Bonn/Prag - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat George W. Bush zur Wiederwahl gratuliert. Wenn Meldungen zuträfen, dass Kerry seine Niederlage eingestanden habe, so Schröder, gratuliere er George W. Bush herzlich. Dies sagte er am Abend in Bonn nach einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak.
"Ich werde unsere enge und gute Zusammenarbeit, die wir hatten, fortsetzen", sagte Schröder weiter. Dies diene den Interessen der USA ebenso wie denen Deutschlands und Europas.
CDU-Chefin Angela Merkel erhofft sich nach dem Wahlsieg Bushs eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen den USA und Europa. "Dazu sollte jede Seite ihren Beitrag leisten", sagte Merkel in Prag. Ein gutes transatlantisches Verhältnis sei Voraussetzung dafür, dass im Kampf gegen den internationalen Terror und um bessere Wachstumsraten in der Wirtschaft Erfolg erzielt werden könne. "Es ist auch ein Pfeiler für die weitere Entwicklung Europas", sagte Merkel und beglückwünschte Bush zu seiner Wiederwahl.
Während seines Treffens mit Bundeskanzler Schröder in Bonn sagte Husni Mubarak: "Wir hoffen, dass die neue Administration von Herrn Bush in Zusammenarbeit mit der Europäischen Union Einfluss nehmen könnte, dass wir im Nahen Osten zu einer friedlichen Entwicklung kommen können."
Auch Uno-Generalsekretär Kofi Annan hat Bush zu dessen Wahlsieg gratuliert. Zugleich äußerte er den Wunsch nach einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen den USA und und den Vereinten Nationen. Abgesehen von der "fundamentalen Meinungsverschiedenheit" über die Rechtmäßigkeit des Irak-Krieges hätten die Uno und die USA in den ersten vier Jahren der Regierung Bush "solide und produktiv" zusammengearbeitet, erklärte Annans Sprecher Fred Eckhard.
Annan beglückwünschte in seiner Erklärung auch das amerikanischen Volk zu "der eindrucksvollen Demonstration von Demokratie", die es durch die hohe Wahlbeteiligung gezeigt habe. Er würdigte zudem die "prompte und staatsmännische" Entscheidung des Bush-Herausforderers John Kerry, das Wahlergebnis zu akzeptieren.
Unter den Gratulanten für Bush war auch EU-Kommissionspräsident Romano Prodi. Er sprach sich für eine engere Zusammenarbeit mit den USA aus. "Ich hoffe, in dieser zweiten Amtszeit werden die USA und die ganze Welt in den Genuss einer politischen Stabilisierung und der Garantie einer kollektiven Sicherheit kommen, für die wir alle unser Äußerstes getan haben", sagte Prodi.
Offenbar mit Anspielung auf den Unilateralismus der USA, der die transatlantischen Beziehungen während Bushs erster Amtszeit belastet hatte, fügte Prodi hinzu: "Europa wird damit fortfahren, die freundschaftlichen Bindungen und die Zusammenarbeit mit den USA zu stärken. Diese Bindungen ... sind unerlässlich zur Erhaltung des Friedens in der Welt auf Basis der multilateral geteilten Prinzipien und Werte."
Der russische Staatschef Wladimir Putin würdigte Bush als einen zuverlässigen Partner. Sollte sich Bushs Vorsprung bei der Präsidentenwahl bestätigen, hätte das amerikanische Volk gezeigt, dass es den Drohungen des internationalen Terrorismus nicht nachgebe, sagte Putin in Moskau. Die Beziehungen zwischen Russland und den USA hätten sich unter Bushs Präsidentschaft "zum Wohl unserer Völker und der globalen Sicherheit" verbessert, sagte Putin weiter. Bush sei ein Mann mit starkem Charakter. "Wenn er wiedergewählt ist, werden wir ihm gratulieren".
Der Schriftsteller Martin Walser hat die seiner Ansicht nach einseitige Parteinahme der meisten Deutschen und ihrer Medien für den US-Präsidentschaftskandidaten John Kerry kritisiert. In einem Interview mit der Berliner Tageszeitung "B.Z." sagte er: "Wir haben nicht das Recht, uns in dieser Weise aufzuspielen, dass uns nun der Kandidat lieber wäre als der andere. Die Amerikaner haben das Recht zu wählen, wen sie wollen. Und wen auch immer sie wählen, in jedem Kandidat kommt Amerika zum Ausdruck."
Er begreife nicht, warum sich überhaupt ein Demokrat als Herausforderer zur Wahl gestellt habe. "Der Bush soll doch selbst besorgen, was er angerichtet hat. Das kann kein Mensch außer ihm selbst noch verantworten."
Weitere Reaktionen aus aller Welt:
John Prescott, Vize-Premierminister Großbritanniens:
"Wir müssen abwarten und sehen, was das amerikanische Volk zu sagen hat und uns an die vorherige Wahl und Florida erinnern - auch wenn es so aussieht, als sei dort diesmal eine klare Entscheidung getroffen worden."
