Von Björn Hengst, Köln
Köln - Mit drastischen Worten kritisierte Helmut Kohl bei der Feier zum 60-jährigen Bestehen der CDU am Dienstagabend die rot-grüne Bundesregierung. In Berlin säßen heute viele "dümmliche Gestalten", die einen "dümmlichen Antiamerikanismus" pflegten.
Eigentlich wollte sich CDU an diesem Abend nur selbst feiern. Doch Kohl sprach noch lieber über die "Anderen". Joschka Fischer zum Beispiel habe sich als einst Steine werfender Sponti wie kein anderer Außenminister zuvor "durch die Geschichte gelogen".
Zuvor hatten die Gäste der Jubiläumsfeier stehend applaudiert, als Alt-Kanzler Kohl begleitet von seinen Parteifreunden Jürgen Rüttgers und Bernhard Vogel den Saal betrat. Eingeladen zum Festakt hatte die Konrad-Adenauer-Stiftung - deren Vorsitzender Bernhard Vogel begrüßte den über die Parteispendenaffäre gestürzten Ex-Vorsitzenden überschwänglich: "Was wäre die Union ohne Helmut Kohl"?
Anlass der Parteifeier: Bereits unmittelbar nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen am 6. März 1945 hatte es in Köln konkrete Pläne für eine neue christlich-demokratische Partei gegeben. Fortgesetzt wurden diese Pläne mit den "Kölner Leitsätzen" im Juni 1945. Sie bildeten die Grundlage für die Programme der neuen Partei in Rheinland und Westfalen vom September 1945. Von einem "christlichen Sozialismus" ist darin die Rede, und auch das Ahlener Programm vom Februar 1947 ist in einem ähnlichen Ton gehalten: "Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden."
Zwar betonten alle Redner des Abends, wie erfolgreich die Partei als Sammelbecken für politisch, sozial und konfessionell heterogene Gruppen fungierte, die sozialistischen Nuancen in den ersten Jahren der Union brachten sie indes lieber nicht zu Sprache. Nur einmal zitierte Helmut Kohl den früheren Kanzler Ludwig Erhard: "Diesen Unsinn habe ich auch noch verhindert", habe Erhard über das "Ahlener Programm" gesagt.
Doch die Vergangenheit seiner Partei interessierte Kohl erkennbar weniger als eine erneute Abrechnung mit Rot-Grün. Er sei jetzt mit bald 75 Jahren zwar im Pensionsalter, aber es bereite ihm Freude, den "Anderen" zu sagen, was er von ihnen halte: "Nichts."
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