Berlin - Janssen gab seinen Rücktritt am späten Nachmittag in einer Erklärung des SPD-Bezirks Weser-Ems und des Unterbezirks Aurich bekannt, die per E-Mail versandt wurde. Zuvor hatte SPIEGEL ONLINE berichtet, dass Janssen gestern auf seiner Internet-Seite die Zahlungen des VW-Konzerns an ihn falsch dargestellt hatte.
Der SPD-Parlamentarier aus Norden in Ostsfriesland hatte noch in seiner gestrigen Erklärung behauptet, er habe seit seiner Wahl in den Bundestag 1994 kein Gehalt mehr von VW erhalten. Nach Informationen des SPIEGEL erhielt Janssen aber noch Ende 2004 die letzte Zahlung.
Auch VW nannte das Dementi des Politikers unrichtig. Janssen sei erst zur Jahreswende aus seinem Beschäftigtenverhältnis entlassen worden. Aus SPD-Kreisen war zu erfahren, Janssen sei untragbar geworden.
Janssen selbst gab in der Erklärung keine weiteren Kommentare zu seinen Bezügen ab. Es war lediglich von "unterschiedlichen Interpretationen" dieser Frage die Rede. Er wolle "seine Familie und seine Partei nicht länger mit Spekulationen über seine Einkünfte belasten", hieß es in der Mitteilung.
Janssens früherer Arbeitgeber VW hatte gestern dem öffentlichen Druck nachgegeben und die Liste derjenigen früheren Mitarbeiter veröffentlicht, die nach ihrem Wechsel in die Politik weiterhin Gehälter bezogen. Eine Gegenleistung mussten sie dafür nicht erbringen.
Neben Janssen stehen das Bundestagsmitglied Hans-Jürgen Uhl ebenso auf der Liste wie die niedersächsischen Landtagsabgeordneten Günter Lenz, Ingolf Viereck und Hans-Hermann Wendhausen und der bayerische Landtagsabgeordneten Hans Joachim Werner. Alle Politiker gehören der SPD an.
VW hat die Fortzahlung von Bezügen an Politiker nach eigener Mitteilung rückwirkend zum Jahresbeginn eingestellt.
Wutausbrüche auf Janssens Homepage
Die Empörung über Janssens Umgang mit seiner verschwiegenen Nebentätigkeit war auch auf seiner Homepage nachzulesen. Nachdem immer mehr Bürger sich unter Nennung ihres vollen Namens im Gästenbuch Luft machten, wurde dieses am frühen Freitagnachmittag gesperrt. "Da kann ich nur sagen - dumm gelaufen", schrieb etwa ein Leser. Ein anderer notierte: "Hauptsache die Eigenverantwortung stimmt!!!!". Ein weiterer Leser schrieb auf der Janssen-Homepage: "Nehmen Sie hiermit meine tiefe Verachtung entgegen."
Janssen gehörte seit 1994 dem Bundestag an. In den beiden letzten Legislaturperioden brachte es der fast 60-Jährige vom einfachen Mitglied zum Vorsitzenden des Tourismus-Ausschusses im Parlament. Janssen war kein Politiker der ersten Reihe - langjährigen Beobachtern des Betriebs war er bis vor kurzem nicht aufgefallen.
Mit Janssen verlässt ein Mann alten Schlages den Bundestag: Nach der Volksschule lernte er Schiffbauer, fing bei VW als Bandarbeiter an. Im Betriebsrat machte er rasch Karriere, war dort Vorsitzender seit 1982. Zwölf Jahre später errang er sein erstes Direktmandat für den Bundestag. Elf Jahre später, am 14. Januar 2005, zog Janssen nun die Konsequenzen - als erster SPD-Abgeordneter in der Doppelverdiener-Affäre.
Die SPD, so hieß es am Freitag knapp in der versandten Erklärung, "dankt Jann-Peter Janssen für diesen klaren Schritt und für die in den vergangenen Jahren geleistete Arbeit."
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