Präsident Ronald Reagan den Soldatenfriedhof in Bitburg besucht hatte, obwohl dort auch Soldaten der Waffen-SS lagen.
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Schäuble hingegen begrüßte Schröders Teilnahme an den Feiern. Wenn es dem Kanzler gelinge, die Ambivalenz deutlich zu machen, die das Datum für die Deutschen habe, könne seine Teilnahme ein richtiges Zeichen sein, sagte der CDU-Politiker dem "Handelsblatt".
Tschechien begrüßt Schröders Teilnahme
Der tschechische Ministerpräsident Vladimir Spidla wertet sSchröders Teilnahme Gedenkfeiern als "Beweis, dass das heutige Europa wirklich anders und besser ist". Er begrüße die Anwesenheit des deutschen Regierungschefs sehr, sagte der Vorsitzende der tschechischen Sozialdemokraten. "Sie ist ebenfalls ein Beweis, dass wir uns auch gefühlsmäßig von den Folgen des Zweiten Weltkriegs befreit haben."
An dem Gedenkakt wird am Sonntag auch der tschechische Präsident Vaclav Klaus teilnehmen. Zahlreiche tschechische Soldaten waren nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei durch Nazi-Deutschland 1939 nach Großbritannien geflohen. Von ihnen hatten sich viele am 6. Juni 1944 an der Seite der Alliierten an der Invasion beteiligt.
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