Berlin - In einer gemeinsamen Erklärung verurteilten die Parlamentarische Linke der SPD-Fraktion, die Jusos und das Forum Demokratische Linke 21 heute die Drohungen des früheren SPD-Chef sich einer Wahlalternative anzuschließen. Lafontaine nehme eine "verhängnisvolle Zersplitterung der politischen Linken in Kauf", kritisierten die Organisationen. Als Parteivorsitzender habe Lafontaine immer auf die Einhaltung der Beschlüsse der SPD gedrungen und die Geschlossenheit der Partei gefordert.
Es sei zudem nicht mit einem solidarischen Stil vereinbar, die Debatte um eine sozialdemokratische Reformpolitik "mit Ultimaten statt mit Argumenten" zu führen, hieß es in der Erklärung weiter. Lafontaine hatte im SPIEGEL-Interview wörtlich gesagt: "Wenn Schröder seine gescheiterte Politik bis zur nächsten Bundestagswahl fortsetzt, wird es eine neue linke Gruppierung geben mit dem Ziel, den Sozialabbau rückgängig zu machen. Diese Gruppierung wird dann von mir unterstützt werden."
Den amtierenden Bundeskanzler fordert der ehemalige SPD-Parteivorsitzende zum Rücktritt auf: "Schröder hat sich durch die Ergebnisse seiner Politik diskreditiert. Wenn er Anstand im Leibe hätte, würde er angesichts seiner Zahlen zurücktreten. Viele tausend sozialdemokratische Kommunal- und Landespolitiker haben deswegen ihre Mandate verloren."
Die Fähigkeit, die "Galionsfigur" einer neuen Linkspartei werden zu können, sprachen die linken Sozialdemokraten ihrem ehemaligen Parteichef ab. Jörg Tauss, Bundestagsmitglied der SPD, erklärte, Lafontaine würde der Partei einen "großen Dienst" erweisen, wenn er wirklich ginge: "Reisende soll man nicht aufhalten", sagte Tauss..
Bereits am Samstag hatte SPD-Chef Müntefering empört auf Lafontaines Comeback-Drohung reagiert: Lafontaines Verhalten sei "eitel und unsolidarisch". Lafontaine versuche den Bundeskanzler und die Politik der SPD zu diffamieren, ohne Rücksicht auf die mitten in Landtagswahlkämpfen stehenden Landesverbände zu nehmen, sagte Müntefering.
Der Verein "Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit" begrüßte dagegen Lafontaines Überlegungen. Klaus Ernst, der Sprecher des Vereins, aus dem eine Linkspartei entstehen soll, teilte mit, dass Lafontaine "besonders herzlich" willkommen sei.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH