Von Anna Reimann
Berlin- Die Logos von Attac und der NPD prangen auf der von Unbekannten erstellten Internetseite direkt nebeneinander. Dort heißt es: "Unser Ziel ist es, die Leute in der Attac in die richtige Richtung zu stoßen. Mit dieser Seite wollen wir deshalb erst einmal aufklären darüber, dass NPD und Attac bestens zusammenpassen, bevor wir unsere Identität innerhalb der Attac-Ortsgruppen preisgeben können." Auf der morgen stattfindenden Attac-Versammlung in Dresden "planen Nationaldemokraten öffentlichkeitswirksame Aktionen". So steht es in einer am Morgen bei SPIEGEL ONLINE eingegangenen Pressemitteilung, in der ein angebliches NPD-Mitglied unter dem Namen Horst Fischer von der Formierung von NPD-Mitgliedern in Attac berichtet.
Attac-Pressesprecher Malte Kreuzfeldt reagierte bestürzt: "Wir sind schockiert", sagte er zu SPIEGEL ONLINE. Die NPD-Zentrale in Berlin allerdings ist sicher, dass ein Horst Fischer aus Sebnitz kein Parteimitglied ist.
Die Unbekannten haben den Namen anscheinend aus einem anderen Kontext entliehen: "Horst Fischer war KZ-Arzt", so Attac-Pressesprecher Malte Kreuzfeldt. Als SS-Mediziner hatte Fischer in Auschwitz Tausende Menschen in den Tod geschickt.
Es ist nicht das erste Mal, dass Attac ein antisemitischer Hintergrund unterstellt wird. Die Verleumdungskampagnen gegen Attac hätten mittlerweile ein Ausmaß erreicht, das massive rechtliche Schritte notwendig mache, sagte Attac-Gründungsmitglied Peter Wahl, der auch Mitglied des Attac-Koordinierungskreises ist, zu SPIEGEL-ONLINE. "Wir sind uns zu 90 Prozent sicher, dass linksradikale antideutsche-sektiererische Gruppen hinter der Aktion stecken. Sobald wir wissen, wer genau dahintersteckt, werden wir Anzeige erstatten." Andere Attac-Mitglieder vermuten unterdessen, dass der Angriff aus dem rechten Lager kommt.
Gefälschte Pressemitteilungen
Auf einer Internetseite des linksradikalen Forums "Schwarze Katze" ist eine gefälschte Pressemitteilung des NPD Landesverbands Hessen aus dem Jahr 2002 zu finden. Hierin haben die vermeintlichen Nationaldemokraten ihre Mitglieder zu einer Teilnahme an einem Attac Aktionstag am 14. September 2002 aufgefordert. Hessens NPD-Landesvorsitzender Hans Schmidt bestreitet, dass es so einen Aufruf gegeben hat. "Ich kenne Attac gar nicht", so Schmidt zu SPIEGEL ONLINE.
Ein Vorwurf der radikalen Linken an Attac lautet, sich nicht ausreichend von rechter Globalisierungskritik abzugrenzen. "Dass Attac unterstellt wird, mit rechten Organisationen zusammenzuarbeiten, ist infam", so Malte Kreuzfeldt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Jeder, der sich im rechten Spektrum bewegt, fliegt bei Attac sofort raus." Attac distanziere sich unmissverständlich von der Kritik am Neoliberalismus aus nationalistischer Perspektive.
Die betreffende Internetseite wurde nach Beschwerde des Attac-Vorstands mittlerweile gesperrt: "Wir wollen unser Logo nicht neben dem der NPD sehen", so Kreuzfeldt.
© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH