Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik



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26.11.2004
 

Folter bei der Bundeswehr

Hinweise auf weitere Fälle

Bei der Bundeswehr ist es möglicherweise auch an anderen Standorten zu Misshandlungsfällen wie in Coesfeld gekommen. Das geht aus entsprechenden Informationen des Wehrbeauftragten des Bundestages, Willfried Penner, hervor. Der neuerliche Vorfall soll sich ebenfalls in einer nordrhein-westfälischen Garnison abgespielt haben.

Bundeswehr-Soldaten: Neue Geiselhaft-Übungen?
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DPA

Bundeswehr-Soldaten: Neue Geiselhaft-Übungen?

Berlin - Penner sagte der "Welt", er habe eine entsprechende Eingabe erhalten. "Dem gehen wir nach." Der neue Fall, den der Wehrbeauftragte nun untersuche, soll sich ebenfalls in einer nordrhein-westfälischen Garnison abgespielt haben und der Coesfelder Geiselhaft-Übung ähnlich sein, schreibt die "Welt". Das Verteidigungsministerium hat bisher nach eigenen Angaben keine Informationen über den Vorfall.

Der vom Bundestags-Wehrbeauftragten Willfried Penner genannte weitere Misshandlungsfall in der Bundeswehr hat sich wahrscheinlich in der Westfalen-Kaserne in Ahlen zugetragen. Eine entsprechende Meldung des Westdeutschen Rundfunks unter Berufung auf den Bundestagsabgeordneten Jürgen Herrmann (CDU) aus Höxter bestätigte dessen Berliner Büro.

Rekruten aus der Kaserne in Coesfeld schilderten inzwischen Einzelheiten ihrer Misshandlungen durch Ausbilder. Die Soldaten berichteten laut "Bild"-Zeitung, dass sie bei einer nachgestellten Geiselnahme gefesselt, geschlagen und mit Wasser abgespritzt worden seien. Nur ein Soldat habe sich getraut, das Codewort "Tiffy" zu sagen und damit die Gewalttätigkeit zu beenden.

Ein Soldat schilderte der "Bild": "Plötzlich griffen uns maskierte Männer an, zogen uns Leinensäcke über den Kopf, fesselten uns mit Kabelbindern." Die Opfer seien in einen Keller gebracht worden. Ein anderer Soldat sagte: "Wir mussten uns hinknien und abwarten. Dann wurde jeder Einzelne weggeführt und 'verhört'. Einige wurden mit Wasser abgespritzt, andere erhielten Schläge in den Nacken. Einem Kameraden haben sie die Kabel in den Nacken gehalten, ihm dort Stromschläge verpasst. Sie drückten ihn mit Gewalt runter. Er schrie auf."

Dass die Wehrdienstleistenden die Schikanen über sich ergehen ließen, begründete ein Soldat so: "Niemand wollte als Feigling oder Schwächling dastehen."

Der Beauftrage für Erziehung und Ausbildung im Verteidigungsministerium, General Alois Bach, sagte der "Sächsischen Zeitung", das Rollenspiel "Verhalten als Geisel" gehöre bei der Bundeswehr zur regulären Vorbereitung von Auslandseinsätzen. Es sei aber nicht Bestandteil der Grundausbildung für Wehrpflichtige.

Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt wegen der Misshandlungen von rund 80 Bundeswehrsoldaten im Instandsetzungs-Bataillon sieben gegen 21 Vorgesetzte. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) lässt nun prüfen, ob Soldaten durch Auslandseinsätze verrohen.

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