Franco Frattini, italienischer Außenminister:
"Die Aufrechterhaltung einer engen Beziehung zu den Vereinigten Staaten ist eine Notwendigkeit, der man sich in Italien und der Europäischen Union sehr bewusst ist."
Göran Persson, schwedischer Ministerpräsident:
"Bush hat nicht mit Handels-Hindernissen gedroht, Kerry hat es getan, so dass es es in dieser Hinsicht vielleicht einfacher wird."
"Europa wird Bush weiterhin kritisieren, so wie bisher. Aber ich glaube nicht, dass er stärker zum Zuhören bereit ist."
Anders Fogh Rasmussen, dänischer Ministerpräsident:
"Es ist offensichtlich, dass die Vereinigten Staaten ein gespaltenes Land sind und ich glaube, dass Bush alles unternehmen wird, um die Wunden zu heilen."
Kjell Magne Bondevik, norwegischer Ministerpräsident:
"Unter Bush haben sich zwischen Europa und den Vereinigten Staaten Spannungen entwickelt... Ich hoffe, dass er versuchen wird, Brücken zu bauen...und mehr mit internationalen Organisationen kooperiert."
Hubert Vedrine, ehemaliger französischer Außenminister:
"Es wird aus weltweiter Sicht ohne Zweifel eine Art Katzenjammer geben, da nahezu alle Nationen - mit drei oder vier Ausnahmen...einen Wechsel wollten."
Junichiro Koizumi, japanischer Ministerpräsident:
"Es scheint, dass wie erwartet ein Kopf-an-Kopf-Rennen andauert. Ich bin überzeugt, an der grundlegenden Freundschaft zwischen Japan und den USA wird sich nichts ändern, ganz gleich, welcher Kandidat gewinnt."
Peter Kellner, politischer Analyst aus Großbritannien:
"Ich bin sicher, dass nahezu das gesamte Kontinental-Europa auf einen Kerry-Sieg gehofft hat, und wenn sie den nicht bekommen, wird eine Menge Verzweiflung in Europa geben."
Ijad Alawi, irakischer Ministerpräsident:
"Die Vereinigten Staaten haben uns von einem Diktator befreit, von einer sehr langen Zeit des Krieges und Leides. Wir werden Amerika immer dankbar sein."
Mohammed Ali Abtahi, Berater des iranischen Präsidenten:
"Bushs Methoden sind falsch, aber jetzt - nach den Fehlern, die er im Nahen Osten gemacht hat - kennt er die Region besser als Kerry."
Aleksander Kwasniewski, polnischer Präsident:
"Aus polnischer Perspektive ist eine weitere Zusammenarbeit mit George Bush eine sehr gute Nachricht."
Ehud Olmert, stellvertretender israelischer Ministerpräsident:
"Herr Kerry wäre aus israelischer Sicht ein sehr sympathischer Präsident gewesen, was er über eine lange Zeit als Senator bewiesen hat. Nach der Wahl von Herrn Bush sind wir sehr glücklich und gratulieren dem amerikanischen Volk zu seiner Wahl."
Raanan Gissin, Sprecher von Ministerpräsident Ariel Scharon, sprach von einem "Sieg für die Demokratie". Bush habe sich besonders durch seinen entschlossenen Kampf gegen den Terror hervorgetan. Da Israel in diesem Bereich ähnliche Interessen verfolge, sei man sehr zufrieden mit seinem Wahlsieg. Zudem sei Bush als "Freund Israels" bekannt, man hoffe daher auf eine Fortsetzung der "engen Beziehungen und guten Zusammenarbeit".
Der australische Regierungschef John Howard wünscht sich in seiner Gratulation, dass sich Washington weiterhin auf den internationalen Kampf gegen den Terror konzentriere, sagte der stellvertretende Ministerpräsident John Anderson. Auch der Chef der oppositionellen Labor-Partei, Mark Latham, gratulierte Bush. Vor der australischen Parlamentswahl vom 9. Oktober hatte Latham ihn als den "am wenigstens kompetenten und gefährlichsten Präsidenten seit Menschengedenken" bezeichnet. John Howards konservative Regierung gilt als enger Verbündeter der USA. Australien hatte sich mit rund 2000 Soldaten an der Invasion des Irak beteiligt.
Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao hofft, dass sich die "konstruktive Zusammenarbeit" zwischen den Regierungen der USA und Chinas weiter entwickeln werde. Bereits in der ersten Amtszeit Bushs habe es in den Beziehungen beider Länder "deutliche Fortschritte in vielen Bereichen" gegeben. "Ich freue mich darauf, die Zusammenarbeit fortzusetzen."
"Egal, ob Bush oder Kerry gewinnt, es ist das Geld, das in den nächsten vier Jahren regieren wird", schrieb hingegen "Granma", das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Kubas. Den Lesern, die noch nie eine freie Wahl im eigenen Land erlebt haben, teilte das Blatt teilte mit, dass es bis 3 Uhr morgens (Ortszeit) keine Entscheidung im Rennen um das Weiße Haus gegeben habe. "Die Wahlen in den Vereinigten Staaten sind ein schwer zu verstehender Mechanismus", kommentierte die Zeitung.
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