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16.05.2005
 

Pfingstmontag

So schön wie heute wird's vielleicht nie wieder

Nach dem Gezerre um den Nationalfeiertag im letzten Jahr hat es die deutsche Wirtschaft jetzt auf den Pfingstmontag abgesehen. Nicht jeder Feiertag solle arbeitsfrei sein, finden die Arbeitgeber. SPD und Union protestieren. Selbst die Ex-Kommunisten empören sich über die "Gottlosigkeit".

Kinder genießen trotz Schmuddelwetter ein Eis: Müssen sie künftig am Pfingstmontag in die Schule?
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DPA

Kinder genießen trotz Schmuddelwetter ein Eis: Müssen sie künftig am Pfingstmontag in die Schule?

Berlin - Der Chef des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels, Anton Börner, sagte: "Nicht jeder Feiertag muss zwangsläufig arbeitsfrei sein. An Pfingstmontag beispielsweise sollte gearbeitet werden." Auch in Italien werde an manchen Feiertagen gearbeitet.

Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer, Patrick Adenauer, argumentierte, die Abschaffung des Pfingstmontags wäre ein Weg zu mehr Wachstum. Die Chefin des Unternehmerverbandes mittelständische Wirtschaft, Ursula Frerichs, ergänzte, der Pfingstmontag sei für die meisten Menschen eh nur ein weiterer Urlaubstag.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) lehnte den Vorstoß ab. Der Pfingstmontag habe eine Tradition, die beibehalten werden sollte. Zudem halte er nichts davon, Feiertage abzuschaffen. Auch der Arbeitnehmerflügel der CDU reagierte mit "Unmut". Es sei an der Zeit, die "Scheindiskussion um mangelnde Wettbewerbsfähigkeit zu beenden", hieß es aus dem CDA-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern.

Aus Bayern kam ebenfalls ein striktes Nein. CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann sagte in München, er halte es zwar für wichtig, dass alle wieder mehr arbeiten. "Das darf aber nicht zu Lasten kirchlicher Feiertage gehen", betonte der CSU-Politiker. Besonders die Feiertage an Weihnachten, Ostern und Pfingsten stünden in einer christlich-europäischen Kulturtradition, seien deshalb besonders schützenswert und "sollten am allerwenigsten zur Disposition stehen".

Wenn die Arbeitgeber der Meinung seien, dass die Beschäftigen zu viele freie Tage haben, sollten sie diese Position laut Herrmann in den Tarifverhandlungen vertreten. Nicht die Zahl der kirchlichen Feiertage sei in den vergangenen Jahren gestiegen, sondern der Umfang von Urlaub und sonstiger Freizeit.

Neben der CSU erteilten auch die IG Metall und mehrere Verbände in Bayern dem Vorschlag eine Absage. Der Vorsitzende der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer, warf den Arbeitgeberverbänden im Zusammenhang mit der Debatte um die Abschaffung des Pfingstmontag "Lug und Trug" vor. "Sie wollen mit dem Oper eines christlichen Feiertags nicht das Wachstum ankurbeln, sondern in Wirklichkeit in ihre Schatulle arbeiten", erklärte er. Die Behauptung, die Deutschen seien Freizeitweltmeister, sei überdies falsch. Gemessen an den Urlaubstagen arbeiteten die Deutschen länger als der europäische Durchschnitt.

"Wo bleibt dann die Zeit für das Familienleben?", argumentierte der Landesvorsitzende des Familienbunds der Katholiken, Johannes Schroeter, gegen die Abschaffung des Feiertags. Der Tag sei wichtig, damit berufstätige Eltern Zeit mit ihren Familien verbringen könnten. In Deutschland mangele es nicht an Arbeitskraft, sondern an Inspiration und gutem Geist, sagte Schroeter. "Gerade deshalb brauchen wir Pfingsten zur Besinnung auf Gottes Geist, der uns inspiriert."

Die PDS-Politikerin Petra Pau nannte die Forderung der Unternehmerverbände "gottlos". Die fraktionslose Bundestagsabgeordnete zitierte die Bibel: "Ihr könnt nicht beiden zugleich dienen: Gott und dem Mammon (Matthäus 6,24)."

Massive Proteste in Frankreich gegen Feiertagsabschaffung

Proteststreiks gegen den Wegfall des Pfingstmontags als Feiertag haben das öffentliche Leben in vielen Städten Frankreichs behindert. Wie viele Arbeitnehmer sich an dem Ausstand beteiligten, ist noch unklar. In 27 Städten, darunter Lille und Marseille, fuhren nach Rundfunkberichten weder Bahnen noch Busse. In 30 weiteren Städten habe es nur eingeschränkte Dienste gegeben. Der Feiertag war von der Regierung gestrichen worden, um mit den erzielten zusätzlichen Einnahmen die Gesundheitsversorgung der älteren Generation zu finanzieren.

Das Bildungsministerium teilte mit, rund ein Fünftel der Lehrer sei nicht zum Unterricht erschienen. Nach Angaben der Lehrergewerkschaft erschienen auch nur zehn bis 15 Prozent der Schüler. Auch die Post und der Energiesektor waren nach Gewerkschaftsangaben betroffen. "Sie können davon ausgehen, dass wir nicht einfach so einen Feiertag aufgeben", sagte der Chef der Gewerkschaft CGT, Bernard Thibault. In Umfragen am Wochenende hatten mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer angegeben, nicht zur Arbeit erscheinen zu wollen.

Mit der Streichung eines von elf öffentlichen Feiertagen erhofft sich Ministerpräsident Jean-Pierre Raffarin, auf Steuererhöhungen verzichten zu können. Insgesamt sollen nach Regierungsberechnungen durch den Wegfall des Feiertags zusätzlich zwei Milliarden Euro in die Staatskassen und in die Gesundheitsversorgung Älterer fließen. Nach der Hitzewelle 2003 mit vielen Toten besonders unter der älteren Bevölkerung war Kritik am staatlichen Gesundheitssystem laut geworden.

